Die Bedeutung der Bilder

Klaus Adam (Vorsitzender Freunde der Universität), ZDF-Intendant Markus Schächter, Hubert Burda, Gottfried Boehm; Georg Krausch (Präsident der Johannes Gutenberg Universität Mainz)

Welche Macht haben Bilder? Das war bestimmendes Thema beim Fundraising Dinner der Freunde der Universität Mainz am Sonntagabend. Rund 200 Gäste aus Kultur und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft waren gekommen, um den Inhaber der zwölften Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur zu begrüßen: den Hochschullehrer, Kunsthistoriker und Philosoph Gottfried Boehm. Die Laudatio hielt Medienunternehmer und Kunsthistoriker Hubert Burda. Beide verbindet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem „Iconic Turn“.

„Die Macht und die Bedeutung der Bilder – der Iconic Turn – dieser Begriff ist mit Gottfried Boehm zum ersten Mal in Umlauf gebracht worden“, erklärte Burda am Sonntag. „Boehm hat entscheidende Impulse zur Entstehung einer neuen Bildwissenschaft gegeben, denn die Macht der Bilder ist hochaktuell. Nach jahrhundertlanger Prägung unserer Kultur durch Schrift und Text ist nun die visuelle Kommunikation wieder in den Vordergrund gerückt.“

Hubert Burda ging an diesem Abend auch auf sein Buch zum Thema ein, „In Medias Res – Zehn Thesen zum Iconic Turn“. Darin spannt er den Bogen von der Erfindung des Kupferstichs bis hin zur Digitalisierung und den damit verbundenen fundamentalen Umwälzungen in der Gesellschaft und ihrer Kommunikation.

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir in einer Schwellenzeit leben, vergleichbar mit der Gutenberg-Zeit um 1500. Der heutige Iconic Turn hat sich in einem ungeheuren Tempo durch die Digitalisierung verändert“, erklärte der Verleger in Mainz. Heute sei der Bildschirm das bestimmende Medium, auf dem Bilder abrufbar sind. Das Porträt, das über Jahrhunderte Künstlern überlassen war, sei auf jedem Handy hinterlegt. „Auf Facebook hat jeder sein eigenes Porträt und inszeniert sich selbst“, sagte Burda und verdeutlichte dies am eigenen Facebook-Profil.

„Die heutigen Wunderkammern sind nicht mehr die von Dresden, sondern das sind Google und Facebook“, schloss er seine Rede mit Blick auf das Grüne Gewölbe. Der Iconic Turn nehme mit der digitalen Revolution eine neue Wendung. So sei auch die Schwellenzeit, in der wir lebten, anhand tagtäglicher Veränderungen spürbar.

Was die Welt nach vorne bringt

Interface zwischen Medien und Kunst: Darum geht es auch im Iconic-Turn-Buch „In Medias Res“

Was können wir von der Renaissance und Andy Warhol über den Medienwandel lernen? Darüber hat Verleger und Kunsthistoriker Hubert Burda am Rande der diesjährigen DLD-Konferenz mit Alexander Kluge gesprochen. Die Begegnung hat die „Welt“ heute zusammengefasst, sie wird am Wochenende außerdem in Sat.1 zu sehen sein.

Zwei Entwicklungen bestimmen unsere mediale Gegenwart – davon ist Burda überzeugt: Der Anbruch des digitalen Zeitalters und der „Iconic Turn“, die stetig wachsende Bedeutung von Bildern. Mit Gutenbergs Erfindung der Buchdruckerkunst beginnt die Entwicklung der Neuzeit. Heute erleben wir das digitale Zeitalter, einen nicht weniger rasanten Umbruch: den Beginn einer neuen Schwellenzeit. Das Zeichen für Menschen, die sich der beschleunigten Zeit anpassen, ist der Delphin. Zugleich brauchen wir Anker, erklärt Burda – und schlägt hier die Brücke zur Kunst.

In seiner neuesten Publikation „In Medias Res“ entwickelt Hubert Burda einen Grundriss für den Umgang mit den neuen Öffentlichkeiten des 21. Jahrhunderts. Gerade die Brüche zwischen Tradition und neuen Entwicklungen sieht er dabei als eine Chance für produktive Antworten. In den zehn Kapiteln zum Iconic Turn begleiten ihn Friedrich Kittler, Horst Bredekamp, Peter Sloterdijk, Bazon Brock und der Kunsthistoriker Hans Belting.

Was bringt den Weltgeist nach vorne? Die Begegnung zwischen Alexander Kluge und Hubert Burda hat die „Welt“ am 9. März veröffentlicht. Im Fernsehen wird eine Aufzeichnung im Rahmen des Sat.1- Formats „News & Stories“ am 13. März ausgestrahlt.

Das Buch „In Medias Res“ ist auf Deutsch und Englisch erhältlich. „The Digital Wunderkammer“ hatte Hubert Burda exklusiv auf dem DLD vorgestellt. Hubert Burda: „In medias res. Zehn Kapitel zum Iconic Turn“. Wilhelm Fink, 202 Seiten, 29.80 Euro. „The Digital Wunderkammer“ erscheint im Fink Verlag unter der ISBN-Nummer 978-3-7705-5193-4.

Web als Wunderkammer

„In Medias Res“ in der englischen Übersetzung: „The Digital Wunderkammer“ betrachtet den digitalen Wandel

Wie hat sich die Welt und ihre Wahrnehmung durch die Digitalisierung verändert? Welche Rolle spielt die visuelle Kommunikation? Bereits im vergangenen Jahr hat Verleger Hubert Burda in Zusammenarbeit mit namhaften Experten ein weiteres Buch zum Thema „Iconic Turn“ herausgebracht: „In Medias Res“. Unter dem Titel „The Digital Wunderkammer“ kommt es nun auch auf Englisch in den Handel – und feiert bei DLD 2011 Premiere: Dort wird Hubert Burda es zusammen mit dem Computerwissenschaflter David Gelernter erstmals präsentieren.

Grundthese von „Digital Wunderkammer“: Durch die Digitalisierung hat sich die Welt rasant verändert. Nicht nur Informationen, sondern auch Bilder werden schnell, gezielt und großräumig verbreitet. Das Internet bietet scheinbar unendliche Möglichkeit zum globalen Speichern und Vernetzen von Wissen und dessen Repräsentation, und wird zu einer neuen, digitalen Wunderkammer. Aber nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Art und Weise wie wir Bilder wahrnehmen hat sich verändert. Gerade die Medienmacher, also Journalisten, Fotografen, Grafiker, Verleger aber auch Software-Programmierer sind maßgeblich an der Art und Weise beteiligt wie die Menschen ihre Umwelt wahrnehmen. Die Geltung der visuellen Kommunikation nimmt merklich zu.

Doch was sind Bilder eigentlich? Welche Funktion erfüllen sie in ihren jeweiligen Kontexten? Und wie hat sich die Wahrnehmung durch den „Iconic Turn“ verändert? Hans Belting, Horst Bredekamp, Bazon Brock, Friedrich Kittler und Peter Sloterdijk beschäftigen sich in ihren Beiträgen mit der Beantwortung dieser Fragen und tragen somit zum Verständnis dieses komplexen Themas bei.

Die Ideen und Erkenntnisse zum „Iconic Turn“ werden auch Hubert Burda und David Gelernter auf der Innovationskonferenz DLD diskutieren. Sie findet vom 23. bis 25. Januar im Hypovereinsbankforum in München statt.

„The Digital Wunderkammer“ erscheint im Fink Verlag unter der ISN-Nummer 978-3-7705-5193-4 und ist ab Ende Januar im Handel erhältlich.Weitere Informationen zu DLD finden Sie unter www.dld-conference.com.

Wunderkammer Internet

Das Internet als Wunderkammer: Hubert Burda in Dresden

Sie ist eine der ältesten ihrer Art: Die Kunstkammer im Dresdner Residenzschloss feiert in diesen Tagen 450-jähriges Bestehen. Welche Bedeutung haben ihre prächtigen historischen Sammlungen heute? Welche Parallelen gibt es zum digitalen Zeitalter? Zum Jubiläum hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gemeinsam mit der Humboldt-Universität Berlin Experten zu einem zweitägigen Kolloqium eingeladen. Über „Das Internet. Die Erfindung des Globalen“ sprach Hubert Burda.

