Wettbewerbsrechtliche Groteske

Hubert Burda fordert, dass die Europäische Kommission härter gegen den Kartell-Verstoß vorgeht

Im laufenden EU-Kartellverfahren gegen Google zeichnen sich neue Entwicklungen ab: Der Internet-Konzern legte überarbeitete Vorschläge zur Beilegung des Verfahrens vor. In einer Stellungnahme bezeichnet VDZ-Präsident Hubert Burda diese als unzureichend. „Sollte die Europäische Kommission Googles Vorschläge tatsächlich billigen, wäre das der Freibrief für den Missbrauch eines digitalen Monopols.“

Insbesondere die von Google vorgeschlagene neue Darstellung von Konkurrenzangeboten führe das EU-Wettbewerbsrecht ad absurdum. So behielte Google die Freiheit, eigene Dienste – entsprechend gekennzeichnet – an erster Stelle zu positionieren, während Konkurrenten für eine weniger prominente Darstellung weiterhin bieten müssten. „Statt für ‚Fair Search‘ zu sorgen“, so Burda, „würde es Wettbewerbskommissar Almunia zulassen, dass Google die Suchergebnisse weiterhin im Eigeninteresse sortieren kann. Es wäre eine wettbewerbsrechtliche Groteske, wenn die Kommission diesen Missbrauch eines Monopols nicht beseitigen, sondern sogar legalisieren würde.“

Burda nimmt daher die EU-Kommission in die Pflicht: „Fairen Wettbewerb wird es in der digitalen Welt nur geben, wenn ‚Fair Search‘ gewährleistet ist und Google seine eigenen Angebote nicht willkürlich bevorzugen darf. Wir rufen die Europäische Kommission daher erneut auf, das Verfahren konsequent weiterzuführen.“

Das seit 2010 anhängige Verfahren dreht sich vor allem um die Frage, ob Google seine marktbeherrschende Stellung von ca. 90 Prozent im europäischen Suchmaschinenmarkt ausnutzt, um die eigenen Angebote bei der Darstellung von Suchergebnissen bevorzugt zu behandeln und Konkurrenten damit zu behindern.

HuffPo-Team zu Besuch bei Hubert Burda

Hubert Burda begrüßte gestern in München Arianna Huffington und Anchorman Cherno Jobatey

Die deutschsprachige Huffington Post ist ab sofort unter www.huffingtonpost.de online. HuffPo-Gründerin Arianna Huffington hat den „Red Button“ gemeinsam mit dem designierten Chefredakteur Sebastian Matthes und dem frisch ernannten Anchorman und bekannten TV-Moderator Cherno Jobatey gedrückt. „Wir wollen unseren Lesern die besten Inhalte, die das Internet zu bieten hat, zugänglich machen“, so Huffington bei der offiziellen Pressekonferenz. Matthes betonte: „Die US-HuffPo ist mit fünf Leuten gestartet, wir starten mit 15 Leuten, da ist also gleich zu Beginn einiges möglich.“

Schon gestern Abend begrüßte Verleger Dr. Hubert Burda die einflussreiche Amerikanerin, ihr amerikanisches HuffPo-Team und die Macher der deutschen Ausgabe vorab zu einem privaten Dinner in München. „Sie gilt als das Symbol für Kommunikation“, so Hubert Burda in seiner Ansprache, der auf die damals 28-jährige Journalistin schon 1978 in seiner Zeit als Bunte-Chefredakteur aufmerksam geworden war. Damals veröffentlichte Arianna Stassinopoulos Artikel im New Yorker über berühmte Persönlichkeiten. Später, 2003, hat sie sich ihren „journalistischen Traum“ erfüllt, eine „Plattform für tausende von Stimmen der Gesellschaft zu schaffen“, wie Arianna Huffington heute erzählt. Cherno Jobatey, der Anchorman der deutschen HuffPo, freut sich auf eine „neue Farbe in der deutschen Medienwelt“ und darauf den „Menschen endlich die Inhalte zu bieten, die sie wirklich interessieren und lesen wollen“

Die deutschsprachige Ausgabe entsteht in Kooperation zwischen der Huffington Post Media Group und der Tomorrow Focus AG und geht in Deutschland zunächst mit einem 15-köpfigen Team am Münchner Redaktionssitz Neumarkter Straße an den Start. Weltweit arbeiten 700 festangestellte bezahlte Redakteure für die HuffPo, insgesamt 50.000 freiwillige Blogger und Autoren tragen zu den Inhalten bei. Mehrere tausend Blogger wollen sich an der deutschsprachigen Ausgabe beteiligen, um ihrer Expertise ein Forum zu verschaffen. 60 Experten können zum Launch veröffentlichen.

