70 Jahre Bunte

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Bunte-Chefredakteure: Lothar Strobach (1987-1989), Beate Wedekind (1992-1993), Hubert Burda (1976-1986), Patricia Riekel (1996-2016), Robert Pölzer (seit 2016) (v.l.n.r.)

Am Freitag, den 10. November, fand auf Einladung von Burda-Vorstand Philipp Welte ein Editor’s Lunch anlässlich des Jubiläums von Bunte statt. Europas größtes People-Magazin feiert 2018 sieben Jahrzehnte Leidenschaft für Menschen.

Bei der Veranstaltung in München wurde der 335 Seiten starke Bildband „Bunte Republik Deutschland“ präsentiert, den die ehemalige Chefredakteurin, Patricia Riekel, als Herausgeberin maßgeblich gestaltet hat. An dem Mittagessen nahmen neben Verleger Hubert Burda, Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen, Geschäftsführern und Chefredakteuren auch prominente Weggefährten wie Uschi Glas, Axel Milberg und Nina Eichinger teil.

Hubert Burda würdigte in einer emotionalen Rede seinen Vater, den legendären Senator Franz Burda, der den Grundstein für den heutigen Bunte-Erfolg legte. In der Nachkriegszeit suchte sein Vater neue Aufträge und bemühte sich um die Lizenz für ein Magazin namens „Das Ufer“. „Mein Vater musste bei der französischen Kommandantur vorsprechen, um die Genehmigung dafür zu bekommen. Dass er sehr gut französisch sprach, half natürlich und der zuständige General Schmittlein und er wurden schnell Freunde.“ Und aus dem „Ufer“, das eine Art Erziehungsprogramm sein sollte, wurde ein lebensbejahendes Magazin. „Mein Vater erkannte schnell, dass die Menschen sich nach dem Krieg nach Unterhaltung und bunten Geschichten sehnten und nannte die 1948 gegründete Illustrierte 1954 in Bunte um.“

Ein kreatives Vorbild für Hubert Burda war der Künstler Andy Warhol, der einst in Offenburg ein Porträt von Aenne und Franz Burda machte: „Mich interessierte Warhols Pop-Art, in der er Werbung und Medien und Kunst zusammenbrachte. Warhol hat verstanden, was Lifestyle bedeutet. Mit seinem Magazin ‚Interview‘ war er auch Verleger. Und Lifestyle ist einer der größten Märkte für Burda. Mit Andy Warhol kam quasi der Lifestyle von New York in die Bunte.“

Hubert Burda erinnerte sich in seiner Rede an die Zeit von 1976 bis 1986, in der er selbst Bunte-Chefredakteur war und Menschen wie Udo Jürgens, Mireille Matthieu und Uschi Glas berühmt machte: „Anfangs dachten alle, ‚Was will das Büble’, aber ich habe mich durchgesetzt. Und wenn ich zurückblicke, gibt es keinen schöneren Job als Chefredakteur.“ Und er betonte: „Ohne das, was der Senator gemacht hat, stünde ich heute nicht hier!“

Was damals galt, gilt heute auch noch. So erklärte Hubert Burda das Bunte-Erfolgskonzept mit Verweis auf den Netflix-Gründer Reid Hastings. Der sagte: „Du musst den Content machen, mit dem die Leute gerne ihre Zeit verbringen“.

Das Geheimnis dahinter beschreibt auch Georg Franck, Autor des Buches: „Die Ökonomie der Aufmerksamkeit“. Daraus stammen die folgenden Sätze, die für Hubert Burda wichtig sind: „Was ist angenehmer als die wohlwollende Zuwendung anderer Menschen, was wohliger als ihre teilnehmende Einfühlsamkeit, was wirkt so inspirierend wie begeisterte Zuhörer, was ist so fesselnd wie das Fesseln ihrer Sinne. Was gibt es aufregenderes als einen Saal von gespannter Blicke, was hinreißenderes als der Beifall, der einem entgegen tost. Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz.“

