70 Jahre Bunte

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Bunte-Chefredakteure: Lothar Strobach (1987-1989), Beate Wedekind (1992-1993), Hubert Burda (1976-1986), Patricia Riekel (1996-2016), Robert Pölzer (seit 2016) (v.l.n.r.)

Am Freitag, den 10. November, fand auf Einladung von Burda-Vorstand Philipp Welte ein Editor’s Lunch anlässlich des Jubiläums von Bunte statt. Europas größtes People-Magazin feiert 2018 sieben Jahrzehnte Leidenschaft für Menschen.

Bei der Veranstaltung in München wurde der 335 Seiten starke Bildband „Bunte Republik Deutschland“ präsentiert, den die ehemalige Chefredakteurin, Patricia Riekel, als Herausgeberin maßgeblich gestaltet hat. An dem Mittagessen nahmen neben Verleger Hubert Burda, Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen, Geschäftsführern und Chefredakteuren auch prominente Weggefährten wie Uschi Glas, Axel Milberg und Nina Eichinger teil.

Hubert Burda würdigte in einer emotionalen Rede seinen Vater, den legendären Senator Franz Burda, der den Grundstein für den heutigen Bunte-Erfolg legte. In der Nachkriegszeit suchte sein Vater neue Aufträge und bemühte sich um die Lizenz für ein Magazin namens „Das Ufer“. „Mein Vater musste bei der französischen Kommandantur vorsprechen, um die Genehmigung dafür zu bekommen. Dass er sehr gut französisch sprach, half natürlich und der zuständige General Schmittlein und er wurden schnell Freunde.“ Und aus dem „Ufer“, das eine Art Erziehungsprogramm sein sollte, wurde ein lebensbejahendes Magazin. „Mein Vater erkannte schnell, dass die Menschen sich nach dem Krieg nach Unterhaltung und bunten Geschichten sehnten und nannte die 1948 gegründete Illustrierte 1954 in Bunte um.“

Ein kreatives Vorbild für Hubert Burda war der Künstler Andy Warhol, der einst in Offenburg ein Porträt von Aenne und Franz Burda machte: „Mich interessierte Warhols Pop-Art, in der er Werbung und Medien und Kunst zusammenbrachte. Warhol hat verstanden, was Lifestyle bedeutet. Mit seinem Magazin ‚Interview‘ war er auch Verleger. Und Lifestyle ist einer der größten Märkte für Burda. Mit Andy Warhol kam quasi der Lifestyle von New York in die Bunte.“

Hubert Burda erinnerte sich in seiner Rede an die Zeit von 1976 bis 1986, in der er selbst Bunte-Chefredakteur war und Menschen wie Udo Jürgens, Mireille Matthieu und Uschi Glas berühmt machte: „Anfangs dachten alle, ‚Was will das Büble’, aber ich habe mich durchgesetzt. Und wenn ich zurückblicke, gibt es keinen schöneren Job als Chefredakteur.“ Und er betonte: „Ohne das, was der Senator gemacht hat, stünde ich heute nicht hier!“

Was damals galt, gilt heute auch noch. So erklärte Hubert Burda das Bunte-Erfolgskonzept mit Verweis auf den Netflix-Gründer Reid Hastings. Der sagte: „Du musst den Content machen, mit dem die Leute gerne ihre Zeit verbringen“.

Das Geheimnis dahinter beschreibt auch Georg Franck, Autor des Buches: „Die Ökonomie der Aufmerksamkeit“. Daraus stammen die folgenden Sätze, die für Hubert Burda wichtig sind: „Was ist angenehmer als die wohlwollende Zuwendung anderer Menschen, was wohliger als ihre teilnehmende Einfühlsamkeit, was wirkt so inspirierend wie begeisterte Zuhörer, was ist so fesselnd wie das Fesseln ihrer Sinne. Was gibt es aufregenderes als einen Saal von gespannter Blicke, was hinreißenderes als der Beifall, der einem entgegen tost. Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz.“