Arianna Huffington, Präsidentin und Chefredakteurin der Huffington Post Media Group: „Wir freuen uns sehr, dass wir die deutsche Ausgabe als neues Mitglied in die HuffPost-Familie aufnehmen können. Mit TOMORROW FOCUS steht uns ein Partner zur Seite, der schon sehr viel dazu beigetragen hat, die Zukunft der digitalen Medien in Deutschland zu gestalten.“

Zunächst ist das Angebot der Huffington Post in sechs Ressorts (Politik, Wirtschaft, News, Entertainment, Lifestyle und Tech) aufgeteilt. Wie bei der amerikanischen Ausgabe gliedert sich das Layout der Huffington Post-Webseite in drei Spalten. In der mittleren und rechten Spalte laufen die Beiträge der Redaktion. In der linken Spalte, den sogenannten Featured Blog Posts, stehen vornehmlich die Beiträge von Gastautoren und Experten. Die Huffington Post lädt alle Leser ein, sich an der Plattform mit eigenen Texten zu beteiligen.

Als Editorial Director, also eine Art „Anchorman“ der HuffPo konnten die HuffPo-Macher TV-Journalist Cherno Jobatey verpflichten. Auch er ist über DLD Burda schon lange verbunden. Jobatey begann seine Karriere als freier Journalist für „taz“, „Die Zeit“ und den „Spiegel“. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er durch das ZDF-Morgenmagazin, das er 20 Jahre lang moderierte und prägte. Zusätzlich produziert und moderiert er seit zwei Jahren das Online-Format „UdLDigital Talkshow“. Er empfängt hier führende Bundespolitiker (z. B. Frank-Walter Steinmeier, Ursula von der Leyen, Hans-Peter Friedrich), dazu Blogger, Hacker und Experten. Jobatey trägt mit Kolumnen zur Huffington Post bei und kümmert sich vor allem um den Ausbau des Autoren-Netzwerkes.

Arianna Huffington: „Mit Cherno Jobatey als Editorial Director wird die deutsche Ausgabe die interessantesten Geschichten in diesem Land erzählen und – was mindestens genauso wichtig ist – die Deutschen dabei unterstützen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Sie nehmen Teil an Konversationen verschiedenster Art: Von den Auswirkungen der Eurokrise auf die Menschen bis hin zu der Art und Weise, wie Individuen und Organisationen Erfolg neu definieren können und Burn-out bekämpfen können. Wir bieten außerordentliche Möglichkeiten, diesen Dialog auszubauen und zu verbessern, indem wir die Erfahrung und Kompetenz unserer Partner mit der Kraft unserer HuffPost-Plattform verbinden.“

Als Chefredakteur steigt Sebastian Matthes baldmöglichst ins Boot, der derzeit noch als Ressortleiter Technik und Wissenschaft bei der Wirtschaftswoche fungiert. Der Politologe und Volkswirt ist Absolvent der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten und schrieb schon für „Handelsblatt“, „Spiegel“ und „Neue Zürcher Zeitung“. Der 36-jährige bloggt selbst unter Ungedruckt.net und wird von über 5000 Followern bei Twitter gelesen.

