VDZ-Präsident Dr. Hubert Burda fordert Pressefreiheit

VDZ-Präsident Dr. Hubert Burda forderte die neue Bundesregierung im Rahmen der Zeitschriftentage des VDZ auf, sich für eine freie Presse einzusetzen. „Die Pressefreiheit macht Politik in der Demokratie erst möglich“, betonte Burda. Dafür müssten die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Wir brauchen mündige Bürger, eine freie Presse und die Förderung der zur Entwicklung der Branche notwendigen Technologien“ sagte Dr. Burda. Die Medienbranche sei Job- und Innovationsmotor.

Dr. Hubert Burda im Gespräch mit Dr. Angela Merkel

Die designierte Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel betonte die Rolle der Medien in der Gesellschaft. „Die Beibehaltung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes ist ausdrücklich eine Würdigung der Presse“, sagte Merkel. Zeitschriften müssten geordnete Rahmenbedingungen haben. Den Verlegern sagte sie Unterstützung in Fragen der Werbeverbote und des Urheberrechts zu. „Es ist aberwitzig, was sich in Brüssel bei der Kennzeichnungspflicht und Werbeverboten abspielt“, betonte Merkel. Sie kündigte an, die Steuerung der Gesetzgebung in Brüssel in Zukunft stärker in die Hand zu nehmen.

VDZ-Präsident Dr. Hubert hat durch sein Engagement zur Beibehaltung des reduzierten Mehrwertsteueratzes sowie die engen Kontakte zur EU Kommission in Brüssel großen Anteil an den bisher erreichten Erfolgen. Erst in der vergangenen Woche betonte die EU-Kommissarin Vivian Redding in Interviews, dass es unter ihr keine weiteren Werbeverbote geben werde.

Im Anschluss an die Rede von Frau Merkel diskutierten bei der Chefredakteursrunde Helmut Markwort (FOCUS), Stefan Aust (SPIEGEL), Hans-Ulrich Jörges (STERN), Christoph Keese (WELT am SONNTAG), und Bernd Ziesemer (HANDELSBLATT) unter der Leitung von Thomas Voigt (OTTO Gruppe) die politischen und wirtschaftlichen Perspektiven von Deutschland nach der Wahl. Jörges und Keese hoben hervor, dass die große Koalition einen Vertrauensbonus auch von Seiten der Medien brauche. „Mit Schlagzeilen wie `Wir werden abgezockt´ machen wir dieses Land kaputt“ sagte Jörges. Spiegel-Chefredakteur Aust sagte. „Wir müssen der Regierung eine Chance geben, sie aber trotzdem kritisch begleiten.“ Redakteure dürften nicht in die Rolle der Politiker schlüpfen. Focus-Herausgeber Markwort sprach von einer großen Koalition der kleinen Schritte, bei der sich schon jetzt die Profilierungsbedürfnisse der beiden Parteien abzeichneten. Wenig optimistisch zeigte sich auch der Chefredakteur des Handelsblattes Ziesemer: „Die Länge des Koalitionsvertrages wird im Widerspruch zu seinen Ergebnissen stehen.

Burda looks beyond printing

von Thomas Crampton, in: International Herald Tribune, November 13, 2005

As a 102-year-old family-owned German company run by a 65-year-old man who is the grandson of the founder, Hubert Burda Media Group could be expected to be just another dull European corporation. Such an analysis, however, would not factor in the energy and digital passions of Hubert Burda. An avid art collector who peppers conversation with references to classical music and world literature, Burda has spent the past few years zealously pushing his media company into everything digital, even insisting that he will never open a printing plant again…

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Abschied von einer Legende – eine weltliche Liturgie

Die Straße ist mit roten Rosen übersät, als der Wagen mit dem Sarg von Aenne Burda vor dem Burda Moden-Verlagsgebäude zum Stehen kommt. Hunderte Mitarbeiter stehen am Straßenrand, um ihrer früheren Chefin die letzte Ehre zu erweisen. Sie alle haben Rosen in der Hand, einige Tränen in den Augen. Im Hintergrund spielt die Burda-Betriebskappelle zum Abschied „Die Himmel rühmen“ und „Ännchen von Tharau“ – das Lieblingslied der Verlegerin.

