Im Zeichen des Miteinanders

Im Schloss Bellevue: Salomon Korn, Michael Naumann, Hubert Burda und Christian Wulff (c) Bundespresseamt

Zu Ehren des Aktionskomitees der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hat Bundespräsident Christian Wulff Hubert eine Komitee-Delegation – darunter: Salomon Korn und Hubert Burda – am Donnerstag zum privaten Abendessen ins Schloss Bellevue eingeladen. Ein Termin in kleiner Runde, der am Herzen lag: Schließlich nimmt die Hochschule auf besondere Weise eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahr. „Die Heidelberger Hochschule als Zentrum für Jüdische Studien auszubauen und im Geist des deutschen Judentums, seines Kosmopolitismus‘, Studenten verschiedener Religionen, Nationen und Erdteile in Kultur und Geschichte des Judentums auszubilden, ist eine Herausforderung, die des Engagements vieler bedarf, welche die besondere Bedeutung dieser Chance begreifen“, erklärte Hubert Burda im Schloss Bellevue. Er betonte: „Um ein Miteinander zu fördern, muss erst ein gegenseitiges Verständnis gefunden werden.“

Sorge dafür zu tragen, dass die Hochschule Vorbild für ein solches kulturelles Miteinander werden kann, ist Ziel des Aktionskomitees. Zusammen mit Salomon Korn hatte Hubert Burda es 2008 zur ideellen und finanziellen Unterstützung des Hochschul-Neubaus gegründet. Die Mitglieder des Aktionskomitees – Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Medien und Sport – treffen sich seitdem in loser Folge unter dem Vorsitz Salomon Korns, um den intellektuellen Austausch auch über die offizielle Einweihung des Neubaus hinaus zu pflegen.

Insgesamt 2,15 Millionen Euro sammelten das Komitee und seine Mitglieder für den Neubau und die Ausstattung der Hochschule. Hubert Burda Media hat den Bau unter anderem mit der Virtuellen Bibliothek zur deutsch-jüdischen Geistesgeschichte unterstützt und mit Buchpatenschaften Mittel für das Projekt gesammelt. Mit großem Erfolg: Angefangen hatte die vom Zentralrat der Juden getragene Einrichtung mit 16 Studenten – jetzt ist Platz für 250. Derzeit sind 150 Studierende aus 14 Ländern eingeschrieben. Acht Lehrstühle befassen sich mit Bibel und Exegese, mit Kunst, rabbinischer Literatur, Philosophie und Geistesgeschichte. In der Hochschule werden Religionslehrer, Sozialarbeiter, Rabbiner und Kantoren ausgebildet. Eine neue Initiative der Hochschule ist das Aktionsprogramm „ Begegnen – Verstehen – Mitgestalten“, das Menschen in Begegnungsmodulen zusammenbringen soll.

Als Senator geehrt

Hubert Burda bei seiner Rede

Für seine herausragende Förderung und Unterstützung des europäischen Kompetenzzentrums für Jüdische Studien in Heidelberg wurde Hubert Burda am Montag zum Ehrensenator der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ernannt. Der Verleger erhielt die Urkunde während einer feierlichen Zeremonie persönlich aus den Händen des Ersten Prorektors Johannes Heil. „Hubert Burda, der als neugieriger Entdecker für unternehmerische Visionen steht, setzte sich nachhaltig und mit großem Engagement für den Neubau dieser in Deutschland einzigartigen Institution ein“, erklärte er in seiner Laudatio.

In seiner Dankesrede ging Hubert Burda vor allem auf die digitale Revolution und die Bedeutung von Printprodukten ein – fand die Verleihung doch in Heidelberg, einer Wiege des Buchdrucks, statt. Gerade in Zeiten der digitalen Reproduzierbarkeit gehöre es zu den großen Privilegien, morgens eine Zeitung oder eine Zeitschrift aufzuschlagen. Die digitale Revolution sei allgegenwärtig: „Es ist eine unruhige See, die da draußen tobt. Umso so wichtiger sind Inseln wie die Jüdische Hochschule. Orte der Introversion um zu reflektieren“, betonte er.