Zum Launch schreiben für die deutschsprachige Huffington Post u. a. Vorstandschefs wie René Obermann (Deutsche Telekom) und Kasper Rorsted (Henkel), Foodwatch-Chef Thilo Bode, der ehemalige Tennis-Profi Boris Becker, Prof. Wolfgang Hünnekens vom Institute of Electronic Business und der Strafrechtler Prof. Dr. Heinz Schöch, Unternehmer Franz M. Haniel, Investor Nicolas Berggruen, Politiker wie Ursula von der Leyen (CDU), Dorothee Bär (CSU) und Jimmy Schulz (FDP), Sky-Filmchef Marcus Ammon, Schauspielerinnen wie Miriam Pielhau, Jutta Speidel und Uschi Glas. Zu den Gastautoren gehören außerdem bekannte deutsche Blogger wie u. a. Johannes Lenz, Karsten Lohmeyer, Romy Mlinzk, Sascha Pallenberg oder Thilo Specht.

Die Ziele des schon im Vorfeld mit hitzigen Debatten begleiteten Projekts sind ambitioniert: „Wir wollen spätestens im Jahr 2016 profitabel sein und möchten nach fünf Jahren die Flughöhe erreicht haben, die Focus Online jetzt hat: 10 bis 15 Millionen Euro Nettoumsatz, zweistellige Umsatzrendite und circa 9 Millionen Unique User“, so Christoph Schuh, Vorstand Tomorrow Focus. Den Reichweitenaufbau soll vor allen Dingen eine enge Kooperation mit Focus Online sicherstellen. Oliver Eckert, Geschäftsführer Tomorrow Focus Media: „Wir haben bei anderen Angeboten wie Holidaycheck und Finanzen100 sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Focus Online als Reichweitenbringer einzusetzen. Das machen wir diesmal auch.“

Fortsetzung des Dialogs in Brüssel

Hubert Burda beim Dinner des European Publishers Council in Brüssel, neben ihm Neelie Kroes (Vizepräsidentin der Europäischen Kommission) und Francisco Balsemão (Impresa, EPC-Chairman) mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso

Im Kreise europäischer Spitzenpolitiker erneuert Hubert Burda die Forderung nach fairen rechtlichen Rahmenbedingungen. Am Dienstag war er zum jährlichen Dinner des European Publishers Council (EPC) nach Brüssel gereist, einem der hochkarätigsten Zusammenschlüsse europäischer Verleger, den Burda 1991 mitbegründet hatte.

„Chancengleichheit für europäische Unternehmen im internationalen Wettbewerb“, so die Forderung des Verlegers in seiner Ansprache vor EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und den EU-Kommissaren Viviane Reding, Neelie Kroes, Androulla Vassiliou und Michel Barnier am Dienstag in Brüssel. Burda war zum jährlichen Dinner des European Publishers Council (EPC) gereist, einem der hochkarätigsten Zusammenschlüsse europäischer Verleger, den Burda 1991 mitbegründet hatte. Außer ihm waren u.a. Julia Jäkel (Gruner + Jahr), Stefan von Holtzbrinck, Michael Ringier, Rob Grimshaw (Financial Times), Kevin Beatty (Daily Mail) und Francisco Balsemão (Impresa) vor Ort.

Burda betonte zunächst die Bedeutung der Zeitschriften in der europäischen Medienlandschaft: Während Gattungen wie die Tageszeitung zunehmend unter Druck gerieten, investiere Burda in neue Magazine wie zuletzt Harper’s Bazaar und expandiere gleichzeitig in die digitale Welt: „Wir tun das eine, ohne das andere zu lassen“, so Burda mit Blick auf die duale Konzernstrategie, die dynamisches Wachstum in digitalen Geschäftsfeldern mit höchst erfolgreichem und international expansivem Magazingeschäft vereint.

Im Anschluss sprach der Verleger über die richtige Politik für die Consumer-Internet-Branche – ein Thema, das bereits vor zwei Wochen im Mittelpunkt stand, als eine Burda-Delegation zu politischen Gesprächen in Brüssel war. „Die USA haben das Consumer Internet früh zu einer strategischen Industrie gemacht, mit dem Resultat, dass alle wichtigen Mautstellen im Internet, wie etwa Online-Werbung, e-Commerce und App-Verkäufe von amerikanischen Unternehmen dominiert werden“, konstatierte der Verleger. „Europa dagegen hängt hinterher.“ Um den europäischen Unternehmen aber zumindest Chancengleichheit zu garantieren, müssten die massiven Wettbewerbsnachteile abgebaut werden, die durch rechtliche Asymmetrien entstünden – insbesondere in den Bereichen Datenschutz, Steuern und Suchmaschinenneutralität. Burdas Appell an die EU-Kommission: „Wir brauchen ein Level Playing Field, also gleiches Recht für alle und damit faire Chancen im Wettbewerb!“