Bunte hat viele Prominente über Jahre hinweg begleitet, wie Patricia Riekel, die das Magazin 1997 bis 2016 führte, erzählt. Sie berichtete von der Entstehungsgeschichte der Bunte-Chronik. „Es gab 3.500 Bunte-Ausgaben, nicht digitalisiert, darunter Folianten aus den 50ern, die schon völlig vergilbt und eingerissen waren. Und in jeder Bunte waren 20 große und 30 kleine, spannende Geschichten, an denen wir uns immer wieder festgelesen haben. Es hat sieben Monate gedauert, bis wir uns für die besten entschieden hatten.“ Und auch heute noch sei Bunte das Barometer, das zeige, welchen Stellenwert man in der Society hat. „In ist, wer drin ist!“

Ein Erfolgskonzept, das Robert Pölzer seit 2016 erfolgreich weiterführt. „Die Bunte, die Hubert Burda geprägt hat, ist das Leitmedium der deutschen Gesellschaft. Ein Gesamtkunstwerk. Und wir sind Handwerker im Dienste der Kunst, zu unterhalten. Die Bunte bietet der Gesellschaft eine Bühne, sie spiegelt die Gesellschaft und sie ist ein Seismograph der Gesellschaft. Die Bunte-Chronik zeigt mir den Weg auf, den Bunte gegangen ist, sie lehrt mich die Sprache der Bunte und sie gibt mir die Tonalität der Bunte in mein Herz. Und mit dieser Leidenschaft, die ich im Herzen trage, werde ich diese Zeitschrift hoffentlich noch lange führen.“ Und er erinnerte daran, wie wichtig dabei die Bereitschaft zur Veränderung und Transformation sei: Für uns gilt: in der Gegenwart aus der Vergangenheit lernen, um für die Zukunft gerüstet sein.“

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Zur Aktualität von Jakob Fugger

Verleger Hubert Burda hielt eine Rede an der Universität Augsburg

Er erkannte die Trends, ließ sich nicht beirren, suchte nach neuen Produkten und Absatzwegen: Jakob Fugger. Verleger Hubert Burda sprach gestern zur Aktualität des Unternehmers aus Anlass der feierlichen Eröffnung des Jakob-Fugger-Zentrums in Augsburg – einem Forschungskolleg für Transnationale Studien. „Es ist mir eine Ehre“, erklärte Festredner Burda und beschrieb kurzweilig die Geschichte des herausragenden Geschäftsmannes aus der Renaissance.

Was machte den Erfolg eines Jakob Fuggers aus? Schon mit 14 Jahren lernte er wichtige Menschen und das Handels-„Business“ in Venedig kennen. Die Kaufmänner aus Augsburg lieferten Baumwolle, Leinen und Barchent, im Gegenzug exportierte Italien Gewürze wie Ingwer, Safran und Kardamom.

Fugger lernte schnell und wurde ein Meister in der doppelten Buchführung. Sie wurde den zunehmend komplizierteren Wirtschaftsvorgängen um 1500 gerecht. Das mittelalterliche, kameralistische Rechnungswesen kannte nur einen reinen „cash in und cash out, also Einnahmen und Ausgaben“, so Hubert Burda. Das neue System stellte dagegen auch Vermögensveränderungen dar.

So schnell er die doppelte Buchführung verstand, so schnell implementierte Fugger später die neusten Techniken im Tiroler Bergbau, in den er dank seines zufriedenen Kunden Kaiser Maximilian I. einstieg. Der Grund, warum aus der Kaufmannsfamilie Bergbau-Investoren wurden? Fugger erkannte rechtzeitig, dass er sich neben dem Handel um andere Produktions- und Absatzmärkte kümmern musste. Noch dazu lagen die Gold- und Schürfrechte in Tirol bei der kaiserlichen Familie und Maximilian erinnerte sich an die Leistungskraft des Hauses Fugger. Die Augsburger lieferten die Aussteuer für seine Hochzeit mit Maria von Burgund 1477.

