In Bewegung kommen

„Es muss etwas in Bewegung kommen“, forderte Hubert Burda von Google

Google, Gratiskultur im Netz und das mobile Internet – die Medienlandschaft befindet sich mitten im strukturellen Wandel und Qualitätsmedien zunehmend in der finanziellen Schieflage. Unter dem Motto „MUT- Medien und Transformation“ stellen die 23. Medientage München deshalb die digitale Zukunft und die Frage nach Qualität in den Mittelpunkt.

Unter diesen Vorzeichen stand auch die traditionelle „Elefantenrunde“ zum Auftakt am Mittwoch – Diskussionsrunde der wichtigsten Akteure der deutschen Medienbranche, die mit 14 Teilnehmern so umfangreich besetzt war, wie noch nie. Unter Moderation von FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort saßen dort unter anderem: Verleger und VDZ-Präsident Hubert Burda, ARD-Chef Peter Boudgoust, ZDF-Intendant Markus Schächter, ProSiebenSat.1-Vorstand Thomas Ebeling und RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt.

Mit Telekomchef René Obermann war ein ganz neues Gesicht dabei, seit einem Jahr zählt außerdem Google-Manager Philipp Schindler zum Kreis. Letzterer musste sich fast gleich zu Beginn den Vorwurf von Hubert Burda gefallen lassen, Google baue im Netz zunehmend eine marktbeherrschende Stellung auf. „Bei aller Bewunderung und Sympathie für Google muss man sehen, dass Google Spuren hinterlässt“, konfrontierte Burda den Suchmaschinengiganten.

Der Verleger plädiert in diesem Zusammenhang bereits seit Monaten dafür, dass Suchmaschinenbetreiber mehr Transparenz herstellen. Auch gehe es um einen „Fair Share“ im Netz. Beispiel sei Nachrichten.de, Burdas vollautomatisches Nachrichtenportal, das zwar wie Google Inhalte auf der Seite zusammenzieht, Anbieter aber an Erlösen beteiligt. Zwar denke Google über ähnliche Modelle nach, das reiche aber noch nicht. „Es kommt etwas in Bewegung, und es muss etwas in Bewegung kommen, weil Google sonst beim Kartellamt landet“, so Burda.

Sein Unternehmen sei nicht schuld am Veränderungsprozess, antwortete Schindler ausweichend, sondern Verlagerungen im Konsumentenverhalten und technologische Veränderungen. Eine Welt ohne Google würde es nicht besser machen, gab er zu bedenken und sah sich kooperationsbereit: „Wir arbeiten auf vielen Ebenen hinter den Kulissen mit allen Parteien zusammen.“

Wie sieht die digitale Zukunft im Detail aus? Auch darum ging es den Experten. Dass das Fernsehen ins Internet abwandert, sieht Burda als sicher: „Facebook ist das Programmheft der Jugendlichen. Hier steht, was sie sich auf Youtube ansehen sollen.“ Die größten Chancen bietet aber das mobile Internet, da sind sich die Medienvertreter einig. Auch bei diesem Thema ging Burda in die Offensive – diesmal wand er sich an die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Denen sind E-Commerce und Werbung nun eigentlich gesetzlich untersagt. Allerdings habe die ZDF-Sendung „Lanz kocht!“ bereits eine kostenpflichtige Applikation fürs iPhone eingerichtet. „Das kann nicht sein“, erklärte Burda.

Noch bis Freitag machen bei den Medientagen München Fachkongress und Messe die bayerische Landeshauptstadt zum Branchentreff. Auf dem Programm stehen 90 Panels mit mehr als 500 Referenten, darunter auch zahlreiche Burda-Kollegen. Alle Details finden Sie auf der Seite der Medientage.