Besondere politische Aufmerksamkeit, so Burda weiter, verdiene die Consumer-Internet-Branche, da sie andere Branchen immer stärker beeinflusse: „Hier werden Schlüsseltechnologien entwickelt, wie zum Beispiel Datenverarbeitung, die für andere Wirtschaftszweige immer wichtiger werden“, so Burda. „Wenn Europa im Consumer Internet abgeschlagen bleibt, wird sich dies bald auch auf die Automobilindustrie, den Biotechnologiesektor oder die Medizintechnik auswirken, wo diese Schlüsseltechnologien verstärkt zur Anwendung kommen“, prognostizierte Burda den Vertretern der EU-Kommission. Es müsse also auch im Interesse der Politik sein, eine wettbewerbsfähige Consumer-Internet-Branche in Europa zu haben.

Gleiches Recht für alle

Sitznachbarn: VDZ-Präsident Hubert Burda und der Präsident der EU-Kommission José Manuel Barroso © Hubert Burda Media

Der European Publishers Council (EPC) ist einer der wichtigsten Zusammenschlüsse europäischer Verleger, um sich auf höchster Ebene mit internationalen Spitzenpolitikern auszutauschen. Anfang der Woche traf sich der exklusive Kreis um Hubert Burda mit dem Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso, der EU-Kommissarin für Justiz Viviane Reding sowie der EU-Kommissarin für die Digitale Agenda Neelie Kroes in Brüssel. Ziel: Die Verlegeranliegen an diesen drei wichtigen EU-Schnittstellen zu platzieren und vertiefend zu diskutieren.

Besonders ausführlich wurde über die anstehende Novellierung des Datenschutzrechts, die nötige Modernisierung des Wettbewerbsrechts und das Urheberrecht im digitalen Zeitalter gesprochen – und damit über die politische Agenda, die Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen bereits beim Kongress Digitale Wirtschaft im Bundestag auf nationaler Ebene skizziert hatte.

VDZ-Präsident Hubert Burda, Mitbegründer des seit 1991 existierenden EPC, erneuerte in Brüssel die Forderungen der Verleger in diesen Themenkreisen. „Im Datenschutz haben wir kein ,level playing field‘ zwischen Amerika und Europa“, erklärte er. Sein Appell: „Für alle Unternehmen, die Daten europäischer Bürger sammeln und verwenden, müssen dieselben Spielregeln gelten.“

Die neue Medienwelt brauche außerdem ein zeitgemäßes Wettbewerbsrecht. Zum einen, weil das derzeitige Recht die traditionellen Medienmärkte nicht mehr sinnvoll reguliere, und zum anderen, weil es die Bildung von Monopolen im Internet nicht verhindere. Burda machte deutlich: Suchmaschinen (und auch Social Networks) sind ein Teil der Netzinfrastruktur – und damit ein Nadelöhr für nahezu jedes Internetangebot. Denn nur wer auffindbar und sichtbar ist, könne erfolgreich sein.

Dies berge, verdeutlichte der VDZ-Präsident den Vertretern der Europäischen Kommission, die Gefahr des Missbrauchs durch Unternehmen mit dominierender Stellung. Sie könnten ihre Marktposition ausnutzen, um sich Vorteile in Geschäftsfeldern zu verschaffen, die direkt auf die eigene Infrastruktur aufsetzen, etwa durch die privilegierte Anzeige eigener Inhalte und Dienste. Burda unterstrich hier die Forderung nach Neutralität der Netzinfrastruktur, um Chancengleichheit für alle Internetangebote zu schaffen.

Burda und Christoph Keese (Axel Springer AG) erläuterten zudem den Einsatz der deutschen Verleger für ein eigenes Leistungsschutzrecht. In Berlin hatte die Bundesregierung vor wenigen Wochen ihren Willen zur Schaffung dieses neuen Rechts bekräftigt, damit Verlage im Online-Bereich nicht schlechter gestellt seien als andere Werkmittler. Für die Verleger ist dies ein wichtiger Schritt, „um die rechtlichen Rahmenbedingungen an die neue digitale Realität anzupassen“.

