Paten für Toleranz

von Silvia Adani, Kuratorium zur Förderung des Jüdischen Zentrums Jakobsplatz 

In Literatur, Dichtung und Musik ist sie als Schlüsselthema ebenso bedeutend wie für Philosophie, Politik und Religion: die Toleranz, als Maßstab und Status der demokratischen, freiheitlichen Verfassung einer Gesellschaft und des Umgangs der Menschen miteinander.

Wenn Toleranz nicht wirklich von jedem Einzelnen gelebt wird, wenn Toleranz nicht Denken und Handeln des Einzelnen bestimmt, dann sind Frieden, Offenheit und Respekt zwischen Menschen, Kulturen und Religionen nicht möglich.

Der innige Wunsch, die Umsetzung dieser humanistischen Ideale aktiv zu unterstützen und fördern und damit der Toleranz einen Weg in die Herzen und Köpfe der Menschen zu bahnen, hat Prof. Dr. Hubert Burda dazu bewegt, die Initiative „Paten für Toleranz“ ins Leben zu rufen und als Vordenker und Vorbild diese selbst zum Erfolg zu führen.

Willy Bogner entschied sich für ein Zitat von Paul McCartney

„Paten für Toleranz“ ist eine breit angelegte Medienkampagne, die Spendengelder für den Bau des Jüdischen Zentrums Jakobsplatz einlobt. Die Spender bekennen sich mittels einer Patenschaft eines berühmten Zitats zu Toleranz und Offenheit. Die Initiative wird durch die großen Münchner Medienhäuser realisiert und umgesetzt. Neben Prof. Dr. Hubert Burda und den Münchner Verlegern zählen auch Helmut Markwort und Charlotte Knobloch zu den Initiatoren.

Die Kampagne führt alle notwendigen Elemente zusammen: Die Worte großer Persönlichkeiten der Geschichte und Kultur vereinen sich mit dem Ansehen engagierter Paten; die beeindruckende Reichweite der führenden Medeinhäuser Süddeutschlands führt für ein Millionenpublikum nicht nur eine Begegnung mit dem Begriff der Toleranz herbei, sondern gewinnt dieses dafür, ebenfalls tatkräftig und engagiert für diese einzutreten.

Die Basis des Konzepts bilden keine geringeren Denker, Schriftsteller, Künstler und Persönlichkeiten als etwa Friedrich Schiller, Voltaire, Paul McCartney oder John F. Kennedy; sie alle stehen Pate für die „Paten für Toleranz“. Mit ihren Gedanken und Ideen agieren sie quasi als Spiritus Rector des gesamten Projekts, ihre Zitate stehen für die Vision der Toleranz.

Eröffnung des Jüdischen Zentrums

Für diese Gedanken von Weltgeltung haben sich zahlreiche prominente Personen und Persönlichkeiten sofort begeistert und spontan ihre Teilnahme zugesagt. Sie haben jeweils die Patenschaft für eines dieser historisch oder zeitgeschichtlich bedeutsamen Zitate übernommen. Die Gruppe wuchs stetig weiter an zu einem Chorus, dessen Stimme nicht mehr einfach überhört werden konnte. Das Online / Offline-Konzept der Kampagne eröffnete potentiellen Interessenten die Teilnahme durch die Nutzungsmöglichkeit der verschiedenen Kommunikationskanäle. Die eigens konzipierte Website eröffnete darüber hinaus noch zahlreiche weitere Möglichkeiten: Bereits mit einer Spende von fünf Euro war die Teilnahme möglich, neben der Onlinebuchung einer Anzeige konnten eigene oder neue Zitate eingereicht werden und es wurde eine „Hall of Fame“ mit allen bisherigen Anzeigen eingerichtet.

Die großen Münchner Verlage von der „Süddeutsche Zeitung“, über „Münchner Merkur“, „AZ“ bis zu „TZ“ wurden ebenfalls begeistert, die Kampagne aktiv zu unterstützen. Mit ihrer Reichweite und journalistischen Kompetenz war dieses Engagement der Schlüssel zum Erfolg der „Paten für Toleranz“. Millionen Leserinnen und Leser fanden über mehrere Monate hinweg beinahe täglich in der Zeitung ihrer Wahl einen Paten mit einem neuen Zitat.

Alle Spender verewigten sich in der „Hall of Fame“

Während die Paten sich bereit erklärten, für diese Anzeigen den marktüblichen Preis in Abhängigkeit von Farbigkeit und Größe der Anzeige zu entrichten, konnten die Verlage überzeugt werden, diese Anzeigen zum Selbstkostenpreis zu veröffentlichen. Damit wurden rund 85 Prozent des jeweiligen Anzeigenpreises dem Bau des Jüdischen Zentrums Jakobsplatz als Spenden zur Verfügung gestellt.

Ohne Abzüge oder weitere Kosten kamen diese Spenden direkt dem Jüdischen Zentrum Jakobsplatz zugute. Auf dem Jakobsplatz in München, einem der ältesten Plätze der Stadt, entsteht das Jüdische Zentrum, bestehend aus Synagoge, Jüdischem Gemeinde- und Kulturzentrum und Jüdischem Museum. Dieses Projekt, das gleichzeitig die Vision einer neuen Ära des Miteinanders widerspiegelt und repräsentiert, ist wohl eines der zentralen Vorhaben im Nachkriegsdeutschland.

Das Zentrum, das zu einem Gutteil von der jüdischen Gemeinde selbst finanziert, aber vom Freistaat Bayern und der Landeshauptstadt München ebenfalls nachhaltig gefördert und unterstützt wird, ist Prüfstein des Status Quo des Toleranzbegriffs und dessen Verankerung in der deutschen Gesellschaft. Denn ohne die allgemeine gelebte Akzeptanz und der selbstverständliche Umgang mit anderen Religionen, Weltanschauungen und Gedanken hat dieses Zentrum im Herzen Münchens keine Chance, seine Kraft im Wechselspiel mit einem modernen, weltoffenen und reichen städtischen Leben und einer urbanen Kultur.