Was vor über 550 Jahren die doppelte Buchführung gewesen sei, „sind heute die Algorithmen“, erklärte der Verleger und gab den jüngeren Zuhörern auf den Weg: „Versuchen Sie einen Code zu schreiben; alle Zukunftsberufe hängen davon ab, ob Sie einen Algorithmus schreiben können.“

Mindestens zweimal pro Jahr hält Verleger Hubert Burda eine Rede an deutschen Universitäten. Eine Aufgabe, die er mit Freude und Verantwortung als Professor für besondere Verdienste in Wissenschaft und Forschung wahrnimmt.

Im Zeichen der digitalen Bilderwelt

„Iconic Turn – Das neue Bild der Welt“ lautete der Titel des Vortrags von Hubert Burda, zu dem die Max Beckmann Gesellschaft einlud

„Wo immer sich die Kommunikation verändert, verändern sich Fundamente der Gesellschaft“, zitierte Hubert Burda den Philosophen Walter Benjamin in seinem Vortrag „Iconic Turn – Das neue Bild der Welt“ am Montagabend in der Münchner Pinakothek der Moderne. Vor den rund 350 Gästen im Ernst von Siemens-Auditorium – darunter auch viele Mitarbeiter – sprach er darüber, wie die visuelle Kommunikation im Laufe der Geschichte bis hinein in die sich digitalisierende Gegenwart immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Mit diesem „Iconic Turn“ beschäftigt sich Hubert Burda seit 20 Jahren, es ist sein Lebensthema. So war ihm bereits im Jahr 2002/2003 eine interdisziplinäre Vortragsreihe an der Ludwig-Maximilians-Universität zu danken, in der es darum ging, die Vielfalt von Bildern daraufhin durchzugehen, wie sie die Menschen in ihrer Weltwahrnehmung und ihrem Verhalten beeinflussen. In seiner 2010 erschienen Publikation „In medias res“ beleuchtet er den Iconic Turn zusammen mit international renommierten Experten wie Friedrich Kittler, Horst Bredekamp und Hans Belting. Fünf Kapitel aus seinem Buch stellte der promovierte Kunsthistoriker dem Publikum vor.

Rund 350 Gäste verfolgten den Vortrag in der Pinakothek der Moderne

Anhand des „anderen Blicks aus dem Fenster“ erläuterte Hubert Burda, wie sich dieser im Laufe der Jahrhunderte verändert habe: Während Künstler wie Jan van Eyck im 15. Jahrhundert beim Blick aus dem Fenster erstmals ein detailgetreues Abbild von Stadt und Natur schufen, wurde dieser Blick mit der digitalen Revolution durch das Fernsehen und den Screen von Smartphones und Tablets ersetzt. Doch „wer keinen Rahmen für die Bilder findet, wird immer von Bilderflut sprechen“, machte der Verleger anschließend klar. Man müsse immer nach dem Kontext fragen, denn die Wahrnehmung des Bildes brauche immer einen Rahmen. Im Kapitel „Mobile Bilder“ erläuterte Hubert Burda, dass schon die Papyrusrollen der Phönizier und die geprägten Münzen des römischen Kaisers Augustus mobile Bilder waren. Das Prinzip von Kaiser Augustus, seinen Marktwert zu steigern, indem man das eigene Portrait vervielfältigt und in Umlauf bringt, hätten später auch die Massenmedien aufgegriffen: Je präsenter Personen in den Massenmedien und sozialen Netzwerken seien, desto höher sei deren Marktwert – ganz nach dem Motto von Andy Warhol: „Images need to be shared.“

„Belastende Bilder – entlastende Bilder“ – in diesem Dualismus, so Hubert Burda weiter, könnte eine neue Bildtheorie entstehen. So seien belastende Fotos, etwa von den Terrorangriffen des 11. September, nur im Wechselspiel mit Bildern zu ertragen, die Entspannung und Erholung böten. Dies sei sowohl in den Nachrichtensendungen als auch in vielen Illustrierten ein durchgehendes Prinzip. Im Kapitel „Innere Bilder, äußere Bilder“ zitiert Hubert Burda den Kunsthistoriker Hans Belting: „Unser Körper ist ein Medium, um innere Bilder zu erzeugen oder um äußere zu empfangen.“ Bild und Medium seien zwei Seiten einer Münze. Der Verleger schloss mit der Frage, in welchem Kontext „Bild und Macht“ erscheinen. In der Renaissance-Zeit hätten sich einflussreiche Familien wie die Medici in einer eigenen Kapelle malen und darstellen lassen, um so ihren Einfluss und Machtanspruch sichtbar zu machen. Heute würde Machtrepräsentation, etwa von großen Organisationen, über die Architektur symbolisiert, wie den vom Office for Metropolitan Architecture (OMA) entworfenen CCTV Headquarters in Peking.

Die heutige Bilderwelt sei eine digitale Bilderwelt, wie Hubert Burda zum Ausklang seines Vortrags aufzeigte: Über die Algorithmen von Google, Apple oder Facebook würde der „Iconic Turn“ in noch nie gekannter Weise beschleunigt, Bilder in Sekundenschnelle verbreitet und auffindbar gemacht. „Ich bin der festen Überzeugung, wir befinden uns in einer neuen Schwellenzeit, die der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg um 1500 gleicht“, so Hubert Burda. „Der Iconic Turn ist schon eine Bombe.“

Über den Iconic Turn

GAFFTA-Schirmherr Peter Hirshberg und Hubert Burda in San Francisco

Wie wandelt sich Kultur durch die Digitalisierung von Bildern? Darüber sprach Verleger und Kunsthistoriker Hubert Burda am Mittwoch in San Francisco und stellte sein Buch „The Digital Wunderkammer“ (deutscher Titel: „In Medias Res“) vor. Burda war zu Gast bei der „Gray Area Foundation for the Arts“ (GAFFTA). Die Organisation hat das Ziel, „die besten „kreativen Programmierer, Datenkünstler, Designer und Macher zusammenbringen, um Experimente zu erschaffen, die ein soziales Bewusstsein durch die digitale Kultur aufbauen.“ GAFFTA-Schirmherr ist der Digitalmanager Peter Hirshberg, mit dem Burda im Anschluss über den „Iconic Turn“ diskutierte. Zunächst ging es in seinem Vortrag aber um fundamentale Veränderungen unserer Kommunikation und Wahrnehmung.

So ist die Grundthese von „The Digital Wunderkammer“, dass die Digitalisierung die Welt rasant verändert hat – vergleichbar mit der fundamentalen Umbruchphase der Gutenberg-Zeit. Nicht nur Informationen, sondern auch Bilder werden schnell, gezielt und großräumig verbreitet. Und das Internet bietet scheinbar unendliche Möglichkeit zum globalen Speichern und Vernetzen von Wissen und dessen Repräsentation: Es wird zu einer neuen, digitalen Wunderkammer. Aber nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Art und Weise wie wir Bilder wahrnehmen hat sich, so die Prämisse des Buchs, verändert: Die Geltung der visuellen Kommunikation nimmt merklich zu. „Wo immer sich Kommunikation verändert, verändern sich die Fundamente der Gesellschaft“, schreibt Burda in seinem Buch.

Im Anschluss an seine Präsentation diskutierte Burda mit GAFFTA-Schirmherr Peter Hirshberg über den Einfluss digitaler Technologien auf unsere Gesellschaft und die kulturellen Veränderungen, die dies mit sich bringen wird.

Ein rasantes Leben

Hubert Burda gratuliert Paul Pietsch zum Hundertsten

Paul Pietsch ist erfolgreicher ehemaliger deutscher Automobilrennfahrer und Verleger aus Leidenschaft. Vor 65 Jahren gründete er gemeinsam mit den Motorsportlern Ernst Troeltsch und Josef Hummel die Motorsport GmbH in Freiburg, die die Autozeitschrift „Das Auto“ auf den Markt brachte. Zu seinem 100. Geburtstag kamen nun prominente Weggefährten und Freunde im Neuen Schloss in Stuttgart zusammen. Verleger Hubert Burda gratulierte Pietsch persönlich in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).

„Ihr Leben ist wie kaum ein anderes mit zwei großen Leistungen der Deutschen verbunden: Mit der Entstehung der Medien am Oberrhein, wo Sie herstammen und der Gründung Ihres Verlages in Stuttgart. Der Ort, von dem man sagt, dass hier die Wiege des Automobils steht“, so Hubert Burda. Er betonte, dass kaum ein anderer die historischen Dimensionen der Entwicklung der Medien und die Entwicklung des Autos in einer Person widerspiegele wie Paul Pietsch. „Ein großes Leben voller großer, kühner Taten und bei allem sind Sie bescheiden geblieben“, so Burda über den Jubilar. „Wer kann auf eine Biografie von einer derartigen historischen Bedeutung zurückblicken wie Sie?“

Mit dem Titel „Auto, Motor und Sport“ bekam das Nachkriegsmagazin „Das Auto“ einen neuen Namen. Noch immer ist es das publizistische Flagschiff des Verlags, der heute vielfältige Special-Interest-Zeitschriften zu den Themen Motorräder, Lastwagen, Flugzeuge, Camping oder Caravaning herausbringt. Weltweit sind es mehr als 140 Titel in 22 Ländern.

Hubert Burda erinnerte in seiner Rede an die Anfänge des Stuttgarter Medienunternehmens 1946. Einer Zeit, in der sich auch sein Vater Franz Burda um eine Genehmigung bei den französischen Behörden für die Zeitschrift „Das Ufer“ – die heutige BUNTE – bemühte. Noch gut kann er sich an das Schriftstück „Droit d’imprimé“ erinnern kann, das der Senator damals erhalten hatte. Bis 1952 widmete sich Pietsch neben dem Verlagsgeschäft weiter dem Motorsport, gab seine aktive Karriere jedoch nach einem Rennunfall auf. Zudem wurde der Verlag stetig erfolgreicher und größer. 1976 zog sich der Verleger aus dem aktiven Tagesgeschäft des Unternehmens zurück.

Unter den rund 250 Geburtstagsgästen im Neuen Schloss waren auch Hartmut Ostrowski, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, VW-Chef Martin Winterkorn, ADAC-Präsident Peter Meyer und Audi-Vorstand Rupert Stadler. Darüber hinaus nahmen langjährige und verdiente Mitarbeiter der Motor Presse Stuttgart an dem Festakt teil, der mit einem Mittagessen im Marmorsaal des Schlosses endete. Tief gerührt drückte Paul Pietsch seine Dankbarkeit gegenüber Gratulanten und Gästen aus.

Als Senator geehrt

Hubert Burda bei seiner Rede

Für seine herausragende Förderung und Unterstützung des europäischen Kompetenzzentrums für Jüdische Studien in Heidelberg wurde Hubert Burda am Montag zum Ehrensenator der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ernannt. Der Verleger erhielt die Urkunde während einer feierlichen Zeremonie persönlich aus den Händen des Ersten Prorektors Johannes Heil. „Hubert Burda, der als neugieriger Entdecker für unternehmerische Visionen steht, setzte sich nachhaltig und mit großem Engagement für den Neubau dieser in Deutschland einzigartigen Institution ein“, erklärte er in seiner Laudatio.

In seiner Dankesrede ging Hubert Burda vor allem auf die digitale Revolution und die Bedeutung von Printprodukten ein – fand die Verleihung doch in Heidelberg, einer Wiege des Buchdrucks, statt. Gerade in Zeiten der digitalen Reproduzierbarkeit gehöre es zu den großen Privilegien, morgens eine Zeitung oder eine Zeitschrift aufzuschlagen. Die digitale Revolution sei allgegenwärtig: „Es ist eine unruhige See, die da draußen tobt. Umso so wichtiger sind Inseln wie die Jüdische Hochschule. Orte der Introversion um zu reflektieren“, betonte er.

Johannes Heil hob Burdas zupackende Art hervor, die, wie er sagte, das Land wieder voran gebracht habe, und stellte fest: „Hubert Burda will Gesellschaft gestalten. Das tut er auch in Bereichen, die nicht unbedingt ertragreich sind. Lyrik ist so etwas.“

2007 hatte Hubert Burda gemeinsam mit Salomon Korn, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Hochschule sowie Vizepräsident des Zentralrats der Juden, ein Aktionskomitee gegründet, das sich finanziell und ideell für einen Neubau eingesetzt hatte. Zu den Mitgliedern gehörten auch Persönlichkeiten wie Friede Springer, Stefan von Holtzbrinck, Klaus Tschira und Josef Ackermann. Im September 2009 wurde das neue Gebäude feierlich seiner Bestimmung übergeben. Studenten finden hier ein breit gefächertes Angebot im Bereich der jüdischen Studien.

„Ohne Hubert Burda, ohne dessen Überzeugungskraft und ohne seinen Willen zur Verwirklichung einer für ihn als historisch empfundenen Verpflichtung gäbe es diesen Neubau nicht“, betonte auch Salomon Korn. Zur Verleihung der Ehrensenatorwürde ergänzte der Vorsitzende des Kuratoriums: „Du hast sie wie kaum ein anderer verdient und bist ihrer wahrlich würdig.“

Hubert Burda wurde für seine Verdienste um die jüdische Kultur bereits mit dem Leo-Baeck-Preis und der Ohel-Jakob-Medaille ausgezeichnet. Zudem ist er Initiator des Hubert Burda Center for Innovative Communications an der Ben Gurion-Universität in Beer Sheva in Israel. Für den Neubau der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hatte sich der Medienfachmann etwas Besonderes einfallen lassen: Er unterstützte das Projekt unter anderem mit der virtuellen Bibliothek zur deutsch-jüdischen Geistesgeschichte. Über symbolische – zu bezahlende – Buchpatenschaften wurden hierüber Gelder gesammelt.

Die Bedeutung der Bilder

Klaus Adam (Vorsitzender Freunde der Universität), ZDF-Intendant Markus Schächter, Hubert Burda, Gottfried Boehm; Georg Krausch (Präsident der Johannes Gutenberg Universität Mainz)

Welche Macht haben Bilder? Das war bestimmendes Thema beim Fundraising Dinner der Freunde der Universität Mainz am Sonntagabend. Rund 200 Gäste aus Kultur und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft waren gekommen, um den Inhaber der zwölften Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur zu begrüßen: den Hochschullehrer, Kunsthistoriker und Philosoph Gottfried Boehm. Die Laudatio hielt Medienunternehmer und Kunsthistoriker Hubert Burda. Beide verbindet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem „Iconic Turn“.

„Die Macht und die Bedeutung der Bilder – der Iconic Turn – dieser Begriff ist mit Gottfried Boehm zum ersten Mal in Umlauf gebracht worden“, erklärte Burda am Sonntag. „Boehm hat entscheidende Impulse zur Entstehung einer neuen Bildwissenschaft gegeben, denn die Macht der Bilder ist hochaktuell. Nach jahrhundertlanger Prägung unserer Kultur durch Schrift und Text ist nun die visuelle Kommunikation wieder in den Vordergrund gerückt.“

Hubert Burda ging an diesem Abend auch auf sein Buch zum Thema ein, „In Medias Res – Zehn Thesen zum Iconic Turn“. Darin spannt er den Bogen von der Erfindung des Kupferstichs bis hin zur Digitalisierung und den damit verbundenen fundamentalen Umwälzungen in der Gesellschaft und ihrer Kommunikation.

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir in einer Schwellenzeit leben, vergleichbar mit der Gutenberg-Zeit um 1500. Der heutige Iconic Turn hat sich in einem ungeheuren Tempo durch die Digitalisierung verändert“, erklärte der Verleger in Mainz. Heute sei der Bildschirm das bestimmende Medium, auf dem Bilder abrufbar sind. Das Porträt, das über Jahrhunderte Künstlern überlassen war, sei auf jedem Handy hinterlegt. „Auf Facebook hat jeder sein eigenes Porträt und inszeniert sich selbst“, sagte Burda und verdeutlichte dies am eigenen Facebook-Profil.

„Die heutigen Wunderkammern sind nicht mehr die von Dresden, sondern das sind Google und Facebook“, schloss er seine Rede mit Blick auf das Grüne Gewölbe. Der Iconic Turn nehme mit der digitalen Revolution eine neue Wendung. So sei auch die Schwellenzeit, in der wir lebten, anhand tagtäglicher Veränderungen spürbar.

Laudatio für Charlotte Knobloch

Ehrung in St. Moritz: Hubert Burda, Charlotte Knobloch und Zeev Rotstein

30. Dezember, St. Moritz im Schnee. Das Hotel Carlton hatte zum sechsten Mal zur Benefizgala geladen. Rund 200 VIP-Gäste kamen zur „Hot Party in the Snow“ zugunsten des „Sheba Medical Centers“, das nicht nur als größtes und modernstes, sondern auch als bedeutendstes Krankenhaus in Israel und im ganzen Nahen Osten gilt. Patienten werden dort unabhängig von Herkunft, Nationalität und Religion behandelt.

Verleger Hubert Burda hielt die Laudatio auf Charlotte Knobloch, die bis November 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland war, und an diesem Abend vom Generaldirektor des „Sheba Medical Centers“ Zeev Rotstein, mit dem „Sheba Humanitarian Award“ ausgezeichnet wurde. Der Preis wird seit 1990 vom Chaim Sheba Medical Center an herausragende und hochkarätige Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Kultur verliehen.

Zur Laudatio auf Charlotte Knobloch

Klare Regeln

Forderte von Google „Fair Search“: Hubert Burda bei den Zeitschriftentagen 2010

Klare Spielregeln im Netz waren das große Thema der Keynote von VDZ-Präsident Hubert Burda am zweiten Tag der Zeitschriftentage in Berlin. Am Freitag kritisierte der Verleger erneut das Marktverhalten von Google und forderte eine „Fair Search“.

„Es gibt drei Ebenen von Infrastruktur“, erklärte Burda. Die physischen Netzzugänge seien staatlich reguliert und die Telekommunikationsanbieter müssten hier für einen fairen Netzzugang sorgen. Die Vergabe der IP-Adressen sei international reguliert. Es gäbe jedoch eine darüber liegende, weitere Infrastrukturebene: Die Navigationsebene, das heißt, wie Nutzer überhaupt Inhalte und Anwendungen im Internet finden und ansteuern. Hier liefen alle kommerziell relevanten Daten und Nutzerströme zusammen. „Alle Geschäftsmodelle, die darauf aufsetzen – Werbung, Transaktionen, Verkauf, Subscriptions -, hängen von fairen Spielregeln für diese Navigationsebene ab.“

„Und Google verschafft eigenen Angeboten vorrangige Plätze auf der Suche und Navigation und verdrängt damit Wettbewerber“, so der VDZ-Präsident. Wenn Google seinen Algorithmus dahingehend ändere, dass stets eigene Unternehmen bei der Suche immer ganz oben stünden, also keine faire Suche mehr stattfinde, sei langfristig die Medienvielfalt in Gefahr, betonte er in Berlin.