Gipfeltreffen mit DLD-Geist

Beim DLD FOCUS Nightcap in Davos: Philipp Rösler, Hubert Burda und Frank Appel © Hubert Burda Media

Der DLD FOCUS Nightcap war Hotspot am ersten Abend des Weltwirtschaftsforums in Davos. Rund 700 Gäste strömen am Mittwoch zu dem Vernetzungsevent im Hotel Belvédère – Topmanager und Politiker ebenso wie Internet-Pioniere, Gründer, Medien- und Kulturschaffende aus aller Welt. Es ist bunt, es ist Business, kurz: es ist DLD mitten in Davos. Die globale Elite zu Gast in einem kleinen Raum mit digitalem Lagerfeuer und Tegernseer Musi.

Der Nightcap, zu dem DLD, FOCUS und Hubert Burda Media in diesem Jahr eingeladen hatten, ist längst als traditioneller Abschluss des WEF-Auftakttages im schweizerischen Kurort Davos etabliert. Viele der geladenen Hochkaräter hatten sich davor bereits in München getroffen, denn der Nightcap knüpfte wie immer auch an die „Digital-Life-Design“-Conference an und brachte deren interdisziplinären Vernetzungsgeist nach Davos. „Wir freuen uns sehr, dass der Andrang und das Interesse am Nightcap so groß sind. Das zeigt auch wie attraktiv das Ereignis mittlerweile als Brücke zwischen DLD und Weltwirtschaftsforum geworden ist“, erklärten die DLD-Gründer Marcel Reichart und Stephanie Czerny.

Um die Transformation von Geschäftsmodellen, um neue Datenschutzregelungen, und die Grundsatzfrage „All you need is …data?“ war es bei DLD 2012 gegangen. Mehr als 800 Teilnehmer aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Medien und Wirtschaft waren zu Gast, darunter US-Topvertreter des Silicon Valleys aber auch Delegationen aus Russland, Indien und der Türkei. Diese besondere Mischung fand sich beim DLD FOCUS Nightcap wieder. Auch thematisch passte das abendliche Highlight zum 42. Weltwirtschaftsforum: Das Gipfeltreffen, das noch bis zum 29. Januar dauert, steht 2012 unter dem Motto „Die große Transformation – neue Modelle gestalten.“

Unter den DLD FOCUS Nightcap-Gästen waren: Lufthansa-CEO Christoph Franz, Deutsche-Post-Chef Frank Appel, Siemens-Boss Peter Löscher und Allianz-CEO Paul Achleitner, die Vizepräsidentin der EU-Kommission Viviane Reding, Wirtschaftsminister Philipp Rösler und sein Bayerischer Kollege Martin Zeil, Eric Schmidt und Nikesh Arora von Google, der Aufsichtsratschef von Facebook Jim Breyer, Aenne-Burda-Preisträgerin Arianna Huffington, der indische Großindustrielle Lakshmi Mittal, Autor Paulo Coelho, Bertelsmann-Chefin Liz Mohn und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.

Geschichten eines Lebens

Geschichten aus dem Leben Franz Burdas: Die Biografie von Ute Dahmen

Unter dem Titel „Senator Dr. Franz Burda – Geschichten eines Lebens“ erscheint heute – am 25. Todestag von Franz Burda – eine Biografie über sein Leben und Werk im Petrarca Verlag. Die Offenburger Journalistin und Autorin Ute Dahmen erzählt die Lebensgeschichte Franz Burdas, dem Drucker, Verleger und Unternehmer, Kunst-, Musik- und Naturliebhaber, treuen Freund und Förderer in vielerlei Hinsicht: „Die Biographie Franz Burdas, des Senators, wie ihn alle nannten, ist die eines Selfmademan, mit der klassischen Erfolgsgeschichte eines Unternehmers, der aus der kleinen Drei-Mann-Druckerei seines Vaters das große Druck- und Verlagshaus geschaffen hat“, so die Autorin.