Bunte hat viele Prominente über Jahre hinweg begleitet, wie Patricia Riekel, die das Magazin 1997 bis 2016 führte, erzählt. Sie berichtete von der Entstehungsgeschichte der Bunte-Chronik. „Es gab 3.500 Bunte-Ausgaben, nicht digitalisiert, darunter Folianten aus den 50ern, die schon völlig vergilbt und eingerissen waren. Und in jeder Bunte waren 20 große und 30 kleine, spannende Geschichten, an denen wir uns immer wieder festgelesen haben. Es hat sieben Monate gedauert, bis wir uns für die besten entschieden hatten.“ Und auch heute noch sei Bunte das Barometer, das zeige, welchen Stellenwert man in der Society hat. „In ist, wer drin ist!“

Ein Erfolgskonzept, das Robert Pölzer seit 2016 erfolgreich weiterführt. „Die Bunte, die Hubert Burda geprägt hat, ist das Leitmedium der deutschen Gesellschaft. Ein Gesamtkunstwerk. Und wir sind Handwerker im Dienste der Kunst, zu unterhalten. Die Bunte bietet der Gesellschaft eine Bühne, sie spiegelt die Gesellschaft und sie ist ein Seismograph der Gesellschaft. Die Bunte-Chronik zeigt mir den Weg auf, den Bunte gegangen ist, sie lehrt mich die Sprache der Bunte und sie gibt mir die Tonalität der Bunte in mein Herz. Und mit dieser Leidenschaft, die ich im Herzen trage, werde ich diese Zeitschrift hoffentlich noch lange führen.“ Und er erinnerte daran, wie wichtig dabei die Bereitschaft zur Veränderung und Transformation sei: Für uns gilt: in der Gegenwart aus der Vergangenheit lernen, um für die Zukunft gerüstet sein.“

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Workshop mit Ehrengast

Hubert Burda zusammen mit Azubi Ghafek Alsaho

Verleger Hubert Burda höchstpersönlich begrüßte die Nachwuchskräfte, die zum 1. September ihre Ausbildung bei Burda begonnen haben im Rahmen eines gemeinsamen Workshops. Derzeit beschäftigt Burda lehrjahrübergreifend 55 Azubis und duale Studenten, aufgeteilt auf die Standorte Nürnberg Hamburg, München und Offenburg. Davon haben 18 Auszubildende und 3 duale Studenten jetzt im Herbst 2017 ihre Ausbildung frisch angetreten.

Hubert Burda nahm sich viel Zeit für den Nachwuchs und erzählte kurzweilig aus der bewegten Familien- und Konzerngeschichte von den Anfängen zu Zeiten seines Großvaters um 1903 bis zum weltweit operierenden Tech- und Medienunternehmen, das Burda heute ist. „Kontinuität“ und eine „beständige Reinvestition der Gewinne“ gehörten zum Erfolgsgeheimnis von Familienunternehmen. „Bleibt dran, lasst Euch nie beirren!“, gab Hubert Burda, in Skizzierung seines eigenen Werdegangs und dem seiner Eltern Aenne und Senator Franz Burda, den Auszubildenden als Credo mit für ihre berufliche Zukunft mit.

Auch HR-Direktor Christoph Diebenbusch begrüßte bei dem lehrjahrübergreifenden Workshop die neuen Azubis und dualen Studenten und betonte, wie essentiell es im heutigen Arbeitsmarkt sei, die eigenen Fachkräfte auszubilden und langfristig ans Unternehmen zu binden. „Burda investiert hier viel Geld und Zeit – das Thema Ausbildung steht auf unserer Agenda ganz oben“, so Diebenbusch.

„Der Azubi-Workshop ist eines der Highlights in der Ausbildung bei Burda. Gerade für die Azubis und Studenten, die erst anfangen, gab es dieses Mal nützliche Infos und Tipps, die beim Start helfen. Die Möglichkeit, seine Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen, ist für mich neben dem Teambuilding das Wichtigste am Workshop“, so Nicolas Schreiber, Industriekaufmann im 3. Lehrjahr.