Johannes Heil hob Burdas zupackende Art hervor, die, wie er sagte, das Land wieder voran gebracht habe, und stellte fest: „Hubert Burda will Gesellschaft gestalten. Das tut er auch in Bereichen, die nicht unbedingt ertragreich sind. Lyrik ist so etwas.“

2007 hatte Hubert Burda gemeinsam mit Salomon Korn, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Hochschule sowie Vizepräsident des Zentralrats der Juden, ein Aktionskomitee gegründet, das sich finanziell und ideell für einen Neubau eingesetzt hatte. Zu den Mitgliedern gehörten auch Persönlichkeiten wie Friede Springer, Stefan von Holtzbrinck, Klaus Tschira und Josef Ackermann. Im September 2009 wurde das neue Gebäude feierlich seiner Bestimmung übergeben. Studenten finden hier ein breit gefächertes Angebot im Bereich der jüdischen Studien.

„Ohne Hubert Burda, ohne dessen Überzeugungskraft und ohne seinen Willen zur Verwirklichung einer für ihn als historisch empfundenen Verpflichtung gäbe es diesen Neubau nicht“, betonte auch Salomon Korn. Zur Verleihung der Ehrensenatorwürde ergänzte der Vorsitzende des Kuratoriums: „Du hast sie wie kaum ein anderer verdient und bist ihrer wahrlich würdig.“

Hubert Burda wurde für seine Verdienste um die jüdische Kultur bereits mit dem Leo-Baeck-Preis und der Ohel-Jakob-Medaille ausgezeichnet. Zudem ist er Initiator des Hubert Burda Center for Innovative Communications an der Ben Gurion-Universität in Beer Sheva in Israel. Für den Neubau der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hatte sich der Medienfachmann etwas Besonderes einfallen lassen: Er unterstützte das Projekt unter anderem mit der virtuellen Bibliothek zur deutsch-jüdischen Geistesgeschichte. Über symbolische – zu bezahlende – Buchpatenschaften wurden hierüber Gelder gesammelt.

Die Bedeutung der Bilder

Klaus Adam (Vorsitzender Freunde der Universität), ZDF-Intendant Markus Schächter, Hubert Burda, Gottfried Boehm; Georg Krausch (Präsident der Johannes Gutenberg Universität Mainz)

Welche Macht haben Bilder? Das war bestimmendes Thema beim Fundraising Dinner der Freunde der Universität Mainz am Sonntagabend. Rund 200 Gäste aus Kultur und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft waren gekommen, um den Inhaber der zwölften Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur zu begrüßen: den Hochschullehrer, Kunsthistoriker und Philosoph Gottfried Boehm. Die Laudatio hielt Medienunternehmer und Kunsthistoriker Hubert Burda. Beide verbindet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem „Iconic Turn“.

„Die Macht und die Bedeutung der Bilder – der Iconic Turn – dieser Begriff ist mit Gottfried Boehm zum ersten Mal in Umlauf gebracht worden“, erklärte Burda am Sonntag. „Boehm hat entscheidende Impulse zur Entstehung einer neuen Bildwissenschaft gegeben, denn die Macht der Bilder ist hochaktuell. Nach jahrhundertlanger Prägung unserer Kultur durch Schrift und Text ist nun die visuelle Kommunikation wieder in den Vordergrund gerückt.“

Hubert Burda ging an diesem Abend auch auf sein Buch zum Thema ein, „In Medias Res – Zehn Thesen zum Iconic Turn“. Darin spannt er den Bogen von der Erfindung des Kupferstichs bis hin zur Digitalisierung und den damit verbundenen fundamentalen Umwälzungen in der Gesellschaft und ihrer Kommunikation.

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir in einer Schwellenzeit leben, vergleichbar mit der Gutenberg-Zeit um 1500. Der heutige Iconic Turn hat sich in einem ungeheuren Tempo durch die Digitalisierung verändert“, erklärte der Verleger in Mainz. Heute sei der Bildschirm das bestimmende Medium, auf dem Bilder abrufbar sind. Das Porträt, das über Jahrhunderte Künstlern überlassen war, sei auf jedem Handy hinterlegt. „Auf Facebook hat jeder sein eigenes Porträt und inszeniert sich selbst“, sagte Burda und verdeutlichte dies am eigenen Facebook-Profil.