In keinem anderen Land sei die Verbindung von Print- und Onlinemedien bereits so weit fortgeschritten wie in Deutschland. Doch damit die Verlage mit ihren Web-Angeboten tatsächlich langfristig bestehen könnten, müsse es eindeutige Spielregeln auch im Onlinebereich geben. Burda forderte von der Bundesregierung, in einem Leistungsschutzrecht Inhalte von Zeitungen und Zeitschriften vor dem unkontrollierten gewerblichen Zugriff Dritter im Internet zu schützen. „Wir brauchen eine aktive Internetpolitik auf nationaler und europäischer Ebene, die faire Wettbewerbsbedingungen sichert“, so der Verleger.

Wunderkammer Internet

Das Internet als Wunderkammer: Hubert Burda in Dresden

Sie ist eine der ältesten ihrer Art: Die Kunstkammer im Dresdner Residenzschloss feiert in diesen Tagen 450-jähriges Bestehen. Welche Bedeutung haben ihre prächtigen historischen Sammlungen heute? Welche Parallelen gibt es zum digitalen Zeitalter? Zum Jubiläum hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gemeinsam mit der Humboldt-Universität Berlin Experten zu einem zweitägigen Kolloqium eingeladen. Über „Das Internet. Die Erfindung des Globalen“ sprach Hubert Burda.

„Die Wunderkammer von heute ist das Internet“, erklärte der Verleger vor rund hundert Gästen. „Kuriositätenkabinette“, zunächst von reichen Fürsten geschaffen, bevor sie in wissenschaftliche Sammlungen übergingen, seien der Versuch gewesen, Objekte und Artikel anzusammeln, die man normalerweise nicht anschauen oder finden konnte. Derjenige, der über diese Dinge verfügen konnte, habe damit gleichzeitig Macht und Einfluss gehabt.

Im digitalen Zeitalter habe Google eine grundlegende Veränderung mit sich gebracht: Die Suchmaschine ersetze die redaktionelle Auswahl eines „Kurators“ aus Fleisch und Blut durch einen Algorithmus. Der PageRank, bei dem nicht nur nach Schlagworten, sondern auch nach Empfehlungen von anderen Seiten gesucht wird, sei der entscheidende Vorteil auf dem Weg zur marktbeherrschenden Suchmaschine gewesen, sagte Burda. So sei eine neue Welt aus einzelnen Seiten und Verlinkungen entstanden, die Google große Macht verschaffen.

Das Prinzip der neuen Wunderkammer: Je mehr Links auf eine Seite verweisen, umso höher deren Gewicht. Und dieses Prinzip findet sich auch in den großen und immer mächtiger werdenden sozialen Netzwerken wir Facebook wieder: Inhalte und Empfehlungen bekommen ihre Relevanz aufgrund sozialer Nähe und Interaktion und wachsen mit immer neu generierten Inhalten und Vernetzungen. Vorteil: Jeder kann, wie zum Beispiel auch in der Video-Community YouTube, gleichberechtigt Inhalte einstellen – und mit dem mobilen Internet kann sie jeder weltweit bei sich haben.

Wie sieht die Wunderkammer der Zukunft aus? Inhalte würden immer abstrakter und datenbezogener, erklärte Burda in Dresden – für ihn ist die Visualisierung von Daten der nächste Schritt. Ein neues Bild der Welt entstehe, Google Streetview sei dafür nur ein Beispiel. Burda schloss seinen Vortrag mit einem YouTube-Video: Der Dirigent und Komponist Eric Whitacre hat für sein Stück „Lux Aurumque“ Stimmen von 250 Menschen aus zwölf verschiedenen Ländern arrangiert – und dirigiert damit einen komplett virtuellen Riesen- Chor. „Auch das ist die neue Wunderkammer des Internets“, so Burda.

Diskussionen um alte und neue Wunderkammern führte der Verleger im Anschluss auch abseits des Symposiums weiter. Die Gäste hatten außerdem Gelegenheit, die Sonderausstellung im Dresdener Residenzschloss zu bewundern: Zum Jubiläum sind derzeit die Kunstkammerinventare in vier Bänden zu sehen.