Burda schafft Strukturen für die Zukunft

Hubert Burda gemeinsam mit seinen Kindern Jacob und Elisabeth

Vor dem Hintergrund der verstärkten Internationalisierung des Konzerns und um die gesellschaftsrechtlichen Strukturen für die zukünftige Führung des Unternehmens zu schaffen, haben Hubert Burda und seine beiden Kinder Jacob Burda und Elisabeth Furtwängler eine Umstrukturierung der Hubert Burda Media Gruppe beschlossen. Für die Geschäftsleitung des Konzerns wird künftig eine Europäische Gesellschaft („SE“) zuständig sein, die von einem Verwaltungsrat geführt wird. Hubert Burda bleibt weiterhin persönlich haftender Gesellschafter und vertritt in operativen Fragen auch die Stimmen seiner Kinder.

Paul-Bernhard Kallen bleibt in dieser neuen Struktur der operativ verantwortliche Vorstandsvorsitzende („CEO“) und übernimmt zusätzlich den Vorsitz im Verwaltungsrat. Die drei Gesellschafter Hubert Burda, Jacob Burda und Elisabeth Furtwängler werden dem Verwaltungsrat angehören. Für die operative Geschäftsführung bleibt wie bisher der Vorstand verantwortlich.

Diese Änderung betrifft nur die Konzernholding, für die übrigen Gesellschaften unter dem Burda-Dach ergeben sich keine Veränderungen. Das Unternehmen bleibt zu 100 Prozent im Familienbesitz. Die Gesellschaftsanteile liegen zu je knapp 37,5 Prozent bei Jacob Burda und Elisabeth Furtwängler und zu ca. 25,1 Prozent bei Hubert Burda.

Hubert Burda erklärt:

„Mit dem Beitritt einer SE in die konzernleitende Holding KG haben wir eine sehr gute Lösung für die Zukunft geschaffen. Paul-Bernhard Kallen ist eine Unternehmerpersönlichkeit an der Spitze, die einerseits die erforderliche Kontinuität gewährleistet und andererseits die Transformation unserer Geschäfte entschieden vorantreibt. Ich freue mich sehr, dass wir ihn langfristig binden konnten und dadurch die notwendige Stabilität für die nächste Dekade geschaffen haben. Ich habe größtes Vertrauen, dass meine Kinder einmal ein sehr gut aufgestelltes, innovatives und zukunftsfähiges Unternehmen übernehmen werden.“

Ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet

Landrat Frank Scherer, Moderator Norbert Großklaus, Oberbürgermeisterin Edith Schreiner, Hubert Burda, Preisträger Marco-Sharif Khan und Heinz Spengler (Vorstand der Hubert Burda Stiftung)

Zum 6. Mal hat die Hubert Burda Stiftung den Senator-Ehrenamtspreis für Offenburg und die Ortenau vergeben. 2012 initiiert durch Hubert Burda und benannt nach seinem Vater, Senator Franz Burda, dem das soziale Wirken eines Unternehmens innerhalb der Gesellschaft ein Herzensanliegen war, würdigt die Auszeichnung ehrenamtliches Engagement in der Region, in der Hubert Burda Media seinen Unternehmenssitz, seine Wurzeln hat.

Der Preisträger 2017 ist Marco-Sharif Khan aus Lahr. Der Vorsitzende und Gründer der gemeinnützigen musikalischen Jugendinitiative „Jugend-Musik-Werk Baden“ engagiert sich seit vielen Jahren vorbildlich im sozialen und kulturellen Bereich.

Die Begründung der Jury: „Der Preisträger schafft es, in der heutigen Zeit mit Musik Licht in die Herzen von Kindern und Jugendlichen zu tragen.“

Musik baut Brücken zwischen Menschen jedes Alters und jeder Herkunft, sie überwindet kulturelle und sprachliche Grenzen ebenso wie Barrieren im Kopf. Im „Jugend-Musik-Werk Baden“ lernen die Kinder fürs Leben – gegenseitiger Respekt, Akzeptanz und Wertschätzung – ganz nach dem Credo des Vereins: „Let’s rock and be a family“.

Trauer um Franz Burda junior

Ein Bild des Künstlers Andy Warhol aus dem Jahr 1982: Die Brüder Hubert Burda, Franz Burda und Frieder Burda (v.l.n.r.)

Am Dienstag, den 17. Januar, verstarb Franz Burda junior im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Offenburg.