„Die heutigen Wunderkammern sind nicht mehr die von Dresden, sondern das sind Google und Facebook“, schloss er seine Rede mit Blick auf das Grüne Gewölbe. Der Iconic Turn nehme mit der digitalen Revolution eine neue Wendung. So sei auch die Schwellenzeit, in der wir lebten, anhand tagtäglicher Veränderungen spürbar.

Die Zukunft der Medien

DLD 2011: Arthur Sulzberger und Hubert Burda

Was sind die nächsten digitalen Trends und was die Herausforderungen für die Medienbranche? Diese Fragen standen zum Auftakt der dreitägigen Digitalkonferenz DLD am Sonntag in München im Mittelpunkt. „Wir brauchen Qualitätsjournalismus“, betonte der Herausgeber der „New York Times“ Arthur Sulzberger im Gespräch mit Verleger und Schirmherr Hubert Burda.

Was den Distributionsweg betrifft, wollte er sich allerdings nicht festlegen. Obwohl die Zahl der Abonnenten der gedruckten Zeitung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei, müsse man die Leser dort abholen, wo sie sind – und das könnte auch am Tablet-Computer oder am Smartphone sein.

Alle vier Sekunden lande ein Artikel der Traditionszeitung beim Kurznachrichtendienst Twitter, verwies Sulzberger auf die Annerkennung der verlässlich hochwertigen Leistung seiner Journalisten. „Woher wissen Sie, wem Sie trauen können? Lügen verbreiten sich schneller als die Wahrheit. “ Allerdings hat auch der Printexperte die Veränderungen klar vor Augen: Die Nutzer suchen nicht mehr, sondern interagieren mittlerweile vor allem in sozialen Netzwerken.

Deshalb setzt auch der Traditionsverlag auf Applikationen unter anderem für das iPad und versucht so, neue Wege zu gehen und davon zu lernen. Das vor einigen Jahren getestete Online-Bezahlmodel habe nicht gut funktioniert, weshalb das Medienunternehmen es jetzt mit einer abgestuften Variante probiert. Von einem ist Sulzbeger aber überzeugt: „Die Menschen zahlen für Dinge, von denen sie denken, dass sie wichtig sind. Das können Informationen über angesagte Restaurants sein – aber eben auch Qualitätsjournalismus.“

Eine veränderte Zielgruppe hat auch Hubert Burda vor Augen, wenn er betont: „Investieren Sie Ihre Gewinne in die neuen Geschäftsmodelle.“ Burda, der vor zwei Jahren beim DLD über die lausigen Pfennige klagte, die mit Werbung im Internet zu verdienen seien, ist mittlerweile überzeugt, dass die Zukunft des Internets eher im E-Commerce als in der Werbung liegt. In seinem eigenen Unternehme werde Ende des Jahres der digitale Umsatz erstmals den des nationalen Printgeschäfts überholen.

Bei der DLD-Konferenz 2011 sprachen 150 Referenten in mehr als 60 Diskussionsrunden über digitale Trends. Unter den mehr als 850 Teilnehmern aus 25 Ländern waren digitale Vordenker, Kreative und Pioniere aus den Bereichen Medien, Wirtschaft, Gesellschaft, Technologie und Kunst. Das Motto „Update your Reality“ solle auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf Wirtschaft, Gesellschaft und den Einzelnen verweisen, so die DLD-Gründer und Macher Steffi Czerny und Marcel Reichart.

Mehr Informationen zur Digitalkonferenz DLD finden Sie im Internet unter www.dld-conference.com.

Web als Wunderkammer

„In Medias Res“ in der englischen Übersetzung: „The Digital Wunderkammer“ betrachtet den digitalen Wandel

Wie hat sich die Welt und ihre Wahrnehmung durch die Digitalisierung verändert? Welche Rolle spielt die visuelle Kommunikation? Bereits im vergangenen Jahr hat Verleger Hubert Burda in Zusammenarbeit mit namhaften Experten ein weiteres Buch zum Thema „Iconic Turn“ herausgebracht: „In Medias Res“. Unter dem Titel „The Digital Wunderkammer“ kommt es nun auch auf Englisch in den Handel – und feiert bei DLD 2011 Premiere: Dort wird Hubert Burda es zusammen mit dem Computerwissenschaflter David Gelernter erstmals präsentieren.

