„So normal wie elektrischer Strom“

Offenburger Tageblatt vom 28. April 2006

Über die Wirkung von Medien sprach Hubert Burda in seinem ersten Vortrag als Heinrich-Hertz-Gastprofessor an der Karlsruher Fridericiana. 500 Zuhörer, darunter Generalbundesanwalt Kay Nehm, verfolgten Mittwochabend die Vorlesung im Audi-Max der Universität. Das mit 7500 Euro dotierte Honorar kommt der Felix-Burda-Stiftung zugute.

Von Ute Dahmen

Karlsruhe. »Sie sind einer der innovativsten Medienunternehmer unseres Landes«, würdigte Universitätsrektor Horst Hippler den Offenburger und Münchner Verleger. Als Gastprofessor an der Technischen Universität Karlsruhe steht Burda in der Tradition von Roman Herzog und Marcel Reich-Ranicki. 1987 wurde die Heinrich-Hertz-Gastprofessur erstmals anlässlich des 100. Jahrestages der Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertz in Karlsruhe vergeben.

»Die Medien sind der explosivste und am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig«, so Burda über eine Entwicklung, die ohne die wissenschaftliche Bestimmung der elektromagnetischen Wellen durch Hertz nicht denkbar wäre. Nach der Erfindung von Rundfunk und Fernsehen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, lösten ab 1980 die Innovationen CD, Video, Satelliten-TV eine digitale Medienexplosion aus, die sich heute in Blogs, Podcasting, Fotohandy und MP3 manifestiert. »2050 wird der PC für uns so normal sein wie elektrischer Strom«, ist Burda überzeugt.

Informativ und unterhaltsam vermittelte Hubert Burda einen historischen Überblick. Angefangen bei der Bildsprache der Hieroglyphen über die Papyrusrolle und das erste Alphabet der Griechen bis hin zu Gutenberg und der Erfindung des Buchdrucks 1434 in Straßburg. Hier betonte der Offenburger die Schlüsselrolle des Oberrheingrabens mit seiner Fortsetzung im Rhonetal als die historische Gegend, in der mit der Erfindung von Buchdruck, Kupferstich, Holzschnitt, der Herstellung des Papiers, Fotografie, Film, elektromagnetischen Wellen und den Anwendungsbereichen von Computer-Technologien (SAP, ZKM) die wohl entscheidende kommunikativste Landschaft Europas sich ausgeprägt habe.

Allerdings, so warnte der Gastredner, würde seit Gutenberg die linke, sprich textorientierte Hirnhälfte forciert, die rechte, die für Visualität und Fantasie stehe, vernachlässigt. »Wir brauchen beide!« Das Fernsehen, so Burda, sei das große Medium der Inszenierung der rechten Hirnhälfte. Er erinnerte an die Mondlandung 1969, die weltweit von mehr als 700 Millionen Menschen via TV verfolgt wurde. Für das WM-Endspiel prophezeit er über eine Milliarde Zuschauer. »Das nennt man Synchronsphären, wenn alle Menschen den gleichen Gesprächsstoff haben.«

Medien sind für den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media Möglichkeiten, die natürliche Kommunikation wie das Gespräch oder den Gesang durch technische Geräte zu verstärken und zu vervielfältigen. Dass jede Medaille auch eine Kehrseite hat, lässt Burda allerdings nicht außer Acht: »Wir dürfen neben High Tech den High Touch nicht vergessen«, sagt er und meint den mitmenschlichen Umgang. »Wo immer sich Medien verändern, verändert sich die Gesellschaft monumental«, zitierte Burda Walter Benjamin.

Nächster Termin
Ausblick auf die Veränderungen, für die auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page stehen, wird Hubert Burda in seinem Vortrag »Vernetzte Zukunft« geben: Am 24. Mai, 17.15 Uhr, im Audi-Max der Universität Karlsruhe, Straße am Forum 1, Gebäude 30.95. Der Eintritt ist frei.