Zukunft der Zeitschriften

Über historische Parallelen und neue Wege für Medienmacher: Hubert Burda bei seiner Rede in Leipzig

„Selbstverständlich wird es noch Zeitschriften geben – aber auch sie werden sich verändern“, so Hubert Burda in der Handelshochschule Leipzig. Wo liegt die Zukunft der Zeitschriften? Auf Einladung von Ex-Hypovereinsbank-Chef Albrecht Schmidt sprach der Verleger anlässlich des 110. Jubiläums der Hochschule über Chancen und Perspektiven der Medienmacher.

Für Medienhäuser sei es fundamental, die Zeitenwende zu erkennen, in der sie sich befänden sagte Burda – und machte deutlich, dass die Zukunft sich auch ein Stück weit aus historischen Parallelen ableiten lässt.

Er verglich die heutige Zeit mit der Schwellenzeit um 1500, als die terrestrischen Handelswege an Bedeutung verloren und die maritimen Wege an Bedeutung gewannen. Burda wies auf den universitären Kontext, in dem diese Veränderungen heute überhaupt erst verständlich würden. Um 1500 begann die Neuzeit und das Mittelalter endete mit zwei epochalen Entdeckungen: den beweglichen Lettern von Johannes Gutenberg 1450 und die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492.

Der Handel veränderte sich und mit ihm die Handelsstraßen. Es habe nicht nur eine Verlagerung des Handels von den terrestrischen auf die maritimen Handelswege gegeben, sondern damit verbunden auch eine Veränderung der Städte. Neue Handelszentren entstanden, alte verloren an Bedeutung.

Genau hier lägen epochale Parallelen: „Man muss verstehen, dass heute nichts anderes passiert.“ Die revolutionäre Kraft des Buchdrucks, das sei heute das Internet. Auch unsere heutigen Medien hätten sich verändert. Das Internet habe das Fernsehen als Leitmedium abgelöst. Neue Spieler kämen aufs Feld, Google sei der stärkste davon.

Burda erklärte, dass sich die Produkte der Verlage langfristig sicherlich in die Richtung maritimer Handelswege verlagern würden – im Digitalgeschäft läge die große unternehmerische Herausforderung. Allerdings habe man im Haus Burda die Wechselwirkung von Internet und Zeitschriftenmarkt „maritim-terrestrisch“ verstanden. „Natürlich spürt auch mein Unternehmen die Folgen der Digitalisierung“, so der Verleger, doch wenn man die sinnvolle Verschmelzung von alten und neuen Medien erkenne, dann hätten Medienhäuser eine sichere Zukunft. Dazu gehöre auch die Ausbildung in neuen, crossmedialen Berufen.

Die Handelshochschule zählt zu den drei besten der deutschen Business Schools. Unter den hochkarätigen Gästen am Donnerstag: Georg Milbradt, Ex-Ministerpräsident von Sachsen, Heribert Meffert, Aufsichtsrat der Handelshochschule Leipzig, Burkhard Jung, Oberbürgermeister von Leipzig und viele weitere