Grundthese von „Digital Wunderkammer“: Durch die Digitalisierung hat sich die Welt rasant verändert. Nicht nur Informationen, sondern auch Bilder werden schnell, gezielt und großräumig verbreitet. Das Internet bietet scheinbar unendliche Möglichkeit zum globalen Speichern und Vernetzen von Wissen und dessen Repräsentation, und wird zu einer neuen, digitalen Wunderkammer. Aber nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Art und Weise wie wir Bilder wahrnehmen hat sich verändert. Gerade die Medienmacher, also Journalisten, Fotografen, Grafiker, Verleger aber auch Software-Programmierer sind maßgeblich an der Art und Weise beteiligt wie die Menschen ihre Umwelt wahrnehmen. Die Geltung der visuellen Kommunikation nimmt merklich zu.

Doch was sind Bilder eigentlich? Welche Funktion erfüllen sie in ihren jeweiligen Kontexten? Und wie hat sich die Wahrnehmung durch den „Iconic Turn“ verändert? Hans Belting, Horst Bredekamp, Bazon Brock, Friedrich Kittler und Peter Sloterdijk beschäftigen sich in ihren Beiträgen mit der Beantwortung dieser Fragen und tragen somit zum Verständnis dieses komplexen Themas bei.

Die Ideen und Erkenntnisse zum „Iconic Turn“ werden auch Hubert Burda und David Gelernter auf der Innovationskonferenz DLD diskutieren. Sie findet vom 23. bis 25. Januar im Hypovereinsbankforum in München statt.

„The Digital Wunderkammer“ erscheint im Fink Verlag unter der ISN-Nummer 978-3-7705-5193-4 und ist ab Ende Januar im Handel erhältlich.Weitere Informationen zu DLD finden Sie unter www.dld-conference.com.

Laudatio für Charlotte Knobloch

Ehrung in St. Moritz: Hubert Burda, Charlotte Knobloch und Zeev Rotstein

30. Dezember, St. Moritz im Schnee. Das Hotel Carlton hatte zum sechsten Mal zur Benefizgala geladen. Rund 200 VIP-Gäste kamen zur „Hot Party in the Snow“ zugunsten des „Sheba Medical Centers“, das nicht nur als größtes und modernstes, sondern auch als bedeutendstes Krankenhaus in Israel und im ganzen Nahen Osten gilt. Patienten werden dort unabhängig von Herkunft, Nationalität und Religion behandelt.

Verleger Hubert Burda hielt die Laudatio auf Charlotte Knobloch, die bis November 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland war, und an diesem Abend vom Generaldirektor des „Sheba Medical Centers“ Zeev Rotstein, mit dem „Sheba Humanitarian Award“ ausgezeichnet wurde. Der Preis wird seit 1990 vom Chaim Sheba Medical Center an herausragende und hochkarätige Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Kultur verliehen.

Zur Laudatio auf Charlotte Knobloch

Aktuelle Geschichte

Graf Alexander Fugger-Babenhausen, Hubert Burda und Fürst Hubertus Fugger-Babenhausen

„Navigare necesse est“: Seefahren ist notwendig – oder von Hubert Burda sinngemäß übersetzt mit „Du musst immer aufbrechen“. Diesen Wahlspruch hat er zwar ursprünglich von Sigmund Freud, dennoch verbindet Burda ihn mit einer anderen Persönlichkeit: Jakob Fugger. Welche Aktualität dessen Wirken im digitalen Zeitalter hat und inwiefern der Augsburger Kaufmann Hubert Burda ein (wahl-)verwandter Geist geworden ist, erklärte der Träger der Jakob-Fugger-Medaille am Dienstag im Bayerischen Landtag. Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Medien, Politik und Kultur waren gekommen, um die Rede zu hören.

