Neue Wege im Netz

Hubert Burda forderte in Stuttgart grundlegende Web-Werbereformen

Werbeerlöse im Netz sind derzeit ein viel diskutiertes Thema. Zum 60-jährigen Jubiläum des Verbands der Südwestdeutschen Zeitschriftenverleger (SZV) nahm Hubert Burda am Freitag Stellung. Den Gastvortrag hielt er in seiner Funktion als Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) auf der Jahresverbandstagung im Stuttgarter Porsche-Museum.

„Sie kennen mich als jemanden, der sehr früh von dieser digitalen Revolution gesprochen und sie als eine große Chance angesehen hat. Und nach wie vor konstatieren wir, dass die Aufmerksamkeit für journalistische Inhalte in den digitalen Medien immer größer wird. Was damit immer notwendiger wird, ist eine solide wirtschaftliche Basis für diese Angebote. Und hier stecken wir inmitten in einer Entwicklung, über die wir nicht froh sein können“, so Burda.

Der langjährige VDZ-Präsident hatte den viel zitierten Ausdruck von „Lousy Pennies“, die die Verlage im Netz für ihre journalistischen Inhalte bekommen, geprägt. „Haben wir etwas falsch gemacht? Ich glaube ja“, sagte er nun mit Blick auf die Klickkultur im Netz. Suchmaschinengigant Google habe einen Paradigmenwechsel in der Werbung bewirkt, dem Verlage nun unterworfen seien. Das könne so nicht bleiben.

Werbung im Web werde anders honoriert als in den klassischen Medien. Im Unterschied zu Zeitschriften, wo der – schwerer messbare – Marken- und Imageaufbau, den die Werbung beim Konsument bewirkt, entscheidend für den Wert einer Anzeige ist, sind im Netz dessen Klicks maßgebend. Mit der Währung „Cost per Click“ (CPC) bemisst sich der Wert der Werbung vor allem daran, wie oft ein Banner angeklickt wurde, gegebenenfalls auch, ob es zu einer Kaufaktion kam. Die direkte Aktion werde damit entscheidend, erklärte der Verleger, für den die Mechanismen der Bannerwerbung mehr denen des Direktmarketings als jenen der klassischen Werbung gleichen. „Wir haben uns nicht zuletzt durch Googles Marktdominanz auf einen Paradigmenwechsel eingelassen. Ich möchte diese Entwicklung als CPC-Drama bezeichnen.“

Ziel für Verlage im Netz müsse es nun sein, neue Werbeformen und Währungen für das Netz zu entwickeln, die den eigenen, klassischen Werbemechanismen entsprächen. „Damit können wir unser Leistungsspektrum in Richtung Markenaufbau im Netz verbessern. Daran arbeiten wir und andere tun das auch“, betonte Burda. Auf konkrete Auswege für Verlage und neue Geschäftsmodelle ging er nicht näher ein – die Verleger wollen dies zum Hauptthema bei den VDZ-Zeitschriftentagen im November machen.

Aktuelle Geschichte

Graf Alexander Fugger-Babenhausen, Hubert Burda und Fürst Hubertus Fugger-Babenhausen

„Navigare necesse est“: Seefahren ist notwendig – oder von Hubert Burda sinngemäß übersetzt mit „Du musst immer aufbrechen“. Diesen Wahlspruch hat er zwar ursprünglich von Sigmund Freud, dennoch verbindet Burda ihn mit einer anderen Persönlichkeit: Jakob Fugger. Welche Aktualität dessen Wirken im digitalen Zeitalter hat und inwiefern der Augsburger Kaufmann Hubert Burda ein (wahl-)verwandter Geist geworden ist, erklärte der Träger der Jakob-Fugger-Medaille am Dienstag im Bayerischen Landtag. Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Medien, Politik und Kultur waren gekommen, um die Rede zu hören.

