Angebote im Wandel

Die Teilnehmer des Mediengipfels zur Eröffnung der 22. Münchner Medientage

Die Debatte um die Online-Angebote von ARD und ZDF und deren Kontrolle stand im Mittelpunkt des Mediengipfels zum Auftakt der Münchner Medientage 2008. Hubert Burda, der in der Expertenrunde als Verbandspräsident die Zeitschriftenverleger vertrat, zeigte sich zufrieden mit den „Leitplanken“, die mit dem zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrag gefunden worden sind.

Nun gelte es, sich an die neuen Regeln – wie beispielsweise die Sendungsbezogenheit der öffentlich-rechtlichen Online-Inhalte – zu halten, forderte der Verleger. „Aber gerade diese Sendungsbezogenheit wird permanent verletzt“, so Burda. Deshalb sollten die Verleger ARD und ZDF „mit einer Klage nach der Anderen überziehen.“ Wenn Öffentliche-Rechtliche und private Medienanbieter hingegen fair miteinander umgingen, werde es auch viele Möglichkeiten der Kooperation geben.

Im Hinblick auf die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die Medienwirtschaft setzt Hubert Burda auf Kostensenkungen. „Die Zahlen der letzten Jahre sind überall rückläufig. Ich kenne kein Medienhaus, das nicht dabei ist, die Kosten zu senken und so in den Griff zu bekommen.“ Die Zukunft liegt für ihn im Bereich Crossmedia, wo völlig neue Formen der Werbung um eine Marke herum möglich seien – von einer zielgruppenspezifischen Ansprache bis zum Nachweis der tatsächlichen Nutzer eines Angebots.

Für Magazine heiße das, die neuen Möglichkeiten ergänzend zum Heft online umzusetzen. „Wenn Print das integriert, dann geht es vorwärts“, so der Verlegerpräsident, „aber wer das jetzt nicht tut, ist in zehn Jahren weg vom Fenster.“

Auf dem Mediengipfel diskutieren unter anderem die Intendanten Markus Schächter, Thomas Gruber und Fritz Raff, RTL-Chefin Anke Schäferkordt und Google-Chef Philipp Schindler die Herausforderungen für klassische Medien und Werbungstreibende. Helmut Markwort moderierte gewohnt launig die Runde und richtete sich in seiner Begrüßung vor allem an den frisch gewählten bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der seine Teilnahme an der Runde kurzfristig abgesagt hatte.

Die andere Wirklichkeit

Hubert Burda gratuliert Peter Handke

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke ist am Mittwochabend mit dem Thomas-Mann-Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ausgezeichnet worden. Die Laudatio bei der Preisverleihung in der Münchner Residenz hielt Hubert Burda.

Der Verleger beschrieb in seiner Rede Handkes Fähigkeit, eine „andere Wirklichkeit“ herzustellen. Im Bezug auf das Erfolgsstück „Publikumsbeschimpfung“ sagte er: „Heute, mehr als 40 Jahre später, wissen wir, dass das, was uns gefiel, die Dekonstruktion des bisherigen Theaters war. Hier beschrieb jemand eine andere Wirklichkeit, indem er zunächst einmal alles in Frage stellte: die Bühne, die Schauspieler, das Publikum, die Sprache.“

Burda und Handke verbindet seit der Gründung des Petrarca-Preises 1974 eine enge Freundschaft. Der Verleger hob die starke Wirkung hervor, die der Autor auch später auf ihn als Leser hatte – Handkes Werke seien für ihn teilweise lebensverändernd gewesen.

„Die Lehre Peter Handkes besteht darin, dass der geglückte Tag nicht der ist, den man als eine Fülle von schönen und ereignisreichen Momenten hat, sondern nur der, den man sich ereignen lässt, indem man ihn beschreibt, zum Ausdruck bringt und so zur Kunst werden lässt“, fasste Burda zusammen.