Iconic Turn – Gedenken an Aenne Burda

„Das Großartige war, dass die Belegschaft eine eigenständige Form des Rituals und der weltlichen Liturgie als Form des Abschieds gefunden hat: das Spielen der Betriebskapelle, das Umringen des Sarkophags, das Vorbeiziehen des Trauerzugs am Medienpark“, kommentiert der Ästhetikprofessor und langjährige Freund von Hubert Burda, Bazon Brock. „Aenne Burda hat in der Kulturgeschichte eine große Rolle gespielt. Mit ihren Schnittmustern erschuf Aenne Burda das Urmodell der Blaupause und überführte diese in die demokratische Mode. Das Prinzip der Blaupause war zum ersten Mal für alle zugänglich.“

Mit Ehrenspalier und tausenden von roten Rosen säumten die Kollegen Aenne Burdas letzten Weg über das Verlagsgelände

„Aenne Burda hat sich um unser Land und seine Menschen in hohem Maße verdient gemacht,“ würdigte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger die Grande Dame der Modewelt. Er erinnerte in seiner Trauerrede an ihre unternehmerische Tatkraft und Schaffensfreude: „Aenne Burda wird für immer als eine der großen Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit gelten können.“

Abschied von Vorbild und Mutter: Dr. Maria Furtwängler und Dr. Hubert Burda

Hans-Dietrich Genscher erinnerte in seiner Rede noch einmal an die großen Erfolge der engagierten Verlegerin: Mit „Burda Moden“ erschien 1987 die erste westliche Zeitschrift in russischer Sprache. „Aenne Burda zog damit auf ihre Weise und mit ihren Möglichkeiten den Eisernen Vorhang ein Stück zur Seite“, so der ehemalige Außenminister. Seine damalige Würdigung sei keine Schmeichelei, sondern großer Respekt und tiefe Dankbarkeit gewesen: „Sie hinterlässt Spuren, sie hat Bleibendes geschaffen. Sie war wirklich eine außergewöhnliche Frau.“

Hans-Dietrich Genscher bei seiner Trauerrede

Modezar Karl Lagerfeld formulierte folgende Worte stellvertretend für mehrere tausend Menschen: “Wir haben eine große Frau und eine gute Freundin verloren“.

In der Mode verbunden: Karl Lagerfeld

Eine Woche nach ihrem Tod wurde Aenne Burda am Donnerstag den 10. November in ihrer Heimatstadt beigesetzt. Vorher nahm Offenburg mit einer bewegenden Trauerfeier von einer großen Verlegerin Abschied. Zu dem Gottesdienst in der Heilig-Kreuz-Kirche kamen über 200 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien, darunter Wolfgang Schäuble, Friede Springer, Matthias Döpfner, Bernd Kundrun, John Jahr, Frank Elstner und Arthur Cohn.

trauerkarte

Augenblicke der Erinnerung an Aenne Burda

Die Frau, die ein Jahrhundert prägte

Triumph in Moskau: Aenne Burda nach der Burda-Modegala 1987

Die Großverlegerin und Modevisionärin Aenne Burda starb mit 96 Jahren. Sie war Vorbild und Vorkämpferin für Millionen Frauen. Der vollständige Nachruf in BUNTE 46/2005 als .pdf: Herunterladen

Prominente Anteilnahme

„Mit Aenne Burda ist eine Frau gestorben, die Millionen von Menschen geholfen hat, Schönheit in ihr Leben zu bringen. Mit Kreativität und Geschäftssinn hat sie vielen den Traum vom preiswerten Modeglück erfüllt und so dazu beigetragen, dass in den kargen Aufbaujahrzehnten der Bundesrepublik neues Selbstwertgefühl wachsen konnte“, schreibt Bundespräsident Horst Köhler in seinem Kondolenzschreiben.

Bundespräsident Horst Köhler

Hochrangige internationale Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Medien drücken der Familie ihr Beileid zum Tod von Aenne Burda aus. Hunderte von Kondolenzschreiben aus Deutschland und der Welt sind in den vergangenen Tagen in Offenburg und München eingetroffen. Sie alle würdigen Aenne Burdas Lebenswerk: Als herausragende Verlegerpersönlichkeit habe sie als eine der wenigen Frauen das deutsche Wirtschaftswunder mitbestimmt und das Modebewusstsein in Deutschland und der ganzen Welt geprägt.

Auszug aus der Kondolenzliste: Gerhard Schröder (Bundeskanzler), Angela Merkel (CDU-Vorsitzende), Günther Oettinger (Ministerpräsident Baden-Württemberg), Erwin Teufel (ehemaliger Ministerpräsident Baden-Württemberg), Guido Westerwelle (FDP-Vorsitzender), Roland Koch (Ministerpräsident Hessen), Christina Weiss (Kulturstaatsministerin), Friede Springer, Matthias Döpfner und Ernst Cramer (Axel Springer AG), John Jahr und Bernd Kundrun (Gruner + Jahr), Helmut Heinen (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger), Wolfgang Fürstner (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger), Werner Neunzig (Reader’s Digest), Gianni d’Angelo (RCS Periodici), Carlo Caraccicolo (Gruppo Editoriale L’Espresso), Soner Gedik (Dogan Media Group), Eduardo Sanchez Junco (Chefredakteur Hola), Paul Spiegel (Zentralrat der Juden in Deutschland), Charlotte Knobloch (Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern), Talma und Yossi Vardi sowie Ruth Cheshin (The Jerusalem Foundation), Avishai Bravermann (Ben Gurion Universität), Franz von Bayern, Manni zu Sayn-Wittgenstein, Luca di Montezemolo (Ferrari), John Elkann (Fiat), Alexander Dibelius (Goldman Sachs), Diego della Valle (Tod’s), Laura und Lavinia Biagiotti, Filmproduzent Arthur Cohn, Monti Lüftner, Arend und Brigitte Oetker, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Dr. Gerhard Cromme (ThyssenKrupp AG), Terry von Bibra (Yahoo), Peter Gruss (Max-Planck-Gesellschaft) und Architekt Christoph Ingehoven.

Trauer um Aenne Burda

In den Morgenstunden des 3. Novembers verstarb Aenne Burda im Kreise ihrer Familie in Offenburg. Sie war im 97. Lebensjahr.

Aenne Burda

Sie hatte 1949 mit dem Aufbau ihres Verlages Burda Moden begonnen, den sie zum weltweit größten Modenverlag ausbaute. Als Anna Lemminger wurde sie am 28. Juli 1909 in Offenburg geboren und heiratete 1931 den Drucker und Verleger Dr. Franz Burda. Das Ehepaar hat drei Söhne, Franz (1932), Frieder (1936) und Hubert (1940).
Weltweit wurde Burda Moden bekannt als 1987 auf Einladung von Raissa Gorbatschowa Burda Moden als erste westliche Zeitschrift in Russland verkauft werden konnte. Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher würdigte die Pioniertat mit den Worten „Sie haben mehr geleistet als drei Botschafter vor Ihnen“.

45 Jahre lang stand die Mitbegründerin der Mediendynastie an der Spitze ihres Verlages, bis dieser 1994 in das Unternehmen ihres Sohnes, Hubert Burda Media, integriert wurde.

Für viele war Aenne Burda eine Symbolfigur, eine Erfolgsgeschichte wie die anderer großer Frauen des 20. Jahrhunderts: Coco Chanel, Estée Lauder und Helena Rubinstein.

Zeit ihres Lebens engagierte sich Aenne Burda für das Gemeinwohl. Mit zwei Stiftungen förderte sie den Hochschulnachwuchs sowie die Seniorenarbeit in ihrer Heimatstadt. Mit der Aenne Burda-Stiftung im Vinzentiushaus ermöglichte sie 1990 den Bau von über 50 betreuten Altenwohnungen. Für ihr erfolgreiches unternehmerisches Wirken, ihr kommunalpolitisches, kulturelles und soziales Engagement wurde Aenne Burda mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz mit Stern. Sie war Ehrenbürgerin ihrer Heimstadt.

Über ihren außergewöhnlichen Lebensweg sagte sie: „Ich schlief und träumte, das Leben wäre Freude, ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht; ich handelte und siehe: die Pflicht war Freude“ (Tagore)