Eingeladen hatte Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Rahmen der Reihe „Der Landtag im Gespräch mit …“. „Wir brauchen einen Impulsgeber, der wie Sie Entwicklungen nicht nur rechtzeitig, sondern in ihrem Entstehen erkennt und daraus Konsequenzen für die Zukunft zieht“, erklärte die Politikerin in ihrer Begrüßungsrede.

Als Mensch, der ein Gespür für neue Entwicklungen hatte, und in Zeiten des Umbruchs immer weitergegangen ist, sieht Hubert Burda auch Jakob Fugger. „Die Zeit um 1500 war eine Schwellenzeit“, so der Verleger. Johannes Gutenberg revolutionierte mit seinen beweglichen Lettern den Buchdruck und Christoph Kolumbus entdeckte Amerika. „Zwei epochale Entwicklungen, der Beginn der Neuzeit“, sagt Burda. Heute sei genau so eine Schwellenzeit, die epochale Veränderung dabei das Internet.

Der 1559 in Augsburg geborene Fugger bekam sein erstes Rüstzeug in Venedig. Dort erlernte er eine völlig neue Form des Rechnungswesens: die doppelte Buchführung, anhand derer sich komplizierte Rechnungsvorgänge darstellen ließen. Der vielfältige Handel von Waren und ihre Distribution waren die Grundlagen des Fuggerschen Erfolgs. Das Haus erwarb sich schnell den Ruf von Zuverlässigkeit und Kreditwürdigkeit für Bankgeschäfte – und wurde unter anderm zum Finanzier Maximilians von Habsburg.

Die wesentlichste Veränderung brachte laut Burda aber die Erschließung der Seewege. Auch hier reagierte der weitsichtige Kaufmann schnell, schuf neue Faktoreien an Knotenpunkten wie Antwerpen und erschloss über den maritimen Weg zusätzlich den Handel mit dem neu entdeckten Amerika. „Jakob Fugger managte zu seiner Zeit den größten multinationalen Konzern, ein weltweites Handelsimperium vergleichbar etwa mit Nestle oder Siemens“, so Burda.

Neue Handelswege, sprich in der heutigen Onlinewelt Geschäftsmodelle entdecken, schwierigen Zeiten mit Offenheit und Innovativität begegnen – das ist für den Medienunternehmer Burda etwas, was man sich von Jakob Fugger abschauen kann. Die traditionellen Gutenberg-Medien entsprächen den alten terrestrischen Handelswegen, die neuen Medien würden maritim verbreitet. „Wir leben in einer völlig neuen Realität“, so Burda. Ein Umdenken sei gefordert.

Das Credo „Content ist King“, der Glaube der Verleger daran, ein Monopol auf Inhalte zu haben, sei in der maritimen Internetwelt hinfällig. Dagegen mache Google mit der Verbreitung von Inhalten und Informationen über Algorithmen statt über Redakteure Milliarden. Auch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter mit rein nutzergenerierten Inhalten forderten eine neue Sichtweise. „Sie bekommen Nachrichten heute überall her“, erklärte Burda und spielte damit auf die Schwierigkeit an, im Netz Geld zu machen. Neue Wege in der digitalen Vermarktung zu gehen, sei daher wesentliche Aufgabe.

Als Beispiele für maritime Marken bei Burda nannte er digitale Beteiligungen wie Xing, Glam oder Holidaycheck und Onlinehändler wie Cyberport oder Computeruniverse, sowie die Tomorrow Focus AG – Nummer zwei in der Vermarktung. Der Digitalumsatz bei Burda wachse stetig und mache mittlerweile mehr als ein Viertel des Umsatzes aus. Es brauche allerdings die richtigen Menschen und den richtigen Innovationsgeist, um an den amerikanischen Vorsprung anzuschließen. „Navigare necesse est“ – mit diesen Worten schloss Hubert Burda ganz im Sinne Jakob Fuggers – und lud die Gäste danach in die Schackstraße ein, um sich weiter auszutauschen.

Neues Selbstvertrauen

Hubert Burda überreichte Michael Gorbatschow die Goldene Victoria

„Ich war letztes Jahr viel pessimistischer als ich es heute bin“, mit diesen Worten machte Hubert Burda der Printbranche bei der Eröffnung der Zeitschriftentage des Verbandes deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Mut. 850 Teilnehmer hatten sich zum Branchentreff in Berlin angemeldet – damit verzeichnete die Veranstaltung in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung.

Seinen optimistischen Blick in die Zukunft mitten in der Anzeigen- und Strukturkrise begründete Burda mit historischen Parallelen. Die Lage der Verlage sei vergleichbar mit der Herausforderung, der die Welt in der Schwellenzeit vor 500 Jahren mit der Erfindung des Buchdrucks und der Entdeckung Amerikas ausgesetzt war.

Neben den terrestrischen Verkehrswegen hätten die maritimen damals an Bedeutung gewonnen – emtsprechend schaffe heute der digitale Strukturwandel neue Kommunikationskanäle. Dabei seien die Landwege, das heißt das Print- und damit das Kerngeschäft, weiterhin profitabel. Es gehe für Verlagshäuser aber darum es „mit Augenmaß den neuen Gegebenheiten anzupassen“ und um neue digitale Geschäftsfelder zu ergänzen.

„Die Seewege sind interessant aber nicht immer lohnend“, sagte Burda mit Blick auf Online-Werbung und Bezahlinhalte. „Wir wissen, dass sich alle werbefinanzierten Angebote im Netz wahnsinnig schwer tun. Damit wird kein Mensch reich.“ Den Plan Rupert Murdochs, Chef des US-Giganten News Corp, in naher Zukunft Nutzer für die Medieninhalte seiner Zeitungen im Netz zahlen zu lassen, betrachtete er mit Skepsis. Für mobile Anwendungen, das heißt für Werbung auf dem Smartphone oder Blackberry, sei das denkbar, er bezweifle aber, dass die Nutzer in der breiten Masse bereit seien, für Medieninhalte online zu zahlen.

„Auch wenn die Veränderungen des Geschäfts umwälzender denn je sind, zeichnen sich viele neue Chancen ab und viele Verlage haben sie schon ergriffen“, fasste Burda zusammen. Nun sei es an der Politik, die Medien zu unterstützen. Hier übte der Verleger mit deutlichen Worten Kritik an der geplanten EU-Regulierung für Werbung, die die schwierige Finanzlage der Presse noch verschärfen könnte.

„Mich trifft der Schlag“, beschrieb er seine Reaktion auf die deutsche Enthaltung im EU-Ministerrat, der Informationen zum Energieverbrauch von Elektrogeräten auch in der Werbung vorschreiben will. Gerade in der derzeitigen Lage der Zeitschriften, in der Online-Präsenz durch das klassische Geschäft „querfinanziert sei,“ dürfe die Politik den Medien nicht in den Rücken fallen. Burda unterstrich die hohe Qualität der Berichterstattung in Deutschland. „Kein Land hat eine solche Vielfalt von Medien, kein Land hat die digitale Revolution in den Medien so verstanden wie wir.“ Er betonte ferner, dass Demokratie und öffentliche Meinung untrennbar zusammengehörten und sich bedingten.

Auch das VDZ-Thema Google und die Nutzung journalistischer Inhalte im Netz brachte Burda in diesem Zusammenhang zur Sprache und forderte erneut einen „Fair Share“ im Hinblick auf Gewinne. Er wundere sich im Übrigen, dass trotz Werbeanteilen von über 50 Prozent bei Google das Bundeskartellamt nicht aktiv werde.

Zuversicht und neues Selbstvertrauen bestimmten genauso die anschließende Diskussionsrunde der Vorstände und Verlagschefs. Unter den Experten: Philipp Welte, der betonte, dass Print weiter ein tragfähiges Geschäft sei, solange die Marken hochwertig seien. Inhalte technologieneutral verbreiten zu können sei ein wesentlicher Fortschritt. „Wir wollen in einer neuen Realität erfolgreich sein“, so der Burda-Verlagsvorstand.

Den Ausklang des ersten Abends bildete traditionell die Publisher’s Night mit der Verleihung der Goldenen Victoria. Ehrenpreisträger: der frühere Präsident der UdSSR, Michael Gorbatschow, der für seine Verdienste um die deutsche Einheit ausgezeichnet wurde. Als Persönlichkeit, die ihr Unternehmen auch in Krisenzeiten auf Erfolgskurs gehalten hat, wurde Beiersdorf-Chef Thomas-B. Quaas mit einer Goldenen Victoria geehrt. Die besonderen Verdienste von SAP-Gründer Dietmar Hopp ehrte der VDZ zusammen mit der Deutschlandstiftung Integration: Hopp stehe mit seiner leidenschaftlichen Sport-Förderung für Integration und für Chancengleichheit.

Keine Angst vor Google

Politik meets Media: Hubert Burda forderte politische Rahmenbedingungen für Leistungsschutz im Netz

Die EU muss politische Rahmenbedingungen für Leistungsschutz schaffen – das forderten die Verleger der European Federation of Magazine Publishers (FAEP) am Mittwoch beim Gala-Dinner in Brüssel. „Was wir von der neuen EU-Kommission erwarten, ist eine neue Internetpolitik“, sagte VDZ-Präsident Hubert Burda vor den rund 250 hochrangigen Gästen aus Medien und Politik.

Grundthema seiner Rede war die Veränderung und besondere Bedrohung der europäischen Medienmärkte. Hier unterstrich Burda noch einmal die Kritik der Verbände an Suchmaschinengigant und Content-Aggregator Google, der über Anzeigen mit Inhalten der Verlage, das heißt mit geistigem Eigentum, Geld mache.

Google habe gerade einen Umsatz in Milliardenhöhe veröffentlicht – fast das Doppelte von dem, was alle Verlagshäuser zusammen genommen erzielen würden, so Burda. Und es könne nicht sein, dass europäische Medienmacher in einer solchen Situation der Monopolbildung einfach stillhielten aus Angst, im Google-Ranking schlecht abzuschneiden. Dagegen forderte er Transparenz und Fair-Play-Regeln im Netz. Es gehe um „eine faire Suche und eine faire und transparente Beteiligung an den Online-Erlösen“.

Die EU müsse die politischen Grundlagen dafür schaffen, sagte Burda weiter. Politik, Wirtschaft und Medien sollten zusammenarbeiten, um neue Bewegung in den Markt zu bringen. „Wir brauchen eine neue europäische Internetpolitik“, schloss er. „Denn im Internet werden die Jobs der Zukunft geschaffen, das ist es, wo Wachstum entsteht.“

Zukunft der Zeitschriften

Über historische Parallelen und neue Wege für Medienmacher: Hubert Burda bei seiner Rede in Leipzig

„Selbstverständlich wird es noch Zeitschriften geben – aber auch sie werden sich verändern“, so Hubert Burda in der Handelshochschule Leipzig. Wo liegt die Zukunft der Zeitschriften? Auf Einladung von Ex-Hypovereinsbank-Chef Albrecht Schmidt sprach der Verleger anlässlich des 110. Jubiläums der Hochschule über Chancen und Perspektiven der Medienmacher.

Für Medienhäuser sei es fundamental, die Zeitenwende zu erkennen, in der sie sich befänden sagte Burda – und machte deutlich, dass die Zukunft sich auch ein Stück weit aus historischen Parallelen ableiten lässt.

Er verglich die heutige Zeit mit der Schwellenzeit um 1500, als die terrestrischen Handelswege an Bedeutung verloren und die maritimen Wege an Bedeutung gewannen. Burda wies auf den universitären Kontext, in dem diese Veränderungen heute überhaupt erst verständlich würden. Um 1500 begann die Neuzeit und das Mittelalter endete mit zwei epochalen Entdeckungen: den beweglichen Lettern von Johannes Gutenberg 1450 und die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492.