Eingeladen hatte Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Rahmen der Reihe „Der Landtag im Gespräch mit …“. „Wir brauchen einen Impulsgeber, der wie Sie Entwicklungen nicht nur rechtzeitig, sondern in ihrem Entstehen erkennt und daraus Konsequenzen für die Zukunft zieht“, erklärte die Politikerin in ihrer Begrüßungsrede.

Als Mensch, der ein Gespür für neue Entwicklungen hatte, und in Zeiten des Umbruchs immer weitergegangen ist, sieht Hubert Burda auch Jakob Fugger. „Die Zeit um 1500 war eine Schwellenzeit“, so der Verleger. Johannes Gutenberg revolutionierte mit seinen beweglichen Lettern den Buchdruck und Christoph Kolumbus entdeckte Amerika. „Zwei epochale Entwicklungen, der Beginn der Neuzeit“, sagt Burda. Heute sei genau so eine Schwellenzeit, die epochale Veränderung dabei das Internet.

Der 1559 in Augsburg geborene Fugger bekam sein erstes Rüstzeug in Venedig. Dort erlernte er eine völlig neue Form des Rechnungswesens: die doppelte Buchführung, anhand derer sich komplizierte Rechnungsvorgänge darstellen ließen. Der vielfältige Handel von Waren und ihre Distribution waren die Grundlagen des Fuggerschen Erfolgs. Das Haus erwarb sich schnell den Ruf von Zuverlässigkeit und Kreditwürdigkeit für Bankgeschäfte – und wurde unter anderm zum Finanzier Maximilians von Habsburg.

Die wesentlichste Veränderung brachte laut Burda aber die Erschließung der Seewege. Auch hier reagierte der weitsichtige Kaufmann schnell, schuf neue Faktoreien an Knotenpunkten wie Antwerpen und erschloss über den maritimen Weg zusätzlich den Handel mit dem neu entdeckten Amerika. „Jakob Fugger managte zu seiner Zeit den größten multinationalen Konzern, ein weltweites Handelsimperium vergleichbar etwa mit Nestle oder Siemens“, so Burda.

Neue Handelswege, sprich in der heutigen Onlinewelt Geschäftsmodelle entdecken, schwierigen Zeiten mit Offenheit und Innovativität begegnen – das ist für den Medienunternehmer Burda etwas, was man sich von Jakob Fugger abschauen kann. Die traditionellen Gutenberg-Medien entsprächen den alten terrestrischen Handelswegen, die neuen Medien würden maritim verbreitet. „Wir leben in einer völlig neuen Realität“, so Burda. Ein Umdenken sei gefordert.

Das Credo „Content ist King“, der Glaube der Verleger daran, ein Monopol auf Inhalte zu haben, sei in der maritimen Internetwelt hinfällig. Dagegen mache Google mit der Verbreitung von Inhalten und Informationen über Algorithmen statt über Redakteure Milliarden. Auch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter mit rein nutzergenerierten Inhalten forderten eine neue Sichtweise. „Sie bekommen Nachrichten heute überall her“, erklärte Burda und spielte damit auf die Schwierigkeit an, im Netz Geld zu machen. Neue Wege in der digitalen Vermarktung zu gehen, sei daher wesentliche Aufgabe.

Als Beispiele für maritime Marken bei Burda nannte er digitale Beteiligungen wie Xing, Glam oder Holidaycheck und Onlinehändler wie Cyberport oder Computeruniverse, sowie die Tomorrow Focus AG – Nummer zwei in der Vermarktung. Der Digitalumsatz bei Burda wachse stetig und mache mittlerweile mehr als ein Viertel des Umsatzes aus. Es brauche allerdings die richtigen Menschen und den richtigen Innovationsgeist, um an den amerikanischen Vorsprung anzuschließen. „Navigare necesse est“ – mit diesen Worten schloss Hubert Burda ganz im Sinne Jakob Fuggers – und lud die Gäste danach in die Schackstraße ein, um sich weiter auszutauschen.