„Wie Goethe einmal sagte, die Wirklichkeit habe sich in Kunst zu verwandeln, so kann man von einem geglückten Tag und davon sprechen, wie dieser gemacht, erschrieben, hergestellt ist. Dieses Machen heißt im Griechischen ‚poiein‘, und das dazugehörige Substantiv ‚poiesis‘ liegt bis heute unserem Begriff von Poesie und Poetik zugrunde. Und dieses Machen, dieses Herstellen einer anderen Wirklichkeit in den Texten Peter Handkes versuchte ich zu beschreiben.“

Das Sprechstück „Publikumsbeschimpfung“ und Werke wie „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, „Die Unvernünftigen sterben aus“ und „Der kurze Brief zum langen Abschied“ machten den 65-jährigen Peter Handke bekannt. Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro, das mit der gestrigen Auszeichnung verbunden war, hat der Schriftsteller der Akademie gestiftet.

Buchpaten spenden neues Zuhause

Deutsch-jüdische Geistesgeschichte digital: Insgesamt können 1.500 Werke virtuell gezeichnet werden

Mit Buchpatenschaften unterstützt sie den Neubau der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und schafft symbolisch ein kulturelles Gedächtnis: Die virtuelle Bibliothek zur deutsch-jüdischen Geistesgeschichte ist online.

Zum Launch der Web-Bibliothek in der Heidelberger Villa Bosch traf sich am Dienstag das Aktionskomitee, das sich unter dem Vorsitz von Hubert Burda und Salomon Korn für den Neubau der Hochschule einsetzt. Unter den Gästen waren Persönlichkeiten wie Hans Magnus Enzensberger, Klaus Tschira und Henning Schulte-Noelle.

„Die Virtuelle Bibliothek ist ein Geschenk an die Hochschule für Jüdische Studien – und jeder kann mitmachen, jeder ist eingebunden“, so Hubert Burda. Als erster Pate zeichnete der Verleger gestern gleich mehrere Bücher, darunter Franz Kafkas „Der Prozess“, Elias Canettis „Die Blendung“ und Marcel Reich-Ranickis „Mein Leben“.

Die Bibliothek macht die deutsch-jüdische Geistesgeschichte erfahrbar und soll auch dazu beitragen, sie im Dialog weiterzuentwickeln. Zwischen insgesamt 1.500 Werk-Vorschlägen kann jeder Besucher der als Website gestalteten Online-Bibliothek wählen und mit einer Spende zwischen 100 und 400 Euro Buchpate werden.

Jedes virtuell gezeichnete Werk steht für jüdische Dichter, Denker, Musiker, Maler und Schriftsteller, die die Geschichte des kulturellen Lebens in Deutschland geprägt haben. So füllen die Paten die Bibliothek mit literarischen Schätzen und spenden der Hochschule für Jüdische Studien ein neues Zuhause.

Der Grundstein für die neuen Räumlichkeiten der Heidelberger Institution, die sich als „Haus Jüdischen Geisteslebens“ versteht, wurde im April gelegt. In dem Neubau in der Altstadt sollen in Zukunft acht Lehrstühle mit ihren Hörsälen und Seminarräumen, eine Bibliothek sowie das Zentralarchiv zur Forschung der Geschichte der Juden in Deutschland Platz finden. Die 1979 gegründete Hochschule will den Neubau Ende 2009 beziehen.

Engagement ausgezeichnet

Horst Köhler überreichte das Bundesverdienstrkreuz an Hubert Burda

Für sein vielfältiges, weit über Deutschlands Grenzen hinaus reichendes Engagement um die Medienentwicklung, um Gesellschaft, Kultur und den wissenschaftlichen Dialog zeichnete Bundespräsident Horst Köhler Hubert Burda mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Die Verleihung fand am Montagvormittag im Schloss Bellevue in Berlin statt.

„Unter dem Dach der von ihm gegründeten Hubert Burda Stiftung vereint er alle seine gemeinnützigen, sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten, unter anderem die ‚Felix Burda Stiftung‘ und das ‚Center for Innovative Communications‘ an der Ben Gurion Universiät in Israel. Er unterstützt Steven Spielbergs Shoah Foundation mit den Zeugnissen der Holocaust-Überlebenden für den Unterricht an Schulen und hat durch maßgebliche Spenden den Neubau des Jüdischen Zentrums in München gefördert“, heißt es in der Begründung.

Neben Hubert Burda zeichnete der Bundespräsident unter anderem Verlegerin Friede Springer, Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch, Schauspieler Armin Mueller-Stahl, Bischöfin Margot Käßmann und Sänger Peter Maffey mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus.