Mit Worten verführen

Ulla Unseld-Berkéwicz, Friederike Mayröcker und Hubert Burda bei der Verleihung des Hermann-Lenz-Preises in Offenburg

„Ich bin sehr bewegt, weil ich nie gedacht hätte, dass ich diesen Preis bekommen könnte. Danke, dass Sie gekommen sind, um mir zuzuhören“, wandte sich Friederike Mayröcker an Jury und Publikum, nachdem Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz die Laudatio auf die diesjährige Hermann-Lenz-Preisträgerin gehalten hatte. Die 84-Jährige wurde am Samstag in Offenburg als elfte Künstlerin mit dem Literaturpreis geehrt.

„Wir vergeben diese Auszeichnung an Orten, an denen Hermann Lenz gewirkt hat – und in Offenburg und auf dem Schlösschen in Fessenbach war er sehr gerne, hat dort sogar gewohnt“, erinnert sich Verleger und Stifter Hubert Burda bei der Begrüßung der Gäste – darunter Witwe Hanne Lenz – im Festsaal des Salmen. „Mit dem Preis bringen wir Künstler und Bücher in Erinnerung, die lange übersehen wurden“, so Burda.

Die 1924 in Wien geborene Mayröcker erhält die Auszeichnung vor allem für ihren 40 Gedichte umfassenden Band „Scardanelli“. Dessen Titel und Inhalte verweisen auf Friedrich Hölderlin, der sich diesen Namen während seiner Schaffenszeit in Tübingen gab.

Für die vierköpfige Jury bestehend aus Hanser-Verleger Michael Krüger, Autor und Kritiker Peter Hamm, Schriftsteller Peter Handke und „Manuskripte“-Herausgeber Alfred Kolleritsch war Mayröcker wegen „ihrer weit gespannten poetischen Arbeit“ die bestmögliche Preisträgerin. Laudatorin Unseld-Berkéwicz bekräftigte: „Es gibt Gedichte, die nicht auswendig, sondern nur inwendig funktionieren, so wie die von Friedericke Mayröcker. Sie verführt uns.“ Viele Verse der Lebensgefährtin des im Jahr 2000 verstorbenen Literaten Ernst Jandel sind geprägt vom Thema Liebe, Einsamkeit, Trennung oder Abschied.

Neben dem Hermann-Lenz-Preis wurden in Offenburg auch die „Hubert Burda Preise für junge osteuropäische Lyrik“ verliehen. Preisträger 2009 sind die mazedonische Künstlerin Lidija Dimkovska, der Ukrainer Ostap Slyvynksyj und Iulían Tãnase aus Rumänien. Die Auszeichnung würdigt junge, bisher kaum gehörte Künstler Osteuropas und will diese unterstützen. Gemeinsam mit ihren deutschen Übersetzern gaben die Preisträger einen Einblick in ihre Gedichte und Erzählungen.

Zwei junge deutsche Nachwuchsliteraten erhalten das von Hermann und Hanne Lenz initiierte Stipendium. „Die Texte der beiden Hermann-Lenz-Stipendiaten haben mich durch ihre Zurückhaltung eingenommen“, erklärte Jury-Mitglied Peter Hamm die Wahl. Die Berlinerin Julia Blesken las aus ihrem im Herbst erscheinenden Roman „Ich bin ein Rudel Wölfe“, der aus Weimar stammende Christian Rosenau trug Gedichte vor. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich von keinen Umständen unterkriegen lassen“, gab Hamm ihnen mit auf den Weg.

Nach einem Mittagessen in der Offenburger Burda Fondation kamen Gäste und Preisträger vor der malerischen Kulisse der Oberrheinregion im Garten des Fessenbacher Schlösschens zusammen, wo alle Ausgezeichneten noch einmal aus ihren Werken lasen.

Hubert Burda weiter VDZ-Präsident

Hubert Burda mit Günther Oettinger

Hubert Burda steht weitere drei Jahre an der Spitze des Verbands der deutschen Zeitschriftenverleger: Am Mittwoch hat ihn die Delegiertenversammlung als Präsidenten im Amt bestätigt. Der VDZ feierte den Amtsantritt seines alten und neuen Präsidenten im Stuttgarter Schloss Solitude, unter den Gästen war Ministerpräsident Günther Oettinger.

In dessen Richtung forderte Burda in seiner Dankesrede, dass die Vorgaben bei der Umsetzung des neuen Rundfunkstaatsvertrags befolgt werden müssten. Es könne nicht sein, so Burda, „dass sich ARD und ZDF auf Kosten der Verlage ungehindert im Netz ausbreiten“. Auslöser der erneuten Debatte war die Äußerung der WDR-Intendantin Monika Piel, auf die Online-Lehrstellenbörse des WDR nicht verzichten zu wollen, obwohl dies gemäß dem neuen Staatsvertrag untersagt ist.

In dem zentralen Punkt seiner Rede nahm Burda Bezug auf die aktuelle Diskussion um das Leistungsschutzrecht der Verlage im Internet: Durch eine gesetzliche Regelung sollen hier die Verleger stärker an den Erlösen der Suchmaschinenbetreiber beteiligt werden. Burda zufolge müssen die Verlage den rechtlichen Bogen sehr viel weiter spannen. Nicht nur ein Recht der fairen Entlohnung sei erforderlich – letztlich gehe es um ein Recht auf Transparenz im Netz. So müssten etwa die Vergütungssysteme der Suchmaschinenbetreiber überprüfbar sein. „Wir brauchen Fair Play-Regeln im Internet“, so Burda, „und wir brauchen ein Recht auf Transparenz.“

Hubert Burda steht seit 1997 an der VDZ-Spitze. Die einstimmige Wiederwahl ist nicht nur Novum in der Verbandshistorie, sondern auch „ein überwältigender Vertrauensbeweis“, wie Geschäftsführer Wolfgang Fürstner in Stuttgart erklärte. Zudem sei sie „ein wichtiges Zukunftsversprechen für unsere Branche, die sich in einem gewaltigen Transformationsprozess befindet.“

Als VDZ-Präsident hat sich Burda immer wieder entschieden gegen gesetzliche Eingriffe und Reglementierungen zum Beispiel beim Thema Werbeverbote ausgesprochen. Auch den Debatten um den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, bei denen auf Burdas Initiative die Münchner Erklärung der deutschen Verleger verabschiedet wurde, hat er Nachdruck verliehen.

Weiterer roter Faden in Burdas VDZ-Tätigkeit ist sein Anliegen, geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Qualitätsjournalismus zu schaffen und sich für dessen gesellschaftliche Funktion und Bedeutung sowie die Freiheit der Presse stark zu machen. Zudem geht die Gründung der Deutschlandstiftung Integration, die der VDZ im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, auf seine Initiative zurück.