Als gelernter Tiefdrucker war Franz Burda verantwortlich für den Geschäftsbereich Druck und führte die Burda-Druckereien. 1969 schloss er eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Medienunternehmen Meredith Corporation und brachte somit den Tiefdruck in die USA. Nach dem erfolgreichen Start von Meredith-Burda Corporation, baute er in Amerika vier weitere Druckereien auf. Damit wurde Burda zum weltgrößten und besten Tiefdruck-Unternehmen der Welt.

Nach dem Tod des Senators und der Realteilung zog sich Franz Burda junior aus den Geschäften zurück und veräußerte 1989 die amerikanischen Druckereien Meredith-Burda an den Verlag R.R. Donnelley & Sons Co. sowie seine Anteile an der Dachauer Papierfabrik K.H. Nikolaus. Auch die Beteiligung an Axel Springer, die Franz und Frieder aus dem väterlichen Erbe erhielten, verkauften beide 1988 zurück an die Springer-Erben. Dies und der Verkauf der Sat1-Anteile an Leo Kirch führten zu einem Dissens zwischen den drei Brüdern, die aber später wieder zu einem herzlichen Verhältnis miteinander fanden.

Das Erbe von Franz Burda junior als Familien-Oberhaupt tritt sein Sohn Franz H. Burda an.

Noch am Donnerstag, den 12. Januar, konnte sich Hubert Burda im Beisein der Tochter Cathrine von seinem schwerkranken Bruder in Ruhe und Frieden verabschieden.

Die Anteilnahme gilt der Familie: Frau Christa und Sohn Franz H. mit Frau Bettina und den Kindern Sabrina, Franz Constantin, Christopher sowie der Tochter Cathrine und ihren Kindern Joya, Annabel Lynn, Gregory.

In diesem Moment der großen Trauer blickt der Verleger zurück auf das Erbe der Eltern, was er und seine Brüder erfolgreich gestalten und an die nächste Generation weitergeben können.

„Digitale Horizonte“ von Hubert Burda

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Hubert Burda präsentierte in München sein neues Buch „Digitale Horizonte“

„Die Märkte wandeln sich, alte Strukturen bröckeln, brechen zusammen, Monopole wanken“, mit diesen Worten sagte der Verleger Hubert Burda bereits vor 26 Jahren den digitalen Wandel voraus – in seiner Festrede zum 40-jährigen Jubiläum des Südwestdeutschen Zeitschriftenverleger-Verbands. Wir schreiben das Jahr 1990. Google ging erst sieben Jahre später an den Start und der Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg feierte gerade seinen sechsten Geburtstag.

Hubert Burda veröffentlicht in seinem neuen Buch „Digitale Horizonte“, das im Petrarca Verlag erschienen ist, 13 Reden von 1990 bis 2010 über seine Visionen der digitalen Zukunft. Diese vorhergesagte Zukunft ist heute bereits gelebte Realität und markiert laut Hubert Burda, nach der Erfindung des Buchdrucks, einen weiteren Meilenstein in der Menschheitsgeschichte.

Inspiriert von Visionären wie den Medienphilosophen Vilém Flusser und Friedrich Kittler sah Hubert Burda das digitale Zeitalter mit seinen Chancen und Herausforderungen bereits am noch weit entfernten Horizont dämmern und richtete als Unternehmer seine Strategie danach aus.

So sagte er 1995 in der Telepolis Konferenz in München: „Als Printmedium ist das Nachrichtenmagazin Focus zwar noch ein Gutenberg-Medium, doch es folgt der digitalen Logik: Bild, Text und Grafik stehen gleichwertig nebeneinander und fügen sich zu einem ikonografischen System der Informationsvermittlung zusammen. Focus reagiert auf die Multimedia-Revolution, die schon im vollem Gange ist.“ Das Nachrichtenmagazin hat den Schritt ins Internet seit langem erfolgreich geschafft, sodass Focus Online heute zu den erfolgreichsten Online-Nachrichtenplattformen Deutschlands sowie zur Hitliste der zwölf erfolgreichen digitalen Burda-Marken gehört.

