Nutzergenerierte Inhalte für klassische Medien

Diskutierten in der „Elefantenrunde“ über Medien auf Abruf: Verleger Dr. Hubert Burda, Ministerpräsident Edmund Stoiber und FOCUS-Chef Helmut Markwort

Das Internet stellt die traditionelle Medienordnung auf eine harte Probe – so das Fazit der „Elefantenrunde“, die die 20. Münchner Medientage gestern eröffnete. Auf dem Podium mit Moderator Helmut Markwort diskutierten unter anderem Dr. Hubert Burda, Edmund Stoiber, Jürgen Doetz, Präsident Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch, der ARD-Vorsitzende Prof. Dr. Thomas Gruber, Premiere-Chef Dr. Georg Kofler, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), ZDF-Intendant Prof. Markus Schächter, RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt und Christof Wahl, Sprecher der Geschäftsführung Kabel Deutschland.

Im Internationalen Congress Center München betonten die Teilnehmer vor allem die Herausforderungen, die die Individualisierung der Medien mit sich bringen. Dr. Burda verwies auf die Welt der Blogger, die Medienkonzerne zunehmend in Frage stelle. „Diese Gegenöffentlichkeit ist so manifest, dass sie in Frankreich sogar den Europavertrag gekippt hat“, so der Verleger. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber nannte das Entstehen von mehr und mehr nutzergenerietren Inhalten „die nachhaltigste Herausforderung der Medienlandschaft“.

Der Mediengipfel wurde durch die Diskussion über die Zukunft der Rundfunkgebühren in Deutschland bestimmt. So kritisierte Stoiber die Medienpolitik der EU-Kommission und warf ihr Überregulierung vor. Gleichzeitig sprach er sich für ein anderes Gebührenmodell zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus: Eine Haushaltsabgabe solle die jetzigen Gebühren ersetzen. In seiner Eröffnungsrede ging der Ministerpräsident auch auf die gesellschaftliche Verantwortung der Medien ein und forderte Politik und Unternehmen auf, die neuen Chancen auf dem Medienmarkt offensiv zu ergreifen. Die Medienbranche sei „eine der wichtigsten Zukunftsbranchen mit großer Schubkraft für Wachstum und Arbeitsplätze“.

Die Medientage München gelten als der größte und bedeutendste Treff der Branche in Europa. Vor den rund 7.000 Teilnehmern des dreitägigen Kongresses diskutieren derzeit rund 500 Referenten zum Leitmotto „Medien auf Abruf – Folgen der Individualisierung für die Kommunikationsgesellschaft“, darunter Vorstände, Geschäftsführer und Chefredakteure des Hauses. So sprach Reinhold G. Hubert gestern über den Zeitschriftenmarkt in Deutschland, Patricia Riekel diskutierte das Thema „Selbstlob-Ich-AG oder Arbeiter im Weinberg der Öffentlichkeit?“, Dr. Marcel Reichart beschäftigte sich mit der Leser-Blatt-Bindung und Andreas Schilling analysierte Communities als Trend im Netz.

Heute geht es mit Jochen Wegner um die Macht von Suchportalen wie Google & Co. und Christoph Schuh wird Hubert Burda Media beim Panel „Im Kampf um den Online-Werbekuchen“ vertreten, Gerhard Thomas spricht zum Thema „Was muss eine effiziente und zeitgemäße IT leisten?“ und Dr. Marc Mangold beschäftigt sich mit der Frage „Geht das Lagerfeuer Fernsehen aus?“.

Konzert in Gedenken an Aenne und Dr. Franz Burda

Das Ortenau-Orchester in der Reithalle

Am Sonntagabend, den 15. Oktober, fand in der Reithalle im Offenburger Kulturforum ein Herbstkonzert in Gedenken an Senator Dr. Franz Burda und Aenne Burda statt. Das Ortenau-Orchester spielte unter der Leitung von Walter-Michael Vollhardt Werke von Brahms, Grieg, Sibelius und Schumann. Am Klavier beeindruckte Solistin Julia Kammerlander. Unter den Gästen waren zahlreiche Weggefährten und ehemalige Mitarbeiter.

Neue Bilderwelten in „Iconic Worlds“

Der Aufsatzband „Iconic Worlds – neue Bilderwelten und Wissensräume“ ist die Weiterführung vom Iconic Turn

Pünktlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse bietet das Buch “Iconic Worlds – neue Bilderwelten und Wissensräume” eine konsequente Weiterführung des Projektes „Iconic Turn“, das von der Burda Akademie zum Dritten Jahrtausend 2002 ins Leben gerufen wurde. Die von Dr. Christa Maar und Dr. Hubert Burda herausgegebene Publikation enthält bislang unveröffentlichte Vorträge namhafter Wissenschaftler und Bildschaffenden wie Eric R. Kandel, Rem Koolhaas, William J.T. Mitchell und Bruce Sterling.

Der Iconic Turn hat unsere Gesellschaft verändert und unzählige neue Bilderwelten geschaffen. Egal ob in Medien, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Unterhaltungselektronik: Bildliche Darstellungen strukturieren komplexe Inhalte, verändern kreative Prozesse und ermöglichen das Generieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Momentan wächst eine Generation junger Menschen heran, für die Bilder in der Kommunikation selbstverständlich sind, denen aber niemand das nötige Werkzeug zum Bewerten von Bildern an die Hand gibt“, sagt Dr. Christa Maar, Präsidentin der Burda Akademie zum Dritten Jahrtausend.

„Iconic Worlds“ konzentriert sich auf die politische, kulturelle und religiöse Bedeutung von Bildern. Ihre Funktion im Krieg analysieren Luca Giuliani und William J.T. Mitchell – ersterer am Beispiel von Goyas Maibildern, Mitchell anhand des Bilderkriegs zwischen westlicher und islamisch-fundamentalistischer Gesellschaft. Die historische Betrachtung von Bildern, die Herrscher in der Antike und im Mittelalter zum Zweck der Machtinszenierung einsetzten, wird ebenso thematisiert wie die Veränderung unseres Weltbildes durch die Existenz der ersten Luftaufnahmen.

Matinee in Gedenken an Dr. Franz Burda

Dr. Hubert Burda erinnerte in seiner Rede an die große Schaffenskraft seines Vaters

In Gedenken an eine der größten und bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte fand am Sonntag in Anwesenheit von über 200 geladenen Gästen – darunter viele Weggefährten und ehemalige Mitarbeiter – eine feierliche Matinee in der alten Druckerei von Hubert Burda Media in Offenburg statt.

Matthias Goerne trug begleitet von Pianist Alexander Schmalcz Lieblingswerke des Senators vor

Dr. Hubert Burda erinnerte in seiner Rede an die große Schaffenskraft seines Vaters und betonte dessen Passion für Kunst, Musik und Natur. „Ihn bewegte die Welt der großen Gedanken und der großen Ideen. Er wollte den Menschen zeigen, wo die Welt am schönsten ist.“ Bei der von Prof. Siegfried Mauser moderierten Veranstaltung las SWR-Sprecher Karl-Rudolf Menke aus dem Werk „Erinnerungen an den Vater“. Matthias Goerne, einer der renommiertesten Opernsänger Deutschlands, trug – begleitet von Pianist Alexander Schmalcz – Lieblingswerke des vor zwei Jahrzehnten verstorbenen Verlegers von Franz Schubert und Robert Schumann vor.

Senator Dr. Franz Burda schuf aus einer Drei-Mann-Druckerei eines der größten deutschen Verlags- und Druckunternehmen. Er war im Alter von 83 Jahren am 30. September 1986 in Offenburg gestorben.