„Die Wunderkammer von heute ist das Internet“, erklärte der Verleger vor rund hundert Gästen. „Kuriositätenkabinette“, zunächst von reichen Fürsten geschaffen, bevor sie in wissenschaftliche Sammlungen übergingen, seien der Versuch gewesen, Objekte und Artikel anzusammeln, die man normalerweise nicht anschauen oder finden konnte. Derjenige, der über diese Dinge verfügen konnte, habe damit gleichzeitig Macht und Einfluss gehabt.

Im digitalen Zeitalter habe Google eine grundlegende Veränderung mit sich gebracht: Die Suchmaschine ersetze die redaktionelle Auswahl eines „Kurators“ aus Fleisch und Blut durch einen Algorithmus. Der PageRank, bei dem nicht nur nach Schlagworten, sondern auch nach Empfehlungen von anderen Seiten gesucht wird, sei der entscheidende Vorteil auf dem Weg zur marktbeherrschenden Suchmaschine gewesen, sagte Burda. So sei eine neue Welt aus einzelnen Seiten und Verlinkungen entstanden, die Google große Macht verschaffen.

Das Prinzip der neuen Wunderkammer: Je mehr Links auf eine Seite verweisen, umso höher deren Gewicht. Und dieses Prinzip findet sich auch in den großen und immer mächtiger werdenden sozialen Netzwerken wir Facebook wieder: Inhalte und Empfehlungen bekommen ihre Relevanz aufgrund sozialer Nähe und Interaktion und wachsen mit immer neu generierten Inhalten und Vernetzungen. Vorteil: Jeder kann, wie zum Beispiel auch in der Video-Community YouTube, gleichberechtigt Inhalte einstellen – und mit dem mobilen Internet kann sie jeder weltweit bei sich haben.

Wie sieht die Wunderkammer der Zukunft aus? Inhalte würden immer abstrakter und datenbezogener, erklärte Burda in Dresden – für ihn ist die Visualisierung von Daten der nächste Schritt. Ein neues Bild der Welt entstehe, Google Streetview sei dafür nur ein Beispiel. Burda schloss seinen Vortrag mit einem YouTube-Video: Der Dirigent und Komponist Eric Whitacre hat für sein Stück „Lux Aurumque“ Stimmen von 250 Menschen aus zwölf verschiedenen Ländern arrangiert – und dirigiert damit einen komplett virtuellen Riesen- Chor. „Auch das ist die neue Wunderkammer des Internets“, so Burda.

Diskussionen um alte und neue Wunderkammern führte der Verleger im Anschluss auch abseits des Symposiums weiter. Die Gäste hatten außerdem Gelegenheit, die Sonderausstellung im Dresdener Residenzschloss zu bewundern: Zum Jubiläum sind derzeit die Kunstkammerinventare in vier Bänden zu sehen.

Der Iconic Turn

Hubert Burda präsentierte in Karlsruhe Thesen zum Iconic Turn

Hubert Burda hat in Zusammenarbeit mit namhaften Experten wie dem Philosophen Peter Sloterdijk und dem Medienwissenschaftler Bazon Brock ein weiteres Buch zum „Iconic Turn“ herausgebracht. Am Dienstagabend präsentierte der Verleger „In Medias res – Zehn Kapitel zum Iconic Turn“ an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

„Herr Burda Sie sind ein ‚embeded arthistorian‘ der sich in unternehmerischen Kreisen bewegt“, führte Professor Wolfgang Ullrich den Verleger ein. „Ihr Buch ist die kondensierte Darstellung einer lebenslangen Beschäftigung“, ergänzte Kunsthistoriker Horst Bredekamp. Seit Jahren geht Burda der Frage nach, wie die Digitalisierung die Bedeutung von Bildern für die Gesellschaft verändert hat. „Iconic Turn“ bedeutet in diesem Zusammenhang soviel wie eine Wende bei der Wahrnehmung von Bildern.

„Wo immer sich Kommunikation verändert, verändern sich die Fundamente der Gesellschaft“, schreibt Burda auch in seinem Buch. Durch Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks hatte eine Wende in der Kommunikation der Menschen stattgefunden, Bücher waren kein Statussymbol mehr, sondern der breiten Masse zugänglich.