Damit zeichnet Hubert Burda in seinem Buch „Digitale Horizonte“ nicht nur die technologische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte nach, sondern auch die Wandlung seines eigenen Verlages hin zu einem Medien- und Tech-Unternehmen. Diese Medienrevolution wird im Buch auch visuell, in zahlreichen Bildern und Infografiken, erlebbar gemacht.

„Seismografischen Spürsinn für den Wandel“

VDZ Publishers Summit 2016
Hubert Burda wurde bei der Publishers‘ Night des VDZ in Berlin mit der „Goldenen Victoria“ ausgezeichnet

„Hubert Burda hat mit der Gründung des Focus Mediengeschichte geschrieben“, mit diesen Worten ehrte EU-Kommissar Günther Oettinger Hubert Burda, der bei der Publishers‘ Night des VDZ mit der „Goldenen Victoria für das Lebenswerk“ ausgezeichnet wurde. „Er ist ein liberaler, bodenständiger und badischer Visionär, dessen Lebenswerk stets von Gradlinigkeit und Erfolg geprägt war“, sagte Oettinger.

Mit dem Preis danken der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und seine 450 Mitgliedsverlage Hubert Burda für seinen jahrzehntelangen Einsatz an der Spitze der Branche. Der Verleger sei der Spiritus Rector der Zeitschriftenbranche und ein Seismograph für Veränderungen, so der VDZ in seiner Begründung.

„Das wichtigste daran, einen Menschen auszuzeichnen, ist die Tatsache, ihm das Gefühl zu geben, dass seine Arbeit sich gelohnt hat“, sagte Hubert Burda, als er die „Goldene Victoria“ vom Digitalkommissar Günther Oettinger entgegen nahm.

Auch Schauspiellegende Mario Adorf würdigte Hubert Burdas Verdienste als VDZ-Präsident. In einem Videobeitrag sagte er über den Verleger: „Er hat frühzeitig vorhergesagt, dass die digitale Revolution eine ähnliche Bedeutung wie das Automobil für unsere Gesellschaft haben würde und er hat erkannt, dass auch in diesem Bereich einheitlich Verkehrsregeln geschaffen werden müssen. Hubert Burda hatte schon immer einen seismografischen Spürsinn für den Wandel.“

Einen Tag zuvor ließ Hubert Burda bei der Eröffnung des Publishers‘ Summit, dem jährlichen Gipfeltreffen der deutschen Zeitschriftenverleger, die 20 Jahre im Präsidentenamt Revue passieren. „Es erfüllt mich mit großer Zufriedenheit, den Stab an der Spitze unserer Interessenvertretung in einem solchen Moment der Souveränität unserer Branche weiterzugeben“, so der Verleger. „In Zeiten enormer Umbrüche im Zuge der Digitalisierung ist es uns gelungen, den VDZ zu einem der besten Verbände Deutschlands zu machen – kraftvoll in seinen Netzwerken, wirksam in der Kommunikation und mit einer Strahlkraft, die weit über die Verlagswelt hinausreicht.“ Einer der größten Erfolge des VDZ sei es, dass niemand an der Gattung der Zeitschrift zweifele. „Unser Kerngeschäft ist auch nach 20 Jahren Digitalisierung kerngesund.“ Darüber hinaus könne der Verband bemerkenswerte politische Erfolge verzeichnen: „Gerade in Brüssel hat sich viel getan. Wir spüren einen bemerkenswerten Kurswechsel der Politik, der insbesondere auf die Arbeit des VDZ zurückzuführen ist. Brüssel bleibt auch weiterhin von entscheidender Bedeutung für uns, denn die europäische Digitalwirtschaft steht gerade erst am Anfang.“

Als Burdas Nachfolger im Amt des Präsidenten wählten die VDZ-Delegierten am Sonntag einstimmig den Funke-Gesellschafter Stephan Holthoff-Pförtner. Über seinen Nachfolger sagte der scheidende Präsident: „Es ist ein gutes Gefühl, mit Stephan Holthoff-Pförtner einen Unternehmer als meinen Nachfolger zu wissen, der ebenfalls mit viel persönlichem Engagement an der Spitze eines starken Zeitschriftenverlages steht.“

Der Publishers‘ Summit und die Publishers‘ Night sind das jährliche Branchentreffen des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), das über 800 Medienmacher mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenführt. Für Burda sind neben dem Verleger auch Vorstand Philipp Welte und Focus-Chefredakteur Robert Schneider beim Publishers‘ Summit aufgetreten.