Das Buch (erscheint im Petrarca-Verlag) wird heute bei einem Festakt zu Ehren des verstorbenen Unternehmers in Offenburg im Beisein zahlreicher Freunde und Weggefährten vorgestellt. Zu den Ehrengästen zählen auch Extrembergsteiger Reinhold Messner, Moderator Frank Elstner sowie Startrompeter Walter Scholz.

Ein rasantes Leben

Hubert Burda gratuliert Paul Pietsch zum Hundertsten

Paul Pietsch ist erfolgreicher ehemaliger deutscher Automobilrennfahrer und Verleger aus Leidenschaft. Vor 65 Jahren gründete er gemeinsam mit den Motorsportlern Ernst Troeltsch und Josef Hummel die Motorsport GmbH in Freiburg, die die Autozeitschrift „Das Auto“ auf den Markt brachte. Zu seinem 100. Geburtstag kamen nun prominente Weggefährten und Freunde im Neuen Schloss in Stuttgart zusammen. Verleger Hubert Burda gratulierte Pietsch persönlich in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).

„Ihr Leben ist wie kaum ein anderes mit zwei großen Leistungen der Deutschen verbunden: Mit der Entstehung der Medien am Oberrhein, wo Sie herstammen und der Gründung Ihres Verlages in Stuttgart. Der Ort, von dem man sagt, dass hier die Wiege des Automobils steht“, so Hubert Burda. Er betonte, dass kaum ein anderer die historischen Dimensionen der Entwicklung der Medien und die Entwicklung des Autos in einer Person widerspiegele wie Paul Pietsch. „Ein großes Leben voller großer, kühner Taten und bei allem sind Sie bescheiden geblieben“, so Burda über den Jubilar. „Wer kann auf eine Biografie von einer derartigen historischen Bedeutung zurückblicken wie Sie?“

Mit dem Titel „Auto, Motor und Sport“ bekam das Nachkriegsmagazin „Das Auto“ einen neuen Namen. Noch immer ist es das publizistische Flagschiff des Verlags, der heute vielfältige Special-Interest-Zeitschriften zu den Themen Motorräder, Lastwagen, Flugzeuge, Camping oder Caravaning herausbringt. Weltweit sind es mehr als 140 Titel in 22 Ländern.

Hubert Burda erinnerte in seiner Rede an die Anfänge des Stuttgarter Medienunternehmens 1946. Einer Zeit, in der sich auch sein Vater Franz Burda um eine Genehmigung bei den französischen Behörden für die Zeitschrift „Das Ufer“ – die heutige BUNTE – bemühte. Noch gut kann er sich an das Schriftstück „Droit d’imprimé“ erinnern kann, das der Senator damals erhalten hatte. Bis 1952 widmete sich Pietsch neben dem Verlagsgeschäft weiter dem Motorsport, gab seine aktive Karriere jedoch nach einem Rennunfall auf. Zudem wurde der Verlag stetig erfolgreicher und größer. 1976 zog sich der Verleger aus dem aktiven Tagesgeschäft des Unternehmens zurück.

Unter den rund 250 Geburtstagsgästen im Neuen Schloss waren auch Hartmut Ostrowski, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, VW-Chef Martin Winterkorn, ADAC-Präsident Peter Meyer und Audi-Vorstand Rupert Stadler. Darüber hinaus nahmen langjährige und verdiente Mitarbeiter der Motor Presse Stuttgart an dem Festakt teil, der mit einem Mittagessen im Marmorsaal des Schlosses endete. Tief gerührt drückte Paul Pietsch seine Dankbarkeit gegenüber Gratulanten und Gästen aus.

Einweihung in Indien

Druck-Standort: Hubert Burda beim Indien-Besuch

Die Maschinen laufen bereits auf Hochtouren, nun ist die Tiefdruckerei in Neu-Delhi auch offziell eingeweiht worden. Verleger Hubert Burda, der Burda-Vorstandsvorsitzende Paul-Bernhard Kallen und Burda Druck-Chef Egon Weimer waren für die Feier nach Indien gereist – nach Neu-Delhi eingeladen hatten der Geschäftsführer des indischen Verlags, Rajiiv Verma, und Shobhana Bhartia, die Vizechefin von Hindustan Times Media. Die indische Tageszeitung ist gemeinsam mit Burda Druck Partner des Joint Ventures HT Burda Media.