Auch die Erfindung des Kupferstichs durch Martin Schongauer ließ einen Ruck durch die Welt gehen, so waren Gemälde nicht mehr nur an einen Platz gebunden, durch Replikationen konnte die ganze Welt daran Teil haben. Auch Innovationen wie die Fotographie und der Film veränderten die Kommunikation in der Welt maßgeblich. Das volle Ausmaß der Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, wird sich erst zeigen. „Wir leben in einer Zeit des Umbruchs“, erklärte Hubert Burda bei der Buchpräsentation: „Man muss sich damit beschäftigen, wie neue Bilder entstehen.“ Denn durch die Digitalisierung habe sich die Welt rasant verändert: Bilder werden schnell, gezielt und großräumig verbreitet. Die Geltung der visuellen Kommunikation nimmt merklich zu. Doch was sind Bilder eigentlich? Welche Funktion erfüllen sie in ihren jeweiligen Kontexten? Und wie hat sich die Wahrnehmung durch den „Iconic Turn“ verändert?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen befasst sich das jüngste Buch des Verlegers. Und diese Fragen wurden auch in Karlsruhe mit den Gastautoren Hans Belting, Horst Bredekamp, Bazon Brock, Friedrich Kittler und Peter Sloterdijk diskutiert. Hubert Burda hat das Buch seinem Sohn Felix gewidmet. „Er hat mich als Erster im Herbst 1990 auf die Bedeutung der digitalen Kommunikation und der elektronischen Wissenbibliotheken hingewiesen“, schreibt er in seiner Widmung. „Mit ihm habe ich, sei es in München, New York oder Seattle, in den 90er-Jahren begonnen, Gespräche über den Iconic Turn zu führen.“ Felix Burda war nach seinem Tod 2001 auch die Vortragsreihe zum „Iconic Turn“ von 2002 bis 2003 an Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München gewidmet.

Zu Gast im Schloss

Begrüßung in Bellevue: Das Bundespräsidentenpaar empfing Hubert Burda und Maria Furtwängler

Es war ein verspätetes Geschenk zu Hubert Burdas 70. Geburtstag: ein exklusives Mittagessen im kleinen Rahmen bei Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Schloss Bellevue. Die Gästeliste durfte der Jubilar persönlich zusammenstellen – und entschied sich für eine illustre Runde aus rund 20 Freunden und Weggefährten. Darunter Max-Planck-Präsident Peter Gruss, Philosoph Peter Sloterdijk oder Unternehmer Arend Oetker.

Horst und Eva Köhler empfingen Hubert Burda und Gattin Maria Furtwängler zur Mittagszeit auf dem geschichtsträchtigen Amtssitz an der Spree. „Ich glaube, ich kann das auch im Namen der Anwesenden sagen, wie sehr wir uns freuen, Ihre Gäste zu sein und wünschen uns ein spannendes und interessantes Mittagessen“, bedankte sich der Verleger für die Einladung in die Bundeshauptstadt.

Die folgenden zwei Stunden im Schinkelsaal des Schlosses standen ganz im Zeichen der Vorlesungsreihe „Iconic Turn“, die Hubert Burda von 2000 bis 2004 an der Ludwig Maximilians Universität in München initiiert hatte. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Gesellschaft durch eine zunehmende Macht der Bilder verändert. Viele der geladenen Gäste waren Referenten der Vorlesungsreihe.

Während des Essens entbrannte ein reger Austausch über Medien, die digitale Revolution und die Frage, wie sich die Gesellschaft durch eine zunehmende Macht der Bilder verändert. „Es gibt keinen Bereich, der mittlerweile nicht davon betroffen ist: Denken Sie nur an die Veränderung bei den gedruckten Medien“, gab Hubert Burda zu bedenken. Sloterdijk verwies darauf, dass dies eine Diskussion sei, die – in sich verändernder Form – seit mehreren hundert Jahren geführt wird und vermutlich nie enden wird.

Wolfram Weimer, der im Herbst die Chefradaktion von FOCUS übernimmt und sich derzeit im Hauptstadt-Büro als Entwicklungschef mit seinen Aufgaben vertraut macht, sah in der Veranstaltung Parallelen zu Versammlungen von Gelehrten im antiken Griechenland: „Es war eine geistreiche Runde lebhafter Vordenker. Hubert Burda hat aus Schloss Bellevue eine philosophische Agora werden lassen.“

In einer entspannten und freundschaftlichen Atmosphäre plauderten und diskutierten die Gäste. „Es hat einfach die Chemie gestimmt“, resümierte Stephan Sattler aus dem Stab von Hubert Burda.

