Wie Medien wirken

Die Zukunft der Medien: Larry Page und Sergey Brin stehen für die digitalen Veränderungen

„Ende des 20. Jahrhunderts haben die Massenmedien wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht. Individualisierte Medien gewinnen nun an Bedeutung“, so Dr. Hubert Burda. Im Rahmen der Heinrich-Hertz-Gastprofessur der Universität Karlsruhe gab der Verleger am Mittwoch, den 26. April, vor über 650 Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – darunter Generalbundesanwalt Kay Nehm, Komponist Wolfgang Rihm, Professor Peter Weibel vom Karlsruher ZKM sowie zahlreiche junge und erfolgreiche Unternehmer aus der Oberrheinregion – Einblicke in die Zukunft der Medien.

„High-Tech braucht High-Touch. Je mehr die Technik unser Leben bestimmt, desto mehr Sinnlichkeit und Gefühl muss auch vermittelt werden“, antwortete der Verleger auf die Frage, was die Menschen in einer von den neuen Technologien bestimmten Welt vermissen würden. „Sie werden sonst ja verrückt, da will man auch raus, nähen, einkaufen und Spätzle machen“, so Burda, der betonte, dass er den Menschen die Angst vor Hightech und Multimedia nehmen will.

Dr. Hubert Burda während der Diskussion mit den Studenten

„Weblogs gewinnen einen immer größeren Einfluss in der Meinungsbildung“, so Dr. Burda in seiner Vorlesung, die so gut besucht war wie noch keine Heinrich-Hertz-Veranstaltung. Virtuelle Communities organisieren und verbreiten Wissen und Inhalte anders. Neben dem Internet kommt auch dem TV eine große Rolle zu: „Das Fernsehen bestimmt die Politik: Wer die stärkeren Bilder mobilisieren und sich dadurch inszenieren kann, hat die Macht“, so der Verleger: „Die digitalen Medien bestimmen den ‚Iconic Turn’.“ Generalbundesanwalt Kay Nehm lernte daraus in Vorlesung: „Wenn man in die Kamera schaut, muss man offensiv mit ihr umgehen.“

Dr. Burda hatte zuvor einen Bogen von der Keilschrift bis zu den Infografiken des FOCUS gespannt: Am Beispiel der Hieroglyphen der Frühzeit, über die Erfindung des Buchdrucks bis hin zu den modernen Massenmedien stellte er dar, wie es zur Entwicklung des heutigen Medienbegriffs kam. „Diese Präsentation von der Antike bis zum Internet im Zeitraffer macht Lust auf die nächste Vorlesung“, so Manfred Ruf, Geschäftsführer der Deutschen Sportpartner GmbH.

„Der Verleger machte neugierig auf das, was auf uns Journalisten zukommt. Man spürte seine Begeisterung für Technik und neue Entwicklungen“, so Hanspeter Oschwald, Leiter der Burda Journalistenschule in Offenburg. Rouven Reiff von Reiff Medien ergänzt: „Mich hat beeindruckt, wie Dr. Burda moderne Medien und Kunsthistorie verbindet.“

Professor Thomas Breyer-Mayländer von der Fachhochschule Offenburg, einer der ersten Mitarbeiter des von Felix Burda gegründeten Online-Dienstes Uni-Online, betont die gelungenen Sensibilisierung für Medieninnovationen: „Es ist wichtig, früh zu starten und Erfahrungen ins Unternehmen zu tragen. Die Themen dürfen nicht bei den Innovatoren bleiben, sondern müssen zu einem Kompetenzzuwachs auch bei den Mitarbeitern führen.“ Für Matthias Ehrlich von der 1&1 Internet AG ist Dr. Burda einer der spannendsten Medienpolitiker: „Es ist ein Ansporn, dass zu schaffen, was er bereits im Printbereich geschafft hat.“

„Vernetzte Zukunft“ lautet der Titel der zweiten Vorlesung am 24. Mai.