Petrarca-Preis für Kito Lorenc und Miodrag Pavlovic

Die Petrarca-Preis-Jury mit den Preisträgern 2012 © Hubert Burda Media

In Marbach am Neckar, 20 Kilometer von Stuttgart entfernt, im Geburtsort Friedrich Schillers wurde am Wochenende der Petrarca-Preis für europäische Literatur verliehen. Die von Verleger Hubert Burda gestiftete und mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung hat sich zum Ziel gesetzt, Autoren, „die trotz ihrer Bedeutung für ihre heimatliche Literatur in Deutschland nicht ihrem Rang gemäß wahrgenommen werden“, eine breitere Aufmerksamkeit zu sichern.

In diesem Jahr entschied sich die Jury – Dichter Peter Handke, Schriftsteller und Kritiker Peter Hamm, Autor und „Manuskripte“-Herausgeber Alfred Kolleritsch sowie Schriftsteller und Verleger Michael Krüger – für zwei Preisträger, die jene Anerkennung auf besondere Weise verdienen. Im prächtigen klassizistischen Saal des Marbacher Musems wurden der Sorbe Kito Lorenc und der Serbe Miodrag Pavlovic geehrt.

Der 74-jährige Lorenc habe sich, so sagte Peter Handke in seiner Laudatio, eine kindliche Lust am dichterischen Spiel bewahrt. In seiner Lyrik feiere er die bedrohte Kultur und Sprache der Sorben und seine Heimat, die Landschaft der Oberlausitz – eine Region, die Handke selbst besonders liebt.

Auch das Werk des 1928 in Novi Sad geborenen Miodrag Pavlovic sei entscheidend geprägt vom Verlust der Heimat, erläuterte Peter Hamm in seiner Lobrede. Der Moment, in dem Pavlovic beschloss, zum Dichter zu werden, sei exakt bestimmbar: Es ist der April 1941, als der geflohene 13-Jährige mitansehen musste, wie deutsche Bomber seine Heimatstadt Belgrad zerstörten. Kriegserfahrung, Verlustangst und Trauer prägen Pavlovic‘ Werk. Deutlich herauszulesen sind sie aus seinem Erinnerungs-Roman „Die Bucht der Aphrodite“ von 2000, dieser, so Hamm, „unerhört vielschichtigen Rhapsodie“.

„Eine geistige Lebensform“

Hubert Burda mit der Leiterin der Kunsthalle Karlsruhe, Pia Müller-Tamm © Hubert Burda Media

„Karlsruhe als geistige Lebensform“ – so beschreibt „Die Zeit“ die Stadt in einem Porträt über den Komponisten Wolfang Rihm. Ganz in diesem Sinne wollte auch der in Offenburg aufgewachsene Verleger und Kunsthistoriker Hubert Burda die Residenzstadt bei seiner „Hommage“ in der Staatlichen Kunsthalle verstanden wissen. Freunde und Förderer der von Pia Müller-Tamm geleiteten Institution – darunter auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Professor Andreas Voßkuhle und Markgraf Bernhard von Baden – waren zum Dinner in festlichem Rahmen zusammengekommen.

Karlsruhe sei ein Juwel, betonte Burda: Ob in Philosophie, Musik, Ästhetik, als „Hauptstadt der Judikative“ oder „Internet-Hauptstadt“ – es bilde sich eine „Reihe Karlsruher Exzellenz“. Repräsentativ dafür seien die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, geleitet von Peter Sloterdijk, das Karlsruher KIT als die modernste universitäre Einrichtungen im Bereich Business and Technology, sowie das von Peter Weibel geführte Zentrum für Kunst und Medientechnologie. Und auch die Staatliche Kunsthalle zeichne sich als Teil dieser Reihe aus. „Wir leben in einer Welt, die über Bilder kommuniziert. Und die Kunsthalle ist da besonders beispielhaft“, betonte Burda.

Ein Thema an diesem Abend war dementsprechend die jüngst eröffnete Ausstellung „Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube“, die diesen Anspruch unterstreicht. Sie ist dem Phänomen des Kopierens und der Reproduktion als Kunstform gewidmet und spannt den Bogen vom späten Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst. Es werden herausragende Beispiele aus sieben Jahrhunderten vorgestellt und miteinander in Beziehung gesetzt: die Kopierpraxis der frühen Neuzeit, das „kreative Kopieren“ im 19. Jahrhundert, der (post-)moderne Diskurs zu Originalität und Authentizität bis zur digitalen Welt des Internet. So beschäftigt sich „Déjà-vu?“ auch mit dem Re-Inszenieren von Kunstwerken online.

Eine Kabinettausstellung im historischen Vorlegesaal der Kunsthalle ist der Popularisierung von Gemälden des 17. bis 19. Jahrhunderts in der Reproduktionsgrafik gewidmet. Unter dem Titel „Kunst für Alle“ sind auch neun Tafeln aus der von Ad. Braun & Cie. herausgegebenen Mappe „Großherzogliche Gemälde-Galerie in Karlsruhe“ (1881) zu sehen. Die Druckerei Braun im elsässischen Mulhouse wurde 1980 von Burda Druck übernommen und ausgebaut bis der Druckstandort nach Viuex-Thann wechselte. Adolphe Braun hatte das Unternehmen 1848 zunächst als Foto-Atelier gegründet, schnell genoss er dann als Spezialist in der Reproduktion von Kunstwerken wie Gemälden, Zeichnungen, Lithografien, Radierungen und Skulpturen einen hervorragenden Ruf. Mit der Wiedergabe berühmter Gemälde erlangte Braun weltweite Bekanntheit. Um die benötigten hohen Stückzahlen herzustellen, benutzte er in erster Linie das Kohledruckverfahren, damals eine entscheidende Verbesserung in der Reproduktion.

In all diesen Facetten festigt die Ausstellung den Ruf der Staatlichen Kunsthalle als „noble Institution“, wie Hubert Burda sie beim Dinner nannte. Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. August.