Die Zukunft im Netz

Blick in die Zukunft: DLD zog 800 Gäste nach München

Wie sieht nach der Krise die Zukunft in Wirtschaft und Gesellschaft aus? Die Digitalkonferenz DLD eröffnete vom 24. bis 26. Januar für rund 800 Gäste in München neue Perspektiven.

DLD ist international bekannt dafür, nicht bloß eine weitere Web-Konferenz zu sein. Zwei Dinge machen sie besonders: Die Bandbreite der Themen und der freundschaftliche, kommunikative Charakter. Das heißt: Auch hinter den Kulissen passiert viel, werden neue Kontakte geknüpft oder entstehen ganze Geschäftsideen.

Diese Mischung war Grund für Hubert Burda, bereits zum sechsten Mal Vordenker aus der ganzen Welt nach Deutschland einzuladen. Und bei dem Austausch ging es nicht nur um Digitales, sondern auch um Kunst, Kultur und soziale Verantwortung. Kein geringerer als Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zeigte beispielsweise, wie man dank der neuen Technologien mit ganz wenig Großes schaffen kann.

Dass Neues auch Altes verdrängen kann, darum ging es ebenso: „Unruhestifter“ wie die Gründer von des Telefondienstes Skype, der Online-Enzyklopädie Wikipedia oder dem Browser-Hersteller Mozilla haben gezeigt, wie ganze Industriezweige umgekrempelt werden können. Andere Bereiche werden folgen – und vielleicht ist die nächste große Idee schon gestern in einer kleinen Garage in China angeschoben worden. Die heranwachsende Supermacht sieht Trendforscher John Naisbitt derzeit vom Westen völlig unterbewertet.

Es ging beim DLD in München aber auch um Inhalte im Netz – gerade für Medienhäuser wie Burda ein wichtiges Thema. Mit ihnen lässt sich online kaum Geld verdienen und auch die Werbung wirft gerade mal „lousy pennies“ ab, wie es Hubert Burda im vergangenen Jahr formulierte und nochmals wiederholte. Aber werden die mittlerweile fast unzählbaren Inhalte im Netz in Zukunft überhaupt noch von Menschen erstellt? FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher kritisierte: „Heute entscheiden Algorithmen, welche Informationen wichtig sind.“

Und da fehlt die Transparenz, genauso wie bei der Auswertung von Suchergebnissen oder der Bezahlung von Online-Werbung. Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen forderte deshalb Suchmaschinengigant Google zu mehr Offenheit auf. Vize und Chefjustiziar David Drummond möchte seine Geschäftspartner nicht vergraulen und signalisierte zumindest Diskussionsbereitschaft. Viele spannende Anknüpfungspunkte also für eine siebte Ausgabe der Innovationskonferenz im kommenden Jahr.

Poesie und mehr

Festband zum Hermann-Lenz-Preis-Jubiläum

304 Seiten ist er stark – und auf jeder ein „Fest der Poesie“: Unter diesem Namen haben Hubert Burda und Michael Müller einen Festband zum zehnjährigen Jubiläum des Hermann-Lenz-Preises zusammengestellt, der nun erhältlich ist.

In Erinnerung an Hermann Lenz und in der Nachfolge des Petrarca-Preises vergibt eine Jury um Stifter Hubert Burda die Auszeichnung jedes Jahr an deutschsprachige Schriftsteller. Daneben wird auch das gleichnamige Stipendium verliehen, das Hanne und Hermann Lenz für junge deutschsprachige Literaten oder Literaturwissenschaftler eingerichtet haben. Und der Hubert Burda Preis für junge osteuropäische Lyrik würdigt neue, bisher kaum zu hörende Stimmen von Dichtern Osteuropas, die das neu aufbrechende Leben spiegeln.