Besonderes Geschenk

Die Grundschule Fessenbach heißt nun Hubert-Burda-Schule

Hubert Burda ist Offenburger – ganz genau Fessenbacher. In dem kleinen Ortsteil hat der Verleger seinen ersten Wohnsitz, hier hat er ein Schlössle und seit gestern gibt es auch eine nach ihm benannte Grundschule. Damit steht der Unternehmer in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie Friedrich Schiller, Konrad Adenauer oder Anne Frank, die ebenfalls ansässigen Schulen ihre Namen geben.

Bei fast frühlingshaften Temperaturen erlebten rund 150 Gäste, darunter Lehrer, Schüler und deren Eltern, die Taufe der Fessenbacher Schule, in der rund 90 Kinder unterrichtet werden. Die Idee, Hubert Burda die Grundschule zu widmen, hatte Rektor UIrich Fischer anlässlich des 70. Geburtstags des Verlegers. Unterstützer des Projekts fand er in Ortsvorsteher Paul Litterst und Oberbürgermeisterin Edith Schreiner.

„Ich freue mich, dass der neue Name der Schule mit dem weltweit erfolgreichen, aber auch in Fessenbach verwurzelten Unternehmer einen optimalen lokalen Bezug findet“, erklärte der Schulleiter. Ortsvorsteher Litterst bedankte sich bei Hubert Burda für das offene Ohr, das dieser immer habe, und dass er immer die Verbindung zu seinem Heimatort gepflegt hat. „Die Widmung der Schule soll dafür ein ‚bleibendes Geschenk der Dankbarkeit‘ von Fessenbach an Hubert Burda sein“, erklärte Litterst.

Gemeinsam enthüllten Ortsvorsteher und Verleger die Namenstafel „Hubert-Burda-Schule“ vor dem Schuleingang. „Ich danke Euch sehr für die große Ehre und ich verspreche, dass ich immer ein Auge darauf habe, dass diese Schule wächst und gedeiht'“, betonte Burda in seiner Dankesrede. Und ging darauf ein, dass er jeden Winkel in Fessenbach kenne und wie viel er mit der Gegend verbindet. „Es ist ein begnadet schöner Ort“, so der Badener.

Oberbürgermeisterin Schreiner beglückwünschte die Schule zu der Namenswahl und freute sich, dass die Kinder den Namensgeber ihrer Schule persönlich kennenlernen konnten. „Sie vermitteln, wie man lernt und neugierig ist und wie man sich den neuen Medien öffnet und sich fit für unser neues Wissensjahrhundert macht“, wandte sich Schreiner an Hubert Burda.

Von den Schülern gab es als Dankeschön einen Chorauftritt und eine Tanzvorführung. Und gut, dass in der Ortenau jedes Kind von klein an das „Badner Lied“ beherrscht – das wurde am Ende des offiziellen Teils gemeinsam von allen Gästen und der Burda-Werkskapelle angestimmt, bevor Luftballons mit dem Aufdruck „Hubert-Burda-Schule“ in den Himmel über Fessenbach stiegen.

Zu Gast im Schloss

Begrüßung in Bellevue: Das Bundespräsidentenpaar empfing Hubert Burda und Maria Furtwängler

Es war ein verspätetes Geschenk zu Hubert Burdas 70. Geburtstag: ein exklusives Mittagessen im kleinen Rahmen bei Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Schloss Bellevue. Die Gästeliste durfte der Jubilar persönlich zusammenstellen – und entschied sich für eine illustre Runde aus rund 20 Freunden und Weggefährten. Darunter Max-Planck-Präsident Peter Gruss, Philosoph Peter Sloterdijk oder Unternehmer Arend Oetker.

Horst und Eva Köhler empfingen Hubert Burda und Gattin Maria Furtwängler zur Mittagszeit auf dem geschichtsträchtigen Amtssitz an der Spree. „Ich glaube, ich kann das auch im Namen der Anwesenden sagen, wie sehr wir uns freuen, Ihre Gäste zu sein und wünschen uns ein spannendes und interessantes Mittagessen“, bedankte sich der Verleger für die Einladung in die Bundeshauptstadt.

Die folgenden zwei Stunden im Schinkelsaal des Schlosses standen ganz im Zeichen der Vorlesungsreihe „Iconic Turn“, die Hubert Burda von 2000 bis 2004 an der Ludwig Maximilians Universität in München initiiert hatte. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Gesellschaft durch eine zunehmende Macht der Bilder verändert. Viele der geladenen Gäste waren Referenten der Vorlesungsreihe.

