Ein rasantes Leben

Hubert Burda gratuliert Paul Pietsch zum Hundertsten

Paul Pietsch ist erfolgreicher ehemaliger deutscher Automobilrennfahrer und Verleger aus Leidenschaft. Vor 65 Jahren gründete er gemeinsam mit den Motorsportlern Ernst Troeltsch und Josef Hummel die Motorsport GmbH in Freiburg, die die Autozeitschrift „Das Auto“ auf den Markt brachte. Zu seinem 100. Geburtstag kamen nun prominente Weggefährten und Freunde im Neuen Schloss in Stuttgart zusammen. Verleger Hubert Burda gratulierte Pietsch persönlich in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).

„Ihr Leben ist wie kaum ein anderes mit zwei großen Leistungen der Deutschen verbunden: Mit der Entstehung der Medien am Oberrhein, wo Sie herstammen und der Gründung Ihres Verlages in Stuttgart. Der Ort, von dem man sagt, dass hier die Wiege des Automobils steht“, so Hubert Burda. Er betonte, dass kaum ein anderer die historischen Dimensionen der Entwicklung der Medien und die Entwicklung des Autos in einer Person widerspiegele wie Paul Pietsch. „Ein großes Leben voller großer, kühner Taten und bei allem sind Sie bescheiden geblieben“, so Burda über den Jubilar. „Wer kann auf eine Biografie von einer derartigen historischen Bedeutung zurückblicken wie Sie?“

Mit dem Titel „Auto, Motor und Sport“ bekam das Nachkriegsmagazin „Das Auto“ einen neuen Namen. Noch immer ist es das publizistische Flagschiff des Verlags, der heute vielfältige Special-Interest-Zeitschriften zu den Themen Motorräder, Lastwagen, Flugzeuge, Camping oder Caravaning herausbringt. Weltweit sind es mehr als 140 Titel in 22 Ländern.

Hubert Burda erinnerte in seiner Rede an die Anfänge des Stuttgarter Medienunternehmens 1946. Einer Zeit, in der sich auch sein Vater Franz Burda um eine Genehmigung bei den französischen Behörden für die Zeitschrift „Das Ufer“ – die heutige BUNTE – bemühte. Noch gut kann er sich an das Schriftstück „Droit d’imprimé“ erinnern kann, das der Senator damals erhalten hatte. Bis 1952 widmete sich Pietsch neben dem Verlagsgeschäft weiter dem Motorsport, gab seine aktive Karriere jedoch nach einem Rennunfall auf. Zudem wurde der Verlag stetig erfolgreicher und größer. 1976 zog sich der Verleger aus dem aktiven Tagesgeschäft des Unternehmens zurück.

Unter den rund 250 Geburtstagsgästen im Neuen Schloss waren auch Hartmut Ostrowski, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, VW-Chef Martin Winterkorn, ADAC-Präsident Peter Meyer und Audi-Vorstand Rupert Stadler. Darüber hinaus nahmen langjährige und verdiente Mitarbeiter der Motor Presse Stuttgart an dem Festakt teil, der mit einem Mittagessen im Marmorsaal des Schlosses endete. Tief gerührt drückte Paul Pietsch seine Dankbarkeit gegenüber Gratulanten und Gästen aus.

Gipfeltreffen des Geistes

Europäische Kultur unterstützen: Hubert Burda übergab den Petrarca-Preis 2011

Vergangenen Samstag wurden die Petrarca-Preisträger des Jahres 2011 ausgezeichnet. Im prächtigen Rokokosaal des Klosters Benediktbeuern nahmen die Schriftsteller John Burnside und Florjan Lipuš die Ehrung aus der Hand von Verleger Hubert Burda entgegen. Die Autoren teilen sich den mit 20.000 Euro dotierten Preis. „Wir wollen die nationale und regionale Kultur in Europa unterstützen“, sagte Stifter Hubert Burda zu Beginn der festlichen Preisverleihung.

Erklärtes Ziel sei es, europaweit nach Schriftstellern Ausschau zu halten, die ihrer jeweiligen Kultur eine einzigartige Stimme geben. Der Petrarca-Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen Deutschlands. Einmal im Jahr lädt Hubert Burda zu einem Fest der Literatur ein, das zugleich ein Gipfeltreffen des Geistes ist.

Schon die Zusammensetzung der Jury zeigt den hohen Anspruch dieser intellektuellen Institution. Mit Peter Handke, Michael Krüger, Peter Hamm und Alfred Kolleritsch hat Burda vier hochkarätige Protagonisten der Literaturszene an seiner Seite, die sich weder an Trends noch am Marktwert von Autoren orientieren. Was den Petrarca-Preis unverwechselbar macht, ist das Bekenntnis zum eigenständigen Werk im Kontext regionaler Zugehörigkeit. Die diesjährigen Preisträger, John Burnside und Florjan Lipuš, sind beispielhaft dafür.