Der Handel veränderte sich und mit ihm die Handelsstraßen. Es habe nicht nur eine Verlagerung des Handels von den terrestrischen auf die maritimen Handelswege gegeben, sondern damit verbunden auch eine Veränderung der Städte. Neue Handelszentren entstanden, alte verloren an Bedeutung.

Genau hier lägen epochale Parallelen: „Man muss verstehen, dass heute nichts anderes passiert.“ Die revolutionäre Kraft des Buchdrucks, das sei heute das Internet. Auch unsere heutigen Medien hätten sich verändert. Das Internet habe das Fernsehen als Leitmedium abgelöst. Neue Spieler kämen aufs Feld, Google sei der stärkste davon.

Burda erklärte, dass sich die Produkte der Verlage langfristig sicherlich in die Richtung maritimer Handelswege verlagern würden – im Digitalgeschäft läge die große unternehmerische Herausforderung. Allerdings habe man im Haus Burda die Wechselwirkung von Internet und Zeitschriftenmarkt „maritim-terrestrisch“ verstanden. „Natürlich spürt auch mein Unternehmen die Folgen der Digitalisierung“, so der Verleger, doch wenn man die sinnvolle Verschmelzung von alten und neuen Medien erkenne, dann hätten Medienhäuser eine sichere Zukunft. Dazu gehöre auch die Ausbildung in neuen, crossmedialen Berufen.

Die Handelshochschule zählt zu den drei besten der deutschen Business Schools. Unter den hochkarätigen Gästen am Donnerstag: Georg Milbradt, Ex-Ministerpräsident von Sachsen, Heribert Meffert, Aufsichtsrat der Handelshochschule Leipzig, Burkhard Jung, Oberbürgermeister von Leipzig und viele weitere

Hubert Burda weiter VDZ-Präsident

Hubert Burda mit Günther Oettinger

Hubert Burda steht weitere drei Jahre an der Spitze des Verbands der deutschen Zeitschriftenverleger: Am Mittwoch hat ihn die Delegiertenversammlung als Präsidenten im Amt bestätigt. Der VDZ feierte den Amtsantritt seines alten und neuen Präsidenten im Stuttgarter Schloss Solitude, unter den Gästen war Ministerpräsident Günther Oettinger.

In dessen Richtung forderte Burda in seiner Dankesrede, dass die Vorgaben bei der Umsetzung des neuen Rundfunkstaatsvertrags befolgt werden müssten. Es könne nicht sein, so Burda, „dass sich ARD und ZDF auf Kosten der Verlage ungehindert im Netz ausbreiten“. Auslöser der erneuten Debatte war die Äußerung der WDR-Intendantin Monika Piel, auf die Online-Lehrstellenbörse des WDR nicht verzichten zu wollen, obwohl dies gemäß dem neuen Staatsvertrag untersagt ist.

In dem zentralen Punkt seiner Rede nahm Burda Bezug auf die aktuelle Diskussion um das Leistungsschutzrecht der Verlage im Internet: Durch eine gesetzliche Regelung sollen hier die Verleger stärker an den Erlösen der Suchmaschinenbetreiber beteiligt werden. Burda zufolge müssen die Verlage den rechtlichen Bogen sehr viel weiter spannen. Nicht nur ein Recht der fairen Entlohnung sei erforderlich – letztlich gehe es um ein Recht auf Transparenz im Netz. So müssten etwa die Vergütungssysteme der Suchmaschinenbetreiber überprüfbar sein. „Wir brauchen Fair Play-Regeln im Internet“, so Burda, „und wir brauchen ein Recht auf Transparenz.“

Hubert Burda steht seit 1997 an der VDZ-Spitze. Die einstimmige Wiederwahl ist nicht nur Novum in der Verbandshistorie, sondern auch „ein überwältigender Vertrauensbeweis“, wie Geschäftsführer Wolfgang Fürstner in Stuttgart erklärte. Zudem sei sie „ein wichtiges Zukunftsversprechen für unsere Branche, die sich in einem gewaltigen Transformationsprozess befindet.“

Als VDZ-Präsident hat sich Burda immer wieder entschieden gegen gesetzliche Eingriffe und Reglementierungen zum Beispiel beim Thema Werbeverbote ausgesprochen. Auch den Debatten um den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, bei denen auf Burdas Initiative die Münchner Erklärung der deutschen Verleger verabschiedet wurde, hat er Nachdruck verliehen.

Weiterer roter Faden in Burdas VDZ-Tätigkeit ist sein Anliegen, geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Qualitätsjournalismus zu schaffen und sich für dessen gesellschaftliche Funktion und Bedeutung sowie die Freiheit der Presse stark zu machen. Zudem geht die Gründung der Deutschlandstiftung Integration, die der VDZ im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, auf seine Initiative zurück.

Ein Modell für Europa

Für eine starke Vernetzung: In Brüssel ging es am Montag um die Metropolregion Oberrhein

Die Metropolregion Oberrhein in Brüssel bekannt zu machen, war das Ziel einer gemeinsamen Veranstaltung der beteiligten Gremien am Montag in Brüssel. Neben Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Günther Oettinger, dem elsässischen Regionalpräsidenten Adrien Zeller und Vertretern der Stadt Offenburg war auch Hubert Burda in Europas Hauptstadt präsent, um die Vorzüge der Region vorzustellen.

Der europäische Gedanke sei das Herzstück der Metropolregion, so Hubert Burda. Gerade die Vielfalt der Sprachen und Kulturen machten die trinationale Region am Oberrhein aus. Burda ging außerdem auf das Potenzial der historisch gewachsenen Entertainment Economy ein: Es handle sich hier um ein „Creative Cluster“, das wirtschaftlich von großer Bedeutung sei. Daher gehe es darum, Kreativität zuzulassen und zu fördern.

Am Nachmittag ging es im Rahmen des Forums „Territorialer Zusammenhalt“ im Austausch mit Vertretern von EU-Parlament, Kommission und Ausschuss der Regionen um den Oberrhein als ein Modell für Europa. Neben der Entwicklung des Zusammenschlusses wurden Erfahrungen vorgestellt und ein Ausblick zur weiteren Entwicklung gegeben.

Die Akteure vor Ort in der Metropolregion – von Politik und Verwaltung über Wirtschaft und Wissenschaft bis zur Zivilgesellschaft – stellten ihren Blick auf die trinationale Einrichtung dar und diskutierten anschließend mit den Experten der Europäischen Institutionen. Dabei sollte deutlich werden, dass der Oberrhein als grenzüberschreitender Verflechtungsraum ein Modell für Europa und für die künftige europäische Regionalpolitik ist.

„Von einer stärkeren Vernetzung und Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft profitieren alle Menschen in der Region am Oberrhein“, stellte der Präsident der Oberrheinkonferenz, Clemens Nagel, fest. Wirtschaft, Wissenschaft und Tourismus präsentierten sich parallel zu der Veranstaltung im Rahmen einer Ausstellung in der Brüsseler Landesvertretung.

Am Abend hatte die Metropolregion außerdem Vertreter der Europäischen Institutionen zum Empfang eingeladen. Günter Oettinger präsentierte den länderübergreifenden Zusammenschluss und diskutierte anschließend unter anderem mit Wettbewerbskommissar Günter Verheugen, Verleger Hubert Burda, dem Baseler Regierungspräsidenten Guy Morin, Adrien Zeller und Clemens Nagel über Leuchtturmprojekte in der Region.

Jakob Fugger zu Ehren

Fugger-Fest: Alexander Graf Fugger-Babenhausen, Verlegerin Alexandra Holland, Hubert Burda und Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger

„Vor 550 Jahren hat ein Mann Weltgeschichte geschrieben und die globale Wirtschaftspolitik mehr verändert als irgendjemand vor ihm“, begann Hubert Burda am Freitag die Festrede auf Jakob Fugger.

Zum Auftakt der großen Jubiläumsfestivitäten um den runden Geburtstag des berühmten Augsburgers hatten die Stadt und die Nachkommen in den Goldenen Saal des Rathauses eingeladen. Und passend zur Blütezeit der Stadt traf altehrwürdiger Adel auf Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Medien, um dem Kaufherren, Mäzen und Stifter zu gedenken.

„In Augsburg liefen alle Fäden zusammen. Finanztechnisch war Augsburg die Wall Street ihrer Zeit und was die Schnelligkeit der Wirtschaftsnachrichten anging, so aktuell wie Reuters oder Bloomberg“, sagte Burda, der Analogien zur heutigen Finanz- und Medienkrise hervorhob. Jakob Fugger habe den größten multinationalen Konzern seiner Zeit gemanagt – eine Zeit des Umbruchs: „Die Parallelen zu heute liegen auf der Hand. Ein überhitztes Finanzsystem, Geldmengen, Kredite, neue Finanzprodukte, mit denen es dann Anton und Karl V. zu tun haben werden.“ Als Unternehmer sei Fugger damals mit enormer Kreativität immer weiter gegangen. „Neue Produkte, neue Absatzwege – dieses gilt genauso heute für uns in einer Zeit, wo viel Unsicherheit in der Welt herrscht“, betonte der Verleger.

Mit Handel und Bankgeschäften, Silber und Kupfer hat der Augsburger Kaufherr, Bankier und Montanunternehmer Jakob Fugger im 16. Jahrhundert so viel Geld verdient, dass er als der reichste Firmenchef der Frühen Neuzeit gilt. Vier Päpste und zwei Kaiser zählte er zu seinen „Kunden“. Daneben war er Förderer des Gemeinwesens und gilt als Prototyp des Stifters schlechthin – so gründete er mit der Fuggerei die heute älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt.

Hubert Burda, Träger der Jakob Fugger-Medaille, habe viel mit ihm gemein, erklärte Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger in ihrer anschließenden Rede. Die Familie habe mit dem Verleger deshalb ihren „Wunschkandidaten“ als Laudator gewonnen: „Nicht nur sind Sie beide Mäzene und Stifter sondern Sie beide sind verantwortungsbewusste und praktisch weltweit engagierte Unternehmer.“

Mehr als 850 Gäste nahmen an dem festlichen Jubiläumsauftakt teil – neben zahlreichen Vertretern des Hauses Fugger wie Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen und Albert Graf Fugger von Glött, unter anderem Prinz Asfa-Wossen Asserate, der Generalkonsul der Vereinigten Staaten, Eric G. Nelson, der italienische Generalkonsul Adriano Chiodi Cianfarani, der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Georg Schmid und der Bankier Kurt Viermetz. Im Anschluss an den Festakt wurde die Ausstellung „Stifterland Bayern“ eröffnet.

Zukunft der Medien

Hubert Burda und Angela Merkel (Mitte) mit den Preisträgern der Goldenen Victoria Dieter Zetsche und Aydin Dogan

Unter dem Motto „Zukunft schaffen“ haben am Montag die Zeitschriftentage des Verbands der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin begonnen. Angesichts der Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Werbe- und Medienindustrie warnte VDZ-Präsident Hubert Burda vor Panikstimmung: „Medien und damit auch Zeitschriften stellen allen Unkenrufen zum Trotz noch immer ein Grundnahrungsmittel in unserer Gesellschaft dar. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern“, sagte der Verleger in der Eröffnungsrede.

Print werde auch künftig einen festen Platz in den sich weiter fragmentierenden Medienmärkten haben – darüber waren sich die Verlagsmanager bei der Auftakt-Diskussion einig. Allerdings müssten die Verlagsunternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung offensiv annehmen, Kostenüberprüfung betreiben und zusammen mit den Grossisten gemeinsame Anstrengungen in der Optimierung des Vertriebs in Angriff nehmen. Der VDZ wählte neue Vorstandsmitglieder und berief unter anderem den zukünftigen Burda-Vorstand Philipp Welte, der den Bereich Publikumszeitschriften vertritt.

Die traditionelle Publisher’s Night mit rund 1.000 Gästen aus Medien, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stand am Montagabend ganz im Zeichen der Goldenen Victoria: Neben Daimler-Chef Dieter Zetsche als „Unternehmer des Jahres“ wurde der türkische Medienunternehmer Aydin Dogan geehrt.

Hubert Burda übergab ihm die Auszeichnung für seine Verdienste um Integration und die deutsch-türkische Verständigung. Die Laudatio hielt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Dogan, zu dessen Portfolio unter anderem die „Hürriyet“ gehört, hatte zuletzt zum EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei eine große Presse-Aktionen mit deutschen Verlegern gestartet.

Das Thema Integration und die Initiative der Bundesregierung unterstützt der VDZ selbst mit der Gründung einer eigenen Stiftung. Im Zuge der Media Responsibility soll die „Deutschlandstiftung für Integration“ das Thema auf eine breite Basis stellen und die vielen unterschiedlichen Integrationsprojekte vernetzen.

Die andere Wirklichkeit

Hubert Burda gratuliert Peter Handke

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke ist am Mittwochabend mit dem Thomas-Mann-Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ausgezeichnet worden. Die Laudatio bei der Preisverleihung in der Münchner Residenz hielt Hubert Burda.

Der Verleger beschrieb in seiner Rede Handkes Fähigkeit, eine „andere Wirklichkeit“ herzustellen. Im Bezug auf das Erfolgsstück „Publikumsbeschimpfung“ sagte er: „Heute, mehr als 40 Jahre später, wissen wir, dass das, was uns gefiel, die Dekonstruktion des bisherigen Theaters war. Hier beschrieb jemand eine andere Wirklichkeit, indem er zunächst einmal alles in Frage stellte: die Bühne, die Schauspieler, das Publikum, die Sprache.“

Burda und Handke verbindet seit der Gründung des Petrarca-Preises 1974 eine enge Freundschaft. Der Verleger hob die starke Wirkung hervor, die der Autor auch später auf ihn als Leser hatte – Handkes Werke seien für ihn teilweise lebensverändernd gewesen.

„Die Lehre Peter Handkes besteht darin, dass der geglückte Tag nicht der ist, den man als eine Fülle von schönen und ereignisreichen Momenten hat, sondern nur der, den man sich ereignen lässt, indem man ihn beschreibt, zum Ausdruck bringt und so zur Kunst werden lässt“, fasste Burda zusammen.

„Wie Goethe einmal sagte, die Wirklichkeit habe sich in Kunst zu verwandeln, so kann man von einem geglückten Tag und davon sprechen, wie dieser gemacht, erschrieben, hergestellt ist. Dieses Machen heißt im Griechischen ‚poiein‘, und das dazugehörige Substantiv ‚poiesis‘ liegt bis heute unserem Begriff von Poesie und Poetik zugrunde. Und dieses Machen, dieses Herstellen einer anderen Wirklichkeit in den Texten Peter Handkes versuchte ich zu beschreiben.“

Das Sprechstück „Publikumsbeschimpfung“ und Werke wie „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, „Die Unvernünftigen sterben aus“ und „Der kurze Brief zum langen Abschied“ machten den 65-jährigen Peter Handke bekannt. Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro, das mit der gestrigen Auszeichnung verbunden war, hat der Schriftsteller der Akademie gestiftet.