Unter den mehr als hundert geladenen Gästen waren auch die indische Ministerin für Information und Broadcasting, Ambika Soni, sowie der deutsche Botschafter Thomas Matussek. Im Anschluss an eine Einweihungszeremonie folgten Reden von Shobhana Bhartia, Hubert Burda und Ministerin Soni, bevor die Gäste sich beim High Tea austauschen konnten.

Bereits im März 2010 war die Arbeit in der indischen Druckerei aufgenommen worden, die zweite Rotationsmaschine im Mai in Betrieb genommen. Für den neuen Standort wurden zwei Tiefdruckrotationen aus Offenburg in Neu Delhi wieder aufgebaut. Die Führungsriege und Geschäftspartner von HT Burda Media waren bereits im September für zwei Tage zu Besuch in Baden. Neben zahlreichen Gesprächen hatte auch eine Besichtigung der Druckerei und der Burda Medien Park Verlage auf dem Programm gestanden.

Die Tageszeitung Hindustan Times wurde 1924 von Mahatma Gandhi gegründet und ist heute mit täglich über 1,2 Millionen Lesern die am schnellsten wachsende Zeitung in englischer Sprache. Mit Hindustan, der Tageszeitung in der Landessprache Hindi, erreicht HT Media sogar rund zehn Millionen Leser täglich.

Über Eindrücke und Vorhaben in Indien sprach Hubert Burda zusammen mit Paul-Bernhard Kallen im Livemint.com-Interview.

Die Zukunft der Medien

DLD 2011: Arthur Sulzberger und Hubert Burda

Was sind die nächsten digitalen Trends und was die Herausforderungen für die Medienbranche? Diese Fragen standen zum Auftakt der dreitägigen Digitalkonferenz DLD am Sonntag in München im Mittelpunkt. „Wir brauchen Qualitätsjournalismus“, betonte der Herausgeber der „New York Times“ Arthur Sulzberger im Gespräch mit Verleger und Schirmherr Hubert Burda.

Was den Distributionsweg betrifft, wollte er sich allerdings nicht festlegen. Obwohl die Zahl der Abonnenten der gedruckten Zeitung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei, müsse man die Leser dort abholen, wo sie sind – und das könnte auch am Tablet-Computer oder am Smartphone sein.

Alle vier Sekunden lande ein Artikel der Traditionszeitung beim Kurznachrichtendienst Twitter, verwies Sulzberger auf die Annerkennung der verlässlich hochwertigen Leistung seiner Journalisten. „Woher wissen Sie, wem Sie trauen können? Lügen verbreiten sich schneller als die Wahrheit. “ Allerdings hat auch der Printexperte die Veränderungen klar vor Augen: Die Nutzer suchen nicht mehr, sondern interagieren mittlerweile vor allem in sozialen Netzwerken.

Deshalb setzt auch der Traditionsverlag auf Applikationen unter anderem für das iPad und versucht so, neue Wege zu gehen und davon zu lernen. Das vor einigen Jahren getestete Online-Bezahlmodel habe nicht gut funktioniert, weshalb das Medienunternehmen es jetzt mit einer abgestuften Variante probiert. Von einem ist Sulzbeger aber überzeugt: „Die Menschen zahlen für Dinge, von denen sie denken, dass sie wichtig sind. Das können Informationen über angesagte Restaurants sein – aber eben auch Qualitätsjournalismus.“

Eine veränderte Zielgruppe hat auch Hubert Burda vor Augen, wenn er betont: „Investieren Sie Ihre Gewinne in die neuen Geschäftsmodelle.“ Burda, der vor zwei Jahren beim DLD über die lausigen Pfennige klagte, die mit Werbung im Internet zu verdienen seien, ist mittlerweile überzeugt, dass die Zukunft des Internets eher im E-Commerce als in der Werbung liegt. In seinem eigenen Unternehme werde Ende des Jahres der digitale Umsatz erstmals den des nationalen Printgeschäfts überholen.