Davon, dass es bei der Verleihung seit einem Jahrzehnt auch um den Austausch und das literarische Miteinander geht, zeugen im Jubiläumsband imposante Bildstrecken, Texte der Preisträger und poetische Zugaben von Weggefährten. So lässt „Ein Fest der Poesie“ Leser an Gedanken und Werken teilhaben und macht es möglich, dem Geist der Dichtertreffen das ganze Jahr über nachzuspüren.

„Ein Fest der Poesie: Hermann-Lenz-Preis 1999 – 2009“ ist im Petrarca Verlag, München erschienen. Das Werk ist online unter www.buecher-roth.de für Euro 9,90 (zzgl. Portobeteiligung) oder direkt in der Offenburger Buchhandlung Gustav Roth (Hauptstraße 45) erhältlich. Die ISBN-Nummer lautet: 978-3-87115-005-0

Ehrendoktorwürde

Ehrendoktor: Bernd Huber und Maximilian Reiser übergaben Hubert Burda die Urkunde

„Ich hätte, als ich an dieser Uni begann, nie gedacht dass ich es hier schaffen könnte. Ich habe erfahren, was man mit Leistung bewältigen kann. Das war eine Erfahrung fürs Leben, die Uni hat mich geprägt wie nichts anderes“, erinnerte sich Hubert Burda in der großen Aula der Universität München an seine Studienzeit.

Mit einem Festakt und zahlreichen hochrangigen Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hat ihm die Medizinische Fakultät dort am Montag die Ehrendoktorwürde verliehen.

Damit zeichnete sie Burdas Verdienste um die Förderung der biomedizinischen Forschung und des BioMedizinischen Zentrums Großhadern aus. Der sehr selten verliehene Ehrendoktortitel ist außerdem Anerkennung für Burdas gesundheitspolitisches Engagement in Form der Felix Burda Stiftung. Erst Kunststudent und Doktorand, als Medienmanager dann Initiator der Iconic-Turn-Reihe und erster Hochschulratsvorsitzender – die enge Verbindung mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ist in Burdas Leben nie abgerissen. Die Auszeichnung mit einem weiteren Doktortitel war in den so wohl bekannten Räumen deshalb auch eine besondere Würdigung. „Es ist wunderbar, hier zu stehen“, so der Verleger.

„Er ist einer der ganz Großen dieses Landes“, sagte Ex-Ministerpräsident und Gastredner Edmund Stoiber. Er nannte Burda einen Unternehmer, der persönliche Werte vorlebe – unter anderem mit der Investition ins Jüdische Zentrum am Jakobsplatz. Mit Weitblick und Tatkraft habe er Entwicklungen wie die Digitalisierung erspürt und dann gestaltet und geprägt.

Stoiber wie auch seine Vorredner, darunter Staatsminister Wolfgang Heubisch, würdigten außerdem Burdas Verbindung aus Künstlergeist und Wirtschaftsdenken. Als Kunsthistoriker und Medienunternehmer schaffe er den Spagat zwischen Hoch- und Popkultur, zwischen „High and Low“, sagte Laudator Maximilian Reiser, Dekan der Medizinischen Fakultät. Er verkenne die Gefahren der modernen Massenkultur nicht, sehe aber vor allem die Chancen und Vorteile, die diese mit sich brächte. Dass die Universität München heute in einem weltweiten Ranking an der Spitze stehe und aus ihr ein modernes Wirtschaftsunternehmen mit zukunftsweisenden Forschungsfeldern geworden sei, sei auch der Verdienst des Hochschulrats unter Burdas Vorsitz. Die Konfrontation der Wissenschaft mit der Wirtschaft sei „keine ganz einfache Aufgabe“ gewesen, erklärte Uni-Präsident Bernd Huber. Burda habe sie aber „souverän und mit viel Heiterkeit“ gemeistert.

In seiner Eigenschaft als Hochschulratsvorsitzender war Burda zwischen 1999 und 2007 maßgeblich an der Planung des BioMedizinischen Zentrums in Großhadern-Martinsried beteiligt. Auch der Bau des Zentrums für Neuropathologie und Prionenforschung hat der Hochschulrat unter seiner Ägide unterstützt.