Zum Interview mit Hubert Burda in der Berliner Morgenpost hier klicken

Geschichten vom Burda-Wein

Über viele Monate hinweg sammeln die Trauben, die zum „Franzensberger“, dem Burda-Wein, verarbeitet werden, jeden Sonnenstrahl ein

Vor uns glänzen die Dächer Offenburgs in der Abendsonne und in der Ferne blitzt die Turmspitze des Straßburger Münsters hervor: Wir befinden uns zwischen satten Reben im Burda-Weinberg. Es ist Herbst in Baden. Die Zeit der Weinlese. Winzer Simon Renner bewirtschaftet zusammen mit seinen Eltern und zwei Brüdern die Reben des Burda-Weinbergs.

„Der Boden, die Lage und die Sonne geben dem Wein seinen Geschmack“, sagt Simon Renner, während er mit seiner Schere eine Rebe vom Weinstock abschneidet. Über viele Monate hinweg sammeln die Trauben, die zum „Franzensberger“, dem Burda-Wein, verarbeitet werden, jeden Sonnenstrahl ein und werden dabei vom lehmigen Boden Fessenbachs genährt.

Die sanften Hügel des Burda-Weinbergs waren der geliebte Rückzugsort des Senators Franz Burda, der in dieser Landschaft Ruhe und Muse fand. 1968 kaufte er das sogenannte Schlössle, ein pittoreskes Haus aus dem späten 18. Jahrhundert mitten in den Weinbergen. Wenige Jahre später entstand auf diesem Gelände die Franzenstube, in der legendäre Jagdessen ausgerichtet wurden. Dabei ließen sich die Gäste sicher das eine oder andere Glas Badner Wein schmecken.

Heute wie damals erzählt jeder Schluck Franzensberger Geschichten über den sanften Frühling in Offenburg und die warmen Sommerabende in Fessenbach. Er beschreibt die ganze Schönheit des Badner Lands.

30. Todestag von Senator Franz Burda

Hubert Burda erinnert sich am 30. Todestag des Senators an das „alte Offenburg“

Es ist die Zeit der Weinlese in Fessenbach, dem geliebten Rückzugsort des Senators Franz Burda. Die Blätter färben sich herbstlich bunt und die Sonne scheint über Baden. „Ein wunderbarer Tag in unserer Heimat, ein Tag, wie ihn mein Vater geliebt hätte“, mit diesen Worten begrüßte Hubert Burda die Ehrengäste der Gedenkfeier anlässlich des 30. Todestages des Senators in Offenburg. Vor Freunden, Weggefährten, ehemaligen und aktuellen Geschäftsführern sowie vor der Oberbürgermeisterin von Offenburg, erinnerte Hubert Burda an die Tatkraft und an den Unternehmergeist seines Vaters: „Er war ein Mann der Tat“.

Die Leidenschaft für seine Arbeit sowie die Liebe zu seiner Heimatstadt gingen beim Senator Burda immer Hand in Hand. Und so entwickelte sich seine kleine Offenburger Druckerei zu einem Großkonzern und mit ihm wandelte sich auch das Stadtbild: „Bedeutungsschwanger, wie mein Vater war, hat er für das wenige Geld, das er hatte, keinen Kamin gebaut, sondern den Burda Turm“, sagte Hubert Burda über den Bau der alten Druckerei. Stetiger Wandel sei wichtig, allerdings dürfe man dabei seine Wurzeln nicht vergessen.