Bei der DLD-Konferenz 2011 sprachen 150 Referenten in mehr als 60 Diskussionsrunden über digitale Trends. Unter den mehr als 850 Teilnehmern aus 25 Ländern waren digitale Vordenker, Kreative und Pioniere aus den Bereichen Medien, Wirtschaft, Gesellschaft, Technologie und Kunst. Das Motto „Update your Reality“ solle auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf Wirtschaft, Gesellschaft und den Einzelnen verweisen, so die DLD-Gründer und Macher Steffi Czerny und Marcel Reichart.

Mehr Informationen zur Digitalkonferenz DLD finden Sie im Internet unter www.dld-conference.com.

Wunderkammer Internet

Das Internet als Wunderkammer: Hubert Burda in Dresden

Sie ist eine der ältesten ihrer Art: Die Kunstkammer im Dresdner Residenzschloss feiert in diesen Tagen 450-jähriges Bestehen. Welche Bedeutung haben ihre prächtigen historischen Sammlungen heute? Welche Parallelen gibt es zum digitalen Zeitalter? Zum Jubiläum hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gemeinsam mit der Humboldt-Universität Berlin Experten zu einem zweitägigen Kolloqium eingeladen. Über „Das Internet. Die Erfindung des Globalen“ sprach Hubert Burda.

„Die Wunderkammer von heute ist das Internet“, erklärte der Verleger vor rund hundert Gästen. „Kuriositätenkabinette“, zunächst von reichen Fürsten geschaffen, bevor sie in wissenschaftliche Sammlungen übergingen, seien der Versuch gewesen, Objekte und Artikel anzusammeln, die man normalerweise nicht anschauen oder finden konnte. Derjenige, der über diese Dinge verfügen konnte, habe damit gleichzeitig Macht und Einfluss gehabt.

Im digitalen Zeitalter habe Google eine grundlegende Veränderung mit sich gebracht: Die Suchmaschine ersetze die redaktionelle Auswahl eines „Kurators“ aus Fleisch und Blut durch einen Algorithmus. Der PageRank, bei dem nicht nur nach Schlagworten, sondern auch nach Empfehlungen von anderen Seiten gesucht wird, sei der entscheidende Vorteil auf dem Weg zur marktbeherrschenden Suchmaschine gewesen, sagte Burda. So sei eine neue Welt aus einzelnen Seiten und Verlinkungen entstanden, die Google große Macht verschaffen.

Das Prinzip der neuen Wunderkammer: Je mehr Links auf eine Seite verweisen, umso höher deren Gewicht. Und dieses Prinzip findet sich auch in den großen und immer mächtiger werdenden sozialen Netzwerken wir Facebook wieder: Inhalte und Empfehlungen bekommen ihre Relevanz aufgrund sozialer Nähe und Interaktion und wachsen mit immer neu generierten Inhalten und Vernetzungen. Vorteil: Jeder kann, wie zum Beispiel auch in der Video-Community YouTube, gleichberechtigt Inhalte einstellen – und mit dem mobilen Internet kann sie jeder weltweit bei sich haben.

Wie sieht die Wunderkammer der Zukunft aus? Inhalte würden immer abstrakter und datenbezogener, erklärte Burda in Dresden – für ihn ist die Visualisierung von Daten der nächste Schritt. Ein neues Bild der Welt entstehe, Google Streetview sei dafür nur ein Beispiel. Burda schloss seinen Vortrag mit einem YouTube-Video: Der Dirigent und Komponist Eric Whitacre hat für sein Stück „Lux Aurumque“ Stimmen von 250 Menschen aus zwölf verschiedenen Ländern arrangiert – und dirigiert damit einen komplett virtuellen Riesen- Chor. „Auch das ist die neue Wunderkammer des Internets“, so Burda.

Diskussionen um alte und neue Wunderkammern führte der Verleger im Anschluss auch abseits des Symposiums weiter. Die Gäste hatten außerdem Gelegenheit, die Sonderausstellung im Dresdener Residenzschloss zu bewundern: Zum Jubiläum sind derzeit die Kunstkammerinventare in vier Bänden zu sehen.