Über Tomas Tranströmer

Der einstige Petrarca-Preisträger Tomas Tranströmer erhält dieses Jahr den Literaturnobelpreis. Verleger Hubert Burda schreibt über den schwedischen Lyriker:

„Die Nachricht aus Stockholm hat mich ungemein gefreut: Tomas Tranströmer erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Ein stiller, tiefsinniger Lyriker, einer der ganz großen der Gegenwartspoesie, den 1990 ein Schlaganfall traf, dessen Sprechzentrum dadurch erheblich beeinträchtigt wurde, wird die wichtigste Auszeichnung im internationalen Literaturleben zugesprochen – das ist ein großer Tag für ihn, seine Frau Monika, seine Freunde.

Mich stimmt die Auszeichnung noch aus einem anderen Grund besonders glücklich. Tomas Tranströmer erhielt 1981 den Petrarca-Preis, die von mir seit 1975 gestiftete Auszeichnung für Poesie. Und jetzt dreißig Jahre später geht der Nobelpreis an ihn. Für die Preisträger, die Juroren, die Freunde und den Stifter des Petrarcapreises ist das ein ganz unverhofftes Glück. Es wirkt wie eine nachträgliche Anerkennung für die literarische Arbeit eines Preises, der seit Jahrzehnten die Aufmerksamkeit für die europäische Poesie steigern möchte.

Urs Widmer, Hubert Burda, Tomas Tranströmer, Bazon Brock, Lars Gustafsson, Michael Krüger und Peter Handke – der 80jährige Tranströmer gehört zu den ganz treuen Petrarca-Freunden, der auch nach 1981 nichts freudiger tat, als an unseren Preisverleihungen teilzunehmen. Er liebte die italienischen und französischen Orte, die wir im Gedenken an den Autor der Frührenaissance aufsuchten. Er genoss es, sich mit Peter Handke zwischen antiken Ruinen zu bewegen oder auf einer Wiese mit Michael Krüger zu liegen, dem Anblick einer Palladio-Villa ganz hingegeben. Dem Schweden war die mediterrane Landschaft eine Sehnsuchtswelt. Sein schwedischer Freund, der große Romancier, Lars Gustafsson sagte in seiner Laudatio 1981: Seine „Dichtung will uns mit teilweise geheimnisvollen Techniken die ganze Zeit tröstend sagen, dass die Wirklichkeit mit ihren Qualen, ihren Beziehungen und ihren Unterdrückern nicht die ganze Wirklichkeit sein kann.

Die Dichterfeste im Namen Petrarcas konnten laut und fröhlich sein. Aber als dann Tomas Tranströmer an irgendeinem vergessenen Piano – spätabends im Hotel – einige Weisen von Mozart spielte, strahlte er eine Gelassenheit aus, die uns, seine Freunde, tief bewegte. Wir wussten immer, dass er einer der ganz Großen der Literatur ist.“