Kreativität als Teil unternehmerischen Handelns sei Ausgangspunkt für die gerade in Zeiten der Krise so entscheidende Innovation, sagte Hubert Burda in seiner Dankesrede. Großhadern und Martinsried zählten zu den besten Kliniken der Welt mit Standards wie in Harvard, dem Sloan Catering von Hutchinson bis nach Houston. Und das neue BioMedizinische Zentrum werde eines der führenden Institute der Welt werden.

Mit Diskussionen über die Zukunft aber auch vielen Erinnerungen ließ der neue Ehrendoktor den Abend schließlich in der Schackstraße ausklingen: In seiner ehemaligen Studentenwohnung feierte er mit Weggefährten, Uni-Freunden und Burda-Kollegen.

Campusflair für Mediennachwuchs

Hochmodern: Das neue Hochschulgebäude

15 Jahre ist es her, dass Hubert Burda einen Anruf von dem damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel erhielt. Der Studiengang Medien und Informationswesen an der Hochschule Offenburg werde realisiert, teilte er dem Verleger mit, der damals den Anstoß für das neue Angebot gegeben hatte.

Seit Montag hat der Studiengang nun endlich auch das passende Zuhause: Mit einem Festakt ist der 3.000 Quadratmeter große, hochmoderne Erweiterungsbau der Hochschule eingeweiht worden. Neben Hubert Burda waren Ministerpräsident Günther Oettinger, weitere Vertreter des Landeskabinetts, Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner und zahlreiche Vertreter der Hochschule unter den Gästen.

Investition in die Medienregion: Hubert Burda sieht die Ausbildung als Chance – wenn man die Möglichkeiten rechtzeitig erkenne

„Ein toller Tag für Offenburg. Ich wüsste nicht, dass es in Bayern eine vergleichbare Einrichtung gibt“, sagte Burda in seiner Rede, in der er zunächst den Bogen zum Teufel-Anruf spannte. Die Medienbranche befinde sich im Umbruch, so der Verleger weiter – wie zu Gutenbergs Zeiten mit der Erfindung des Buchdrucks sei es eine Schwellenzeit. Er sehe mit dem neuen Studiengang viele Arbeitsplätze entstehen, wenn man die Möglichkeiten rechtzeitig erkenne.

Insgesamt 10,7 Millionen Euro hat das Land in die Hand genommen, um den Neubau am Medienstandort zu realisieren. Der Studiengang gilt als eine der Visitenkarten der auch bei ausländischen Studenten äußerst beliebten Hochschule und wird von der regionalen Wirtschaft gefördert: 630.000 Euro haben Unternehmen für den Erweiterungsbau beigesteuert. Dafür bedankte sich Ministerpräsident Oettinger am Montag. Er erinnerte an den kalten Novembertag vor drei Jahren als der erste Spatenstich gesetzt wurde und an das zehnjährige Jubiläum, das der Studiengang Medien und Informationswesen damals feierte.

Rektor Winfried Lieber, selbst viel für seine Hartnäckigkeit in punkto Hochschulausbau gelobt, bedankte sich bei Hubert Burda für die Initiative, die Medienwissenschaften zu fördern, und wünschte sich vom Land, dass die Hochschule auch in Zukunft wachsen kann.

„Angesichts der aktuellen Krise dürfen wir sehr froh sein, dass wir diesen Neubau erhalten haben“, erklärte Oberbürgermeistern Edith Schreiner. Die Hochschule sei ein wichtiger Standortfaktor für die Medienstadt Offenburg und sie sei froh, eine so innovative und zukunftsorientierte Einrichtung vor Ort zu haben.

Und die wird es auch brauchen: Waren es anfangs noch 105 Medien- und Informationswissenschafler, werden es wohl bald 800 sein. Der fertige Bau mit sieben Hörsälen, 14 Labors, Technikräumen, einem Multimedia-Hörsaal und viel Campusflair soll ab dem kommenden Sommersemester außerdem den dann startenden Studiengang Medien.gestaltung und Produktion beherbergen.

Einen Beitrag zur engen Verzahnung von Theorie und Praxis wird auch Burda weiterhin liefern: Der Medienkonzern stellt verschiedene Praktikumsplätze zur Verfügung, Bachelor- und Masterstudenten können im Unternehmen ihre Abschlussarbeit schreiben und der Austausch mit der Burda Journalistenschule über neue Berufsfelder soll auch in Zukunft in die Studiengänge einfließen.