Während des Essens entbrannte ein reger Austausch über Medien, die digitale Revolution und die Frage, wie sich die Gesellschaft durch eine zunehmende Macht der Bilder verändert. „Es gibt keinen Bereich, der mittlerweile nicht davon betroffen ist: Denken Sie nur an die Veränderung bei den gedruckten Medien“, gab Hubert Burda zu bedenken. Sloterdijk verwies darauf, dass dies eine Diskussion sei, die – in sich verändernder Form – seit mehreren hundert Jahren geführt wird und vermutlich nie enden wird.

Wolfram Weimer, der im Herbst die Chefradaktion von FOCUS übernimmt und sich derzeit im Hauptstadt-Büro als Entwicklungschef mit seinen Aufgaben vertraut macht, sah in der Veranstaltung Parallelen zu Versammlungen von Gelehrten im antiken Griechenland: „Es war eine geistreiche Runde lebhafter Vordenker. Hubert Burda hat aus Schloss Bellevue eine philosophische Agora werden lassen.“

In einer entspannten und freundschaftlichen Atmosphäre plauderten und diskutierten die Gäste. „Es hat einfach die Chemie gestimmt“, resümierte Stephan Sattler aus dem Stab von Hubert Burda.

Die Zukunft im Netz

Blick in die Zukunft: DLD zog 800 Gäste nach München

Wie sieht nach der Krise die Zukunft in Wirtschaft und Gesellschaft aus? Die Digitalkonferenz DLD eröffnete vom 24. bis 26. Januar für rund 800 Gäste in München neue Perspektiven.

DLD ist international bekannt dafür, nicht bloß eine weitere Web-Konferenz zu sein. Zwei Dinge machen sie besonders: Die Bandbreite der Themen und der freundschaftliche, kommunikative Charakter. Das heißt: Auch hinter den Kulissen passiert viel, werden neue Kontakte geknüpft oder entstehen ganze Geschäftsideen.

Diese Mischung war Grund für Hubert Burda, bereits zum sechsten Mal Vordenker aus der ganzen Welt nach Deutschland einzuladen. Und bei dem Austausch ging es nicht nur um Digitales, sondern auch um Kunst, Kultur und soziale Verantwortung. Kein geringerer als Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zeigte beispielsweise, wie man dank der neuen Technologien mit ganz wenig Großes schaffen kann.

Dass Neues auch Altes verdrängen kann, darum ging es ebenso: „Unruhestifter“ wie die Gründer von des Telefondienstes Skype, der Online-Enzyklopädie Wikipedia oder dem Browser-Hersteller Mozilla haben gezeigt, wie ganze Industriezweige umgekrempelt werden können. Andere Bereiche werden folgen – und vielleicht ist die nächste große Idee schon gestern in einer kleinen Garage in China angeschoben worden. Die heranwachsende Supermacht sieht Trendforscher John Naisbitt derzeit vom Westen völlig unterbewertet.

Es ging beim DLD in München aber auch um Inhalte im Netz – gerade für Medienhäuser wie Burda ein wichtiges Thema. Mit ihnen lässt sich online kaum Geld verdienen und auch die Werbung wirft gerade mal „lousy pennies“ ab, wie es Hubert Burda im vergangenen Jahr formulierte und nochmals wiederholte. Aber werden die mittlerweile fast unzählbaren Inhalte im Netz in Zukunft überhaupt noch von Menschen erstellt? FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher kritisierte: „Heute entscheiden Algorithmen, welche Informationen wichtig sind.“

Und da fehlt die Transparenz, genauso wie bei der Auswertung von Suchergebnissen oder der Bezahlung von Online-Werbung. Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen forderte deshalb Suchmaschinengigant Google zu mehr Offenheit auf. Vize und Chefjustiziar David Drummond möchte seine Geschäftspartner nicht vergraulen und signalisierte zumindest Diskussionsbereitschaft. Viele spannende Anknüpfungspunkte also für eine siebte Ausgabe der Innovationskonferenz im kommenden Jahr.