Florjan Lipuš gehört der slowenischen Minderheit Kärntens an, einer vergessenen und von der österreichischen Politik unterdrückten Volksgruppe. „Seine Geschichten sind die eines Verschollenen“, sagte Laudator Peter Handke in Anspielung auf Kafkas Romanfragment „Amerika“. Zugleich halte Lipuš eine verschollene Sprache lebendig, die zum machtvollen Dokument von Bitterkeit und Protest werde: „Seine Epik ist ein gegliederter Aufschrei. Die Sprache knirscht mit den Zähnen, und gleichzeitig singt sie.“ Besonders stellte Handke die erzählerische Haltung des Preisträgers heraus: „Eine Mischung aus Noblesse und Frechheit, die wir sonst nur aus mittelalterlichen Epen kennen. Heutzutage gibt es solche Literatur nirgends.“

Lipuš arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Lehrer. Für ihn fiel die Verleihung des Petrarca-Preises mit einem anderen wichtigen Ereignis zusammen: „In Kärnten hat die slowenische Sprache in diesen Tagen eine Ehrung erfahren: Die Ortsschilder sind seit kurzem zweisprachig. Es sind bejahende Symbole für das Jetzt und Hier eines Volkes.“

Wie für Lipuš ist auch für den schottischen Schriftsteller John Burnside das Thema Herkunft und Verlust zentral. Er war ein kleiner Junge, als die Familie Schottland verließ und noch England zog. Als Erwachsener kehrte er zurück. Heute hat er eine Professur für Kreatives Schreiben an der St. Andrews University inne. In seinen Gedichten beschwört Burnside seine schottische Heimat herauf, entwirft sinnliche Szenarien von Häfen und Fischerdörfern. „Er ist ein sprachbesessener Melancholiker mit Lust aufs Dasein“, charakterisierte Laudator Jan Wagner den Autor. „Zusammen mit der visuellen Pracht seiner Sprache hat das etwas geradezu Barockes.“ In Metaphern und Vergleichen feiere Burnside die Sinnlichkeit des Sichtbaren, mit Formulierungen wie „the buttermilk of dawn“. In Deutschland wurde Burnside unter anderem mit dem Roman „Lügen über meinen Vater“ bekannt. Eindringlich schildert er darin eine Kindheit, die von Armut und vom alkoholabhängigen Vater überschattet wird.

Der Petrarca-Preisjury um Hubert Burda ist es einmal mehr gelungen, ein Zeichen zu setzen in der Verwechselbarkeit formatierter Buchproduktion. Zweifellos wird die Ehrung dazu beitragen, Burnside und Lipuš in Deutschland bekannter zu machen. Für die Leser bieten sie die Chance ungewöhnlicher Entdeckungen: zwei Autoren, die sich dem globalisierten Mainstream des Literaturbusiness entziehen.

Als Senator geehrt

Hubert Burda bei seiner Rede

Für seine herausragende Förderung und Unterstützung des europäischen Kompetenzzentrums für Jüdische Studien in Heidelberg wurde Hubert Burda am Montag zum Ehrensenator der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ernannt. Der Verleger erhielt die Urkunde während einer feierlichen Zeremonie persönlich aus den Händen des Ersten Prorektors Johannes Heil. „Hubert Burda, der als neugieriger Entdecker für unternehmerische Visionen steht, setzte sich nachhaltig und mit großem Engagement für den Neubau dieser in Deutschland einzigartigen Institution ein“, erklärte er in seiner Laudatio.

In seiner Dankesrede ging Hubert Burda vor allem auf die digitale Revolution und die Bedeutung von Printprodukten ein – fand die Verleihung doch in Heidelberg, einer Wiege des Buchdrucks, statt. Gerade in Zeiten der digitalen Reproduzierbarkeit gehöre es zu den großen Privilegien, morgens eine Zeitung oder eine Zeitschrift aufzuschlagen. Die digitale Revolution sei allgegenwärtig: „Es ist eine unruhige See, die da draußen tobt. Umso so wichtiger sind Inseln wie die Jüdische Hochschule. Orte der Introversion um zu reflektieren“, betonte er.

Johannes Heil hob Burdas zupackende Art hervor, die, wie er sagte, das Land wieder voran gebracht habe, und stellte fest: „Hubert Burda will Gesellschaft gestalten. Das tut er auch in Bereichen, die nicht unbedingt ertragreich sind. Lyrik ist so etwas.“

2007 hatte Hubert Burda gemeinsam mit Salomon Korn, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Hochschule sowie Vizepräsident des Zentralrats der Juden, ein Aktionskomitee gegründet, das sich finanziell und ideell für einen Neubau eingesetzt hatte. Zu den Mitgliedern gehörten auch Persönlichkeiten wie Friede Springer, Stefan von Holtzbrinck, Klaus Tschira und Josef Ackermann. Im September 2009 wurde das neue Gebäude feierlich seiner Bestimmung übergeben. Studenten finden hier ein breit gefächertes Angebot im Bereich der jüdischen Studien.

„Ohne Hubert Burda, ohne dessen Überzeugungskraft und ohne seinen Willen zur Verwirklichung einer für ihn als historisch empfundenen Verpflichtung gäbe es diesen Neubau nicht“, betonte auch Salomon Korn. Zur Verleihung der Ehrensenatorwürde ergänzte der Vorsitzende des Kuratoriums: „Du hast sie wie kaum ein anderer verdient und bist ihrer wahrlich würdig.“

Hubert Burda wurde für seine Verdienste um die jüdische Kultur bereits mit dem Leo-Baeck-Preis und der Ohel-Jakob-Medaille ausgezeichnet. Zudem ist er Initiator des Hubert Burda Center for Innovative Communications an der Ben Gurion-Universität in Beer Sheva in Israel. Für den Neubau der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hatte sich der Medienfachmann etwas Besonderes einfallen lassen: Er unterstützte das Projekt unter anderem mit der virtuellen Bibliothek zur deutsch-jüdischen Geistesgeschichte. Über symbolische – zu bezahlende – Buchpatenschaften wurden hierüber Gelder gesammelt.