Überraschende Ähnlichkeiten

Diskussion über „Mediale Wunderkammern“: Hubert Burda mit Studenten der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Was haben Jan van Eyck und Andy Warhol oder Jakob Fugger und Google-Gründer Sergey Brin gemeinsam? Darüber diskutierte Hubert Burda als Kunsthistoriker und Medienunternehmer in persona am Mittwoch mit rund 30 Studenten der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Anlass war sein soeben erschienenes Werk „Mediale Wunderkammern“. Darin stellt Burda Gegenwärtiges und Historisches gegenüber um Analogien zwischen zwei Epochen und geistesgeschichtliche Pendants aufzuspüren. Wie man die heutige Medienwelt unter kunsthistorischen Gesichtspunkten betrachten kann, welche unerwarteten Verbindungen sich ergeben und warum diese Betrachtungsweise hochaktuell ist – all dies war Thema beim Besuch an der Hochschule.

„Mediale Wunderkammern“, herausgegeben von Professor Wolfgang Ullrich, ist der dritte Band aus der Schriftenreihe der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Der Hochschule ist Burda als Ehrensenator eng verbunden.

Hubert Burda. Mediale Wunderkammern, Hrsg. Wolfgang Ullrich, Schriftenreihe der HGF Karlsruhe Bd.3, Wilhelm Fink 2009

Zwischen Pop und Pantheon

Spagat zwischen Geschäftsmann und Künstlergeist: Mit Blick auf die Gegenwart zeichnet Braxmaiers Buch Burdas junge Erwachsenenjahre nach

„Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst“ beginnt Autor Rainer Braxmaier den Klappentext von „Zwischen Pop und Pantheon – Hubert Burda, die frühen Lehrjahre“. Das jetzt veröffentlichte Buch zeichnet die frühen Erwachsenenjahre Burdas nach. Es handelt von Abschied und Aufbruch zum Studium der Kunstgeschichte in München, von Lehr- und Wanderjahren genauso wie von den ersten Erfolgen als Verlagsmann. Braxmaier will dabei „nicht einfach Vergangenes referieren, sondern die Vergangenheit erkennbar aus der Sicht der Gegenwart beleuchten“ und den Quellen von Burdas beruflicher Karriere nachspüren.

„Meine ganz persönliche Grand Tour begann“, sagt Hubert Burda im Vorwort über diese Zeit. Sie verläuft nicht immer gerade, sondern nimmt einige Umwege, ist genauso Zeit der Weiterentwicklung und der Reifung wie der Zweifel und der Rückschläge, die Braxmaier nacherzählt. Und eine Zeit der Schlüsselerlebnisse – mit Peter Handke und dem Petrarca-Kreis, den Beatles in den 60ern oder Andy Warhol in den 70er Jahren. „So gelang der Spagat zwischen den Welten, die mein späteres Leben ausmachten“, so Burda.

Das Buch ist in zahlreichen Gesprächen mit dem Verleger entstanden und gefüllt mit Stücken aus Burdas Privatarchiv: Fotos, Dokumente, Skizzen und Notizen bereichern die Texte. Gemäß dem Anliegen einer Spurensuche wird die Chronologie der Erzählung immer wieder durch aktuelle Bezüge unterbrochen. Genauso stellt Braxmaier die Verbindung zum jeweiligen Zeitgeschehen her – denn, so Burda, „in einem übergreifenden Sinn ist eine Geschichte meiner Generation entstanden.“

Mediale Wunderkammern

Das Cover von „Mediale Wunderkammern“

Die Fassade einer Kirche wird zum Äquivalent für den Showroom eines Global Players. Fresken der Renaissance finden ihre Entsprechung in heutigen Großbildleinwänden. Und zwischen Jan van Eyck und Andy Warhol, Jakob Fugger und Google-Gründer Sergey Brin tun sich erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Diese und viel mehr unerwartete und doch präzise beobachtete und analysierte Verbindungen stellt Hubert Burda in der jetzt erschienenen Schriftensammlung „Mediale Wunderkammern“ her.

Als Kunsthistoriker und Medienunternehmer vermisst Burda die heutige Medienwelt in ihren historischen Dimensionen und spürt Analogien zwischen verschiedenen Epochen und Medien auf.

Die Texte sind als repräsentative Auswahl und Sammlung zusammengestellt. „Mediale Wunderkammern“, herausgegeben von Wolfgang Ullrich, ist der dritte Band aus der Schriftenreihe der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Hubert Burda ist dort Ehrensenator, Wolfgang Ullrich Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie.

Hubert Burda. Mediale Wunderkammern, Hrsg. Wolfgang Ullrich, Schriftenreihe der HFG Karlsruhe Bd.3, Wilhelm Fink 2009