„Worthülsen in Talk-Shows reichen künftig nicht mehr aus“

Badische Neueste Nachrichten vom 27. April 2006

Karlsruhe. Dass seine Medien Gehör finden, ist für ihn tägliches Geschäft: Hubert Burda ist Chef eines Unternehmens, zu dem im In- und Ausland mehr als 250 Magazine gehören. Wie sie wirken, darüber sprach der 65-Jährige gestern Abend an der Universität Karlsruhe, wo er offiziell die von der Uni-Gesellschaft gestiftete Heinrich-Hertz-Gastprofessur antrat.

Von Tina Kampf

In gut einer Stunde zeichnete der Kunstgeschichtler die rasante Entwicklung der Medien nach: Angefangen bei frühen Formen der schriftlichen Kommunikation, bei Hieroglyphen und Wandmalereien, bis zur heutigen Zeit, „in der jemand schon asozial erscheint, der nach der Landung am Flughafen nicht sofort mit seinem Handy telefoniert“. Begeistert schwärmte er von den Möglichkeiten der Medien, ihrer rasanten Ausweitung, von Geschwindigkeiten, von Ereignissen, die Menschen weltweit und zeitgleich vor dem Bildschirm verfolgen – und lieferte mit seinem eigenen Auftritt gleichsam ein Beispiel dafür, dass es auch heute noch anders geht: Mehrere hundert Zuhörer hatten sich – allen Möglichkeiten der modernen Technik zum Trotz – die Mühe gemacht, zur Uni zu fahren, um Burda persönlich vor Ort zu erleben.

Kein Widerspruch für den Gastprofessor: „High-Tech ist ohne Hightouch nicht zu verstehen“, versicherte Burda. Auch wenn Menschen Technik nutzen, sich in der virtuellen Welt bewegen würden, hätten sie dennoch den Wunsch, selbst etwas anzufassen oder zu gestalten. „Da will man auch raus, nähen, einkaufen, Spätzle machen.“ Eine Entfremdung oder gar ein Ende des technischen Fortschritts? Für Burda undenkbar: „Die Entwicklung wird weitergehen, wir werden lernen müssen, uns permanent umzustellen.“ Schon der kommende Bundeswahlkampf werde medial in einer völlig anderen Form stattfinden als der im vergangenen Herbst, erklärte er: So genannte Blogs – Internet-Foren, in denen jeder seine Meinung veröffentlichen und Ereignisse kommentieren kann – würden an Bedeutung gewinnen. „Da reicht es nicht mehr, einige Worthülsen in Talk-Shows anzuführen – da kann jeder sofort nachfragen oder klarstellen, wenn etwas nicht stimmt.“

Insgesamt gelte: „Wahlen werden in den Medien gewonnen“, sagte der Chef des Offenburger Konzerns, dem Uni-Rektor Horst Hippler unternehmerischen Weitblick bescheinigte. Ein Weitblick, der sich vielleicht auch in der Medien-Vielfalt innerhalb des Burda-Konzerns widerspiegelt, zu dem nicht nur Magazine, sondern auch Internet- und Radiobeteiligungen sowie TV-Produktionen gehören. „Die Frage wird letztlich sein, wer täglich die Themen bestimmt“, sagte der Unternehmer, der dabei den klassischen Print-Bereich derzeit gut aufgestellt sieht. Umfragen zufolge würden immerhin rund 30 Prozent der Europäer diesem Medientyp das meiste Vertrauen schenken.

Allein: Burda zeigte auch auf, wie sich gerade junge Menschen derzeit das Internet zu Nutze machen, Seiten nach ihren Wünschen und Ideen gestalten. Ein Stück „vernetzte Zukunft“ – über die Hubert Burda ausführlicher am 24. Mai in Karlsruhe referieren wird.