Sowohl Burda als Unternehmen, als auch die Stadt Offenburg unterliegen einem stetigen Wandel. Während Hubert Burdas Visionen von der Digitalisierung früher von manchen noch belächelt wurden, verzeichnet das Digitalgeschäft nun einen Großteil des Unternehmensumsatzes. Und auch Offenburg befindet sich im Wandel: Auf dem einstigen Druckerei-Areal, nur einen Steinwurf entfernt vom besagten Burda-Turm des Senators, entsteht nun ein Gesundheits- und Arztzentrum, das täglich von 1500 Menschen besucht wird. „Wenn ich in die Stadt reinfahre, bin ich ziemlich stolz auf das neue Offenburg«, betonte Hubert Burda.

Der Baubürgermeister der Stadt Offenburg Oliver Martini nahm dieses Thema in seiner Rede auf und lobte die gelungene Zusammenarbeit: „Das Projekt an der Kronenwiese ist ein schönes Beispiel dafür, wie die private Wirtschaft mit der öffentlichen Hand zusammenarbeitet.“ Bei aller Bautätigkeit sei es wichtig, etwas zu schaffen, dass Bestand habe und identitätsstiftende Gebäude, wie zum Beispiel das Helios Building, zu erhalten und noch besser in Szene zu setzen. Gemäß dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“.

 

Nachruf auf Shimon Peres

Der realistische Optimist

Weltwirtschaftsgipfel Davos 1999
Helmut Markwort, Hubert Burda, Shimon Peres und Gerhard Schröder beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos (c) Wolf Heider-Sawall

Von den persönlichen Treffen mit Shimon Peres habe ich eine Botschaft nie vergessen: Wer realistisch sein will, darf nicht das Ziel vergessen, die Verhältnisse zu verbessern. Seine Vision war ein neuer Naher Osten, in dem sich die arabischen Staaten und Israel zu einer friedlichen, technisch innovativen und sozial ausgeglichenen Region entwickeln.

Der Friedensprozess Anfang der 90er Jahre und die vielen Enttäuschungen danach haben ihn nie davon abgebracht, sein Projekt festzuhalten. Das Wasserproblem im Nahen Osten lösen, durch technologische Erfindungen den sozialen Wandel in der Region herbeiführen, die Voraussetzungen für eine demokratische Gesellschaft in den besetzen Gebieten und Gaza schaffen: der Mann, der 1923 im weißrussischen Wischnewa geboren wurde, glaubte an den „Fortschritt“ wie ihn die Aufklärung predigte – in einer Region, deren Konflikte heute an die Religionskriege im Europa des 17. Jahrhunderts erinnern.

Wenn wir uns trafen, in Jerusalem, auf dem „World Economic Forum“ in Davos oder in München, genoss ich es sehr, wie er in den 90er Jahren mit seiner samtenen Stimme die Möglichkeiten für Frieden und Fortschritt im Nahen Osten eindrucksvoll ausmalte. Hier verwandelte sich Glaube in eine jeden Zweifel aufhebende Gewissheit. Peres, ein im europäischen Sinne Gebildeter und Literaturkenner, erkannte früh die Bedeutung von „high tech“, den Computerwissenschaften, ja der digitalen Revolution. Darum engagierte ich mich 1999 für das Projekt eines „Centers for Innovative Communication“ an der Ben Gurion Universität von Beer Sheva, einer Hochschulgründung, die Peres besonders am Herzen lag.

Mir war immer klar: Man darf die deutsch-jüdische Geschichte in ihrer Dramatik nicht verharmlosen, aber worauf es ankommt, ist der Einsatz für zukunftsträchtige Projekte, die Israel stabilisieren und vorantreiben. Im Jahr 2000 kam es zur Konferenz „Cool People in the Hot Desert“. Ich lernte meinen Freund Yossi Vardi kennen, einen digitalen Unternehmer, dem das Wohlwollen von Shimon Peres gehörte. Kontakte entstanden, die im Jahre 2005 zur Gründung des DLD führten, dem international wohl bekanntesten Forum für Debatten über die digitale Revolution. Ohne Peres keinen Yossi Vardi, keinen DLD, den Steffi Czerny und ich seit über zehn Jahren in Deutschland promovieren. Der Staat Israel wird ihm, neben all seinen Verdiensten, den Mut zur Innovation wohl am meisten verdanken.

Ich verneige mich vor seiner Leistung, ich trauere um einen Politiker von ungewöhnlichem Format.

